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19.3.1964: St. Bernhard Tunnel eröffnet
Fragt man Passanten nach dem ältesten Autotunnel durch die Alpen, dann bekommt man meist nur die eine Antwort:

Umfrage:
"Der Gotthard-Tunnel!"
"Ich denke, der Gotthard!"
"Sankt Gotthard-Tunnel."

Der Gotthard-Tunnel ist zwar der längste Alpen-Tunnel, aber nicht der älteste. Denn diesen Superlativ beansprucht der St. Bernhard Tunnel für sich. Der Autotunnel wurde bereits 1964 eröffnet, 16 Jahre früher als die Röhre durch den Gotthard.

Die Autostraße unter dem großen St. Bernhard ist ein gemeinsames Projekt der Schweizer und Italiener. 1958 wurde zwischen den beiden Ländern ein internationales Abkommen unterzeichnet, die Finanzierung des Projektes wurde von privater Seite geleistet. Unter dem Tunnel wurde eine Pipeline gebaut. Die Fahrzeuge sollten je nach Größe für die Durchfahrt des Tunnels bezahlen; damit sollten die Kosten gedeckt werden. Das Projekt konnte beginnen.

Im April 1962 kam es zum ersten großen Höhepunkt in der Tunnelgeschichte des St. Bernhards: In der Mitte des Tunnels trafen sich die Trupps der schweizerischen und der italienischen Seite. Die Arbeiter waren nur noch durch drei Meter Felsgebirge voneinander getrennt. Dann folgte eine Reihe von Detonationen, eine lauter als die andere.

Die Tunnelwände erzitterten. Ein letzter lauter Knall, eine riesige, dunkle Staubwolke, dann war das Loch da. Das Loch, das ab nun die Schweiz und Italien miteinander verbinden sollte. Bis zur endgültigen Eröffnung des ersten Autotunnels in den Alpen sollte es aber noch zwei Jahre dauern.

Durch zahlreiche Felseinstürze, schlechtes Wetter und Wassereinbrüche verzögerte sich die ursprüngliche Planung. Für den knapp sechs Kilometer Tunnel brauchten die Arbeiter insgesamt sechs Jahre, drei Jahre mehr als ursprünglich geplant. Am 19. März 1964 wurde der Tunnel dann endlich offiziell eröffnet.

Bis zu diesem Termin sollte kein Privatfahrzeug durch den Tunnel fahren. Eine Ausnahme gab es aber doch: Wenige Tage vor der Eröffnung wurde ein Mädchen aus dem italienischen Aostatal durch den Tunnel gefahren.

Das 14-jährige Mädchen war lebensgefährlich erkrankt und musste in ein Schweizer Krankenhaus gebracht werden. Die Tunnelleute genehmigten diese Ausnahme gerne. Beim Bau des Tunnels waren 13 Arbeiter tödlich verunglückt; durch den Transport des kranken Mädchens glaubte man nun, den verärgerten Berggeist wieder beruhigen zu können. Dies blieb aber auch die einzige Ausnahme.

Nach dem St. Bernhard Tunnel wurde ein Jahr später der Montblanc Tunnel der Öffentlichkeit übergeben. Zahlreiche weitere Alpentunnel folgten.

1999 führte der ADAC dann einen Tunneltest durch. Unter anderem wurden der Tauern- und der Gotthardtunnel getestet - und eben auch der Große St. Bernhard Tunnel. Der ADAC gab ihm die Note mangelhaft, die schlechteste Note, die der Automobilclub überhaupt vergab. Otto Saalmann vom ADAC zählt die Mängel auf, die die Tester unter anderem beanstandeten:

Otto Saalmann, ADAC: "Zum einen hatte er eben nur eine Röhre mit Gegenverkehr, die Notruftelefonen waren nicht lärmgekapselt, das heißt man hat hier nix verstanden. Dann auch kein durchgehender Verkehrsfunk, kein Handybetrieb möglich, es gab keine zusätzlichen Fluchtmöglichkeiten und die Feuerwehren hatten einen sehr langen Anfahrtsweg. Man hat allerdings dann, bis zum Jahr 2001, einiges verbessert."

Verbessert wurde im Tunnel so einiges: Unter anderem wurde eine lückenlose Videoüberwachung sowie ein automatisches Brandmeldesystem installiert. Außerdem hat man durchgesetzt, dass alle Gefahrguttransporte angemeldet werden müssen. Für bestimmte Gefahrgutklassen gibt es nun Begleitfahrzeuge. Der Tunnel bekam jedoch auch im zweiten Test 2001 nur die Note ausreichend. Für eine andere Bewertung gibt es laut Saalmann noch dringende Punkte, die erst verbessert werden müssten:

Otto Saalmann: "Also ganz wichtig ist natürlich wirklich die Modernisierung des Lüftungssystems, das heißt das hier auch Öffnen/Schließen von Brandklappen unter Berücksichtigung der Lage des Brandherdes auch möglich wird. Dann natürlich, dass mehr Tunnelübungen der Feuerwehr unter realen Brandverhältnissen abgehalten werden, es müssen unbedingt zusätzliche Fluchtmöglichkeiten geschaffen werden, hier gibt's nämlich gar keine. Notruftelefone müssen gegen Lärm geschützt werden. Also da ist auf jeden Fall auch noch was zu tun."

Autorin: Daniela Ziemann
   
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