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9.5.1876: Der Otto-Motor
Er ist es leid. Alle möglichen Leute experimentieren mit Motoren und Kraftmaschinen, auch dieser Etienne Lenoir, aber noch immer sind es Pferde, die Kutschen und Wagen ziehen: kein Motor. Man müsste, so denkt er, Lenoirs Maschine weiterentwickeln und mit Spiritus betreiben.

Er, das ist Nicolaus August Otto, geboren am 14. Juni 1832 in Holzhausen an der Haide im Taunus, gelernter Kaufmann, nun in Köln in Stellung bei einem Kolonialwarenhändler. In seinem Pass steht unter Beruf "Reisender". Der Reisende Otto ist ein Tüftler, ein technisches Genie, aber das mit dem Spiritusmotor wird nichts, noch nichts. Er stellt den Motor ins Lager und sucht einen Partner mit Geld und Ausdauer.

Partner

In Eugen Langen findet er einen Mann mit Geschäftssinn und einem Gespür für das, was die Kleinindustrie von ihm verlangt. Sie will einen Motor, und den bekommt sie von der ersten Motorenfabrik, der späteren Gasmotoren-Fabrik Deutz - Deutz bei Cöln, Rheinpreussen.

Das ist der Durchbruch: Die atmosphärische Gaskraftmaschine, ein halbes PS stark, findet reißenden Absatz. Man kann damit bohren, sägen, hämmern usw. In einem Werbeprospekt damals heißt es: "Die Ausgabe für das consumirte Gas ist der einzige Kostenpunkt des Betriebs. Arbeitslöhne für die Bedienung der Maschine erwachsen in keiner Weise."

Die Firma expandiert. 1872 kommt ein neuer Mitarbeiter in den Betrieb: Gottlieb Daimler, zuständig für die Werkstätten und für das Personal. Aber schon bald stellt sich heraus: Otto kann mit Daimler nicht, denn der will alles anders machen als Otto, der Firmengründer. Bald wird Daimler gehen und seine eigene Fabrik gründen; an seinen Stern denkt er wohl schon zur Deutzer Zeit. Übrigens: Wilhelm Maybach ist auch bei Otto und Langen tätig.

Vier Takte

1875: Nicolaus August Otto holt sein altes Modell aus dem Lager, seinen Viertaktverbrennungsmotor. Niemand weiß, wann er dann zum erstenmal gelaufen ist. Als Geburtsstunde des Ottomotors gilt der 9. Mai 1876. An diesem 9. Mai 1876 wird ein Arbeitsdiagramm des Motors gezeichnet und abgeheftet. Es sieht aus wie ein Ballettschuh von der Seite.

Wohlgemerkt: Es ist noch immer Gas, das den Motor an treibt. Und das sind sie, die vier Takte, wie in der Schule gelernt - und meist vergessen: Der erste Takt ist das Ansaugen eines Kraftstoffluftgemischs, der zweite Takt ist der Takt, bei dem dieses angesaugte Kraftstoffluftgemisch verdichtet wird. Im dritten Takt wird die Verbrennung erzeugt, die eigentliche Leistung also erzeugt, und im vierten Takt wird das verbrannte Gas wieder ausgestoßen.

Mit der Entwicklung der Zündung von außen und der Verwendung flüssiger Kraftstoffe wird der Otto-Motor von der städtischen Gasleitung unabhängig. Ob wohl Otto jemals daran gedacht hat, dass die Menschen sich irgendwann einmal mittels eines Ottomotors in einem Auto fortbewegen werden?


Autor: Claus-Dieter Gersch
   
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