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6.4.1865: BASF gegründet
Mit Farben hatte alles begonnen. Mitte des 19. Jahrhunderts, die industrielle Revolution krempelte das Leben der Menschen in Europa gerade gründlich um, beantragte die Badische Anilin und Sodafabrik beim König von Bayern die Konzession für die Herstellung chemischer Farbstoffe.

Naturfarbe reichte der expandierenden Textilbranche nicht mehr aus zum Bleichen, Zurichten und Färben von Stoffen. Die Wissenschaftler experimentierten und machten eine eher zufällige Entdeckung: Aus Steinkohlenteer lassen sich ausgezeichnete Farbstoffe gewinnen.

Auf diese Entdeckung setzt die Badische Anilin- und Sodafabrik, kurz BASF. Das Zeitalter der Chemieindustrie beginnt. Der Bedarf ist riesig, die Firma wächst rasant. Im Katalog der Weltausstellung, die 1900 in Paris stattfindet, heißt es: "Die badische Anilin- und Sodafabrik ist unbestritten die größte chemische Fabrik der Welt. Sie beschäftigt in Ludwigshafen am Rhein 148 wissenschaftlich gebildete Chemiker, 75 Ingenieure und Techniker, 305 kaufmännische Beamte. Die Zahl der Arbeiter, welche im Gründungsjahre der Fabrik, 1865, 30 betrug, ist fortdauernd gestiegen. Sie erreichte am 1. Januar 1900 6207."

Unbegrenztes Forschen und Wachstum

Die Zeit ist günstig für das junge Unternehmen. Der Industrie wird alles zugetraut, man setzt auf unbegrenztes Forschen und Wachstum. Verbesserte Arbeitsbedingungen, Hygiene und Gesundheitsversorgung lassen die Bevölkerung schnell anwachsen. Die Ernährung wird zum Problem und die Chemie zum Retter auserkoren.

Der Wissenschaftler Sir James Crook, charakterisierte die Euphorie zur Jahrhundertwende: "Es ist der Chemiker, der der bedrohten Menschheit zur Hilfe kommen muss. Durch das Laboratorium kann Hungersnot schließlich in Überfluss verwandelt werden. Die Bindung des atmosphärischen Stickstoffs ist eine der großen Entdeckungen, die auf die Genialität der Chemiker wartet."

Den Professoren Carl Bosch und Fritz Haber gelingt schließlich die Synthese von Ammoniak aus Stickstoff und Wasserstoff - und für die BASF beginnt ein neues Kapitel der Firmengeschichte: das Haber-Bosch-Verfahren ermöglicht die Massenproduktion von Stickstoffdünger.

Dunkle Zeiten - schwere Vergangenheitsbewältigung

Dann macht der Erste Weltkrieg zum ersten Mal die Ambivalenz vieler Chemieprodukte deutlich: Mit synthetischem Ammoniak wird nicht nur Dünger hergestellt, sondern auch Sprengstoff. Chlor und Phosgen aus der Farbstoffindustrie werden als Kampfgase eingesetzt.

Als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kommen gibt es die BASF nicht mehr als eigenständige Firma. 1925 hatte das Unternehmen zusammen mit anderen Firmen, darunter Höchst und Bayer, die I.G. Farben gegründet.

Das Wirken der I.G. Farben im Nationalsozialismus gehört zu den düstersten Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Noch Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigten die Entschädigungsforderungen ehemaliger Zwangsarbeiter Politik und Wirtschaft sowie Gerichte. Erst im Jahr 2000 wird in Deutschland die Errichtung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" beschlossen. Die 1952 - sieben Jahre nach der Auflösung der I. G. Farben - neu gegründete BASF gehörte mit 15 weiteren Konzernen zu den Initiatoren der Stiftung. Bis 2007 wurden mehr als 4,3 Milliarden Euro an 1,6 Millionen frühere Zwangsarbeiter in mehr als 100 Ländern gezahlt.

Die BASF ist in sechs Jahrzehnten nicht nur wieder an die Spitze der deutschen Industrie aufgestiegen. Sie ist zugleich das führende Chemieunternehmen der Welt. Mit ca. 111.000 Mitarbeitern, sechs Verbundstandorten und rund 370 Produktionsstandorten bedient der Konzern Kunden und Partner in fast allen Ländern. Knapp die Hälfte der BASF-Beschäftigten arbeit in Deutschland.

Autorin: Gerda Meuer / Bearbeitung: Manfred Böhm
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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