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30.4.1825: Börsenverein des Buchhandels
Der Name "Börsenverein" ist ziemlich irreführend, die meisten vermuten dahinter Wertpapier- und Geldgeschäfte - und liegen gar nicht so verkehrt. Als der Börsenverein der Deutschen Buchhändler am 30. April 1825 in Leipzig gegründet wurde, war einer seiner Hauptaufgaben, Buchhändlern und Verlegern das Umrechnen der verschiedenen deutschen Landeswährungen zu erleichtern.

Geschäft: Buch

Da Buchhändler früher zu der Leipziger Buchmesse reisten, um Neuerscheinungen zu kaufen, setzte der Börsenverein zum Abrechnen der unterschiedlichen deutschen Landeswährungen den Wechselkurs fest. Heute gibt es immer noch eine Abrechnungsgesellschaft der Buchhändler - nur Leipzig wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Hauptmesseplatz von Frankfurt abgelöst.

Weshalb das so ist, erklärte Dr. Heinz Gollhardt, Geschäftsführer der VGS Verlagsgesellschaft in Köln und Mitglied des Verlegerausschusses im Börsenverein: "(...), weil in Leipzig kein Lizenzgeschäft zu machen ist, und die Frankfurter Buchmesse die weltgrößte Menge vorweist, in der Verkauf von Lizenzen, also Rechten, eine Rolle spielt. In historischen Zeiten waren die Messeplätze für die Buchhändler da, damit die sich dort eindecken können, aber das ist längst keine Funktion dieser Messen mehr, und die Leipziger Messe ist nach wie vor benachteiligt dadurch, dass sie nicht die Internationalität hat und auch nicht diese Größe."

Schutz geistigen Eigentums

Der Börsenverein in Leipzig war die erste gesamtdeutsche Korporation, der auch ausländische Verleger und Buchhändler beitreten konnten - vorausgesetzt sie hatten geschäftliche Verbindungen zum deutschen Buchhandel. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beaufsichtigte der Börsenverein nicht nur die Buchhändlerbörse, sondern kämpfte auch gegen die Zensur, was beides heutzutage keine Rolle mehr spielt. Immer noch aktuell ist dagegen der Kampf gegen den räuberischen Nachdruck.

Aus dem Versuch, geistiges Eigentum zu schützen, hat sich mittlerweile die Regelung des Urheberrechts entwickelt. Dazu sagte Dr. Heinz Gollhardt: "Urheberrechtsfragen zu klären, ist eine zunehmend schwierige Aufgabe, die vom Börsenverein bzw. von Fachjuristen, die vom Börsenverein mit beauftragt werden, gelöst werden sollen. Ich erinnere nur daran, dass also z.B. mit der CD-Rom oder überhaupt mit elektronischen Medien neue Verwertungsformen entstanden sind, bei denen die Urheberrechtsfragen noch ziemlich ungeklärt sind."

Dachverband

Was ungewöhnlich ist: Der Börsenverein war von Anfang an Dachverband der Verlage und des Buchhandels, also von zwei absolut unterschiedlichen Wirtschaftszweigen. Wenn man bedenkt, dass jedes Jahr allein in Deutschland mehrere zehntausend neue Titel erscheinen, es bundesweit mehrere hunderttausend lieferbare Bücher gibt und sich Buchhandlungen im Internet etabliert haben, dann ist das Weiterbestehen des Verbandes keineswegs selbstverständlich.

Dr. Heinz Gollhardt sagte dazu: "Bücher wurden ja in den ersten Zeiten des Börsenvereins auch noch ungebunden in Fässern über Land transportiert, also die bedruckten Bogen wurden einfach aufgerollt und in Fässer gesteckt, damit sie wetterdicht waren. Heute gibt es eine ganz ausgebaute Logistik des Großhandels, der mit 100 Lastwagen innerhalb von 24 Stunden überall ein Buch hinbringt, das bestellt wird, und das geht eben auch nur mit der Preisbindung."

Ladenpreis und Friedenspreis

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich der Börsenverein unter Vorsitz von Adolf Kröner nicht nur für den festen Ladenpreis ein, sondern beteiligte sich an der Einrichtung von Büchereien, was beides zu scharfer Kritik an dem "Kartell" des Börsenvereins führte. Vorläufiges Ende der Auseinandersetzung war 1904 ein Kompromiss: Der Börsenverein gewährte Bibliotheken Preisnachlässe, die immer noch gelten. Der feste Ladenpreis für Bücher wird dagegen bis heute nach wie vor heftig diskutiert.

Nach 1945 schlossen sich die Buchhändler zu Landesverbänden zusammen, die von Leipzig unabhängig waren. Seit 1948 hat die Dachorganisation ihren Sitz in Frankfurt. Der Börsenverein sorgt heute dafür, dass für Bücher der halbe Mehrwertsteuersatz gilt, er erstellt ein Verzeichnis aller lieferbaren Bücher und betreibt eine Buchhandelsschule. Von internationaler Bedeutung ist der 1950 von den Verlagen gestiftete Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der nach dem Nobelpreis für Literatur mit zu den angesehensten Preisen gehört.


Autorin: Maicke Mackerodt
   
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