Kalenderblatt dw.com
 
28.3.1842: Wiener Philharmoniker gegründet
Es klingt paradox: Aber eigentlich sind die Wiener Philharmoniker niemals gegründet worden, zumindest nicht in dem Sinne wie vergleichbare Konzertorchester im übrigen Europa oder in Übersee. Denn sie existierten bereits lange Zeit als Theaterorchester, genauer als Hausklangkörper des Wiener Opernhauses. Neudeutsch könnte man von den Philharmonikern eher als Produkt eines Outsourcing-Prozesses reden: In der Oper war und ist man Arbeitnehmerorchester, als Philharmoniker hatte man sich selbständig gemacht.

Bis heute sind die Philharmoniker zugleich Orchester der Oper. Ja, Mitglied der Philharmonie kann ein Musiker überhaupt nur dann werden, wenn er auch in jenem Opernorchester Mitglied ist. Heute überstrahlt das Renommee der Unternehmung "Philharmoniker" allerdings bei weitem das des personalidentischen Opernorchesters. Anders als vor 160 Jahren.

Die Lage in der Stadt der "Wiener Klassiker" Haydn, Mozart und Beethoven war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von dem völligen Fehlen eines aus Berufsmusikern bestehenden Konzertorchesters gekennzeichnet. Berufsmusiker waren nur in den Theaterorchestern der Stadt zu finden.

Nun lag der Gedanke nahe, sich derer für einzelne Konzerte zu bedienen. Mozart griff schon 1785 auf das Orchester des Hofburgtheaters zurück, und Beethoven führte 1824 mit dem Opernorchester seine Neunte Symphonie auf - mehr schlecht als recht allerdings, denn der schon taube Komponist konnte vor Aufführung lediglich eine Probe abhalten.

Und so gilt der 28. März 1842 als Geburtsstunde der Wiener Philharmoniker, als das "Orchester-Personal des k.u.k. Hof-Operntheaters" wie es noch hieß "mittags um halb ein Uhr" ein großes Konzert gab. Angeregt hatte dies deren Kapellmeister Otto Nicolai, der zu einem Kreis liberaler Musiker und Literaten gehörte, die nicht nur die Misere des Wiener Konzertwesens, sondern auch die allgemeine, politische Misere kannten.

So verknüpfte er die Idee der Philharmonischen Konzerte von Beginn an mit der Idee einer philharmonischen Verfassung. Deren Kern besagte, jeder Mitwirkende soll auch Unternehmer sein, künstlerische Ehre und materiellen Vorteil gewinnen.

Nicolai blieb die nächsten fünf Jahre Leiter der Philharmoniker und hatte sich künstlerisch besonders den Werken Beethovens verschrieben.

In elf Konzerten wurden alle seiner Symphonien aufgeführt, was einen Chronisten später zu der Äußerung brachte: "Die Wiener Philharmoniker sind entstanden, um Beethovens symphonisches Vermächtnis zu erfüllen."

Nach dieser Frühphase begannen sich die Philharmoniker immer mehr von ihrer "Alltagsarbeit" als Opernorchester zu emanzipieren. 1870 hatte man sich auch räumlich von der Oper getrennt, nun spielten die Philharmoniker im Goldenen Saal des Musikvereins.

Das Unternehmen florierte, bald auch über die Grenzen Österreichs hinaus. Im Jahr 1900 unternahm man die erste Auslandsreise, 1922 ging es gar nach Südamerika. "Jeder Geiger ein Kolumbus, jeder Bläser ein Konquistador" hieß es scherzhaft. Man hatte die Welt entdeckt, und die Welt entdeckte die Wiener Philharmoniker. Auch durch die Erfindung von Radio und Schallplatte, denn diese erschlossen neue Hörer, unabhängig von Zeit und Ort.

Ihre Dirigenten haben sich die Philharmoniker übrigens immer selbst gewählt - in basisdemokratischer Tradition. Bis 1933 waren unter anderen Hans Richter, Gustav Mahler, Felix von Weingartner und Wilhelm Furtwängler ständige Dirigenten. Heute arbeitet man ausschließlich mit wechselnden Gastdirigenten, einer allein könnte das Pensum der "Unvergleichlichen" wohl auch nicht mehr erfüllen. Denn die Mitgliederzahl von rund 150 Musikern macht es möglich, dass die Wiener Philharmoniker sogar an zwei Orten zur gleichen Zeit auftreten können.

Autor: Dirk Stroschein
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Männer vergehen, Diamanten bestehen.
  > Elizabeth Taylor
> RSS Feed
  > Hilfe
Wer schrieb "Früchte des Zorns" und "Von Mäusen und Menschen" und erhielt 1962 den Literaturnobelpreis?
  Arthur Miller
  Ernest Hemingway
  John Steinbeck