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30.3.1936: Mit der "Hindenburg" nach Südamerika
"Ja, es ist in der Tat die modernste Verkehrsform, die sich an den historischen Ufern des schwäbischen Meeres entwickelte und jetzt betätigt. Ein transatlantischer Verkehr über eine Strecke von etwa 5.000 Meilen nimmt von hier seinen Ausgang. Südamerika und Mitteleuropa sind sich auf drei Tage Reise nahe gerückt. Die bisher erforderliche Reisezeit ist auf ein Drittel bis ein Viertel durch die Zeppelin Luftschiffe herabgedrückt", freute sich Hugo Eckener, der damalige Chef der Friedrichshafener Zeppelin-Werke.

Am 30. März 1936 erhob sich ein Gigant über den Bodensee und nahm Kurs auf Südamerika. Das legendäre Luftschiff LZ 129 "Hindenburg" hat nie gekannte Ausmaße, war das größte jemals im zivilen Passagierdienst eingesetzte Luftfahrzeug: 245 Meter Länge, 200.000 Kubikmeter Gasfüllung, vier Motoren für 131 Kilometer in der Stunde Reisegeschwindigkeit und eine Reichweite von 12.000 Kilometern.

Freie Fahrt für die Gaswurst

Erst wenige Jahre zuvor war es Eckener gelungen, den Siegern des Ersten Weltkrieges die Erlaubnis zum Bau der Giganten abzuringen. Die hatten dies im Versailler Vertrag verboten, weil Zeppeline Bomben über England abgeworfen hatten: "Nachdem so das Eis gebrochen war, konnte die bisher verweigerte Erlaubnis zum Bau großer Passagierluftschiffe von den Alliierten erlangt werden, und es begann jetzt vom Jahre 1928 ab die Reihe der Aufsehen erregenden Zeppelinfahrten durch die ganze Welt und über die Meere."

Doch aller Anfang ist mühsam. Zwar erhob sich bereits im Jahre 1900 die erste von Ferdinand Graf von Zeppelin gebaute Gaswurst vom Boden, zwar hatten die Militärs sich der Technologie bemächtigt, doch das Vertrauen der Schönen und der Reichen in die silbernen Zigarren mussten die Luftschiffbauer erst noch gewinnen.

Der Durchbruch gelang rasch - und für ein gutbetuchtes Klientel brach in Konkurrenz zu Schiff und Flugzeug eine neue Ära des Reisens an. Fast geräuschlos glitt man über den Ozean, schnell war der Luxusliner Medienereignis. Bereitwillig berichtete die Presse über skurrile Frachtgüter oder die Kaviarvorräte des Chefkoches, man stellte die erste Flugstewardess der Welt vor und beschrieb die Schlafkabinen der "Hindenburg".

Langstrecke in der silbernen Zigarre

1.400 Reichsmark kostete die Reise nach Rio de Janeiro 1932, als ein Arbeiter im Schnitt 120 Reichsmark im Monat nach Hause trug - ein Vermögen. Dafür aber ginge die Reise fix, versprach Hugo Eckener am 30. März 1936: "Ich bin sicher, dass es möglich ist, den Fahrplan ebenso genau einzuhalten, wie die modernen Seedampfer es tun. Ein genaueres Studium der Luftdruckverteilung auf der Strecke in den verschiedenen Jahreszeiten sollte es möglich machen, für die Rückfahrt ebenso sicher mit dreieinhalb Tagen auszukommen, wie für die Hinfahrt drei benötigt werden."

Der Langstreckenverkehr rentierte sich, die Fahrten waren ausgebucht. Die High-Society leistete sich nicht nur Fahrten nach Südamerika, auch Luxor oder Russland wurden angefahren. Auf den alten Frachtlisten finden sich Affen und Schlangen, Silberbestecke und Flügel.

Aus für den "Stolz der Nation"

Dann der 6. Mai 1937, 18.24 Uhr Ortszeit im US-amerikanischen Lakehurst in der Nähe New Yorks läutete das Ende einer Ära ein. Das Luftschiff "Hindenburg" explodierte. Radioreporter, wie der in Tränen ausbrechende Herbert Morrisson, berichteten live, wie Deutschlands "Stolz der Nation" binnen Sekunden zu Aluminiumschrott verbránnte und 35 Menschen das Leben kostete.

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Autorin: Gerda Gericke
   
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