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15.3.1895: Caruso debütiert
Ob am Abend des 15. März 1895 schon eine Vorahnung auf eine märchenhafte Weltkarriere spürbar werden konnte, darf bezweifelt werden: Denn es war sicherlich keine besonders herausragende Veranstaltung, die sich da im "Teatro Nuovo" in Neapel abspielte:

Der Komponist Domenico Morelli hatte sich aus eigener Tasche ein Ensemble zusammengekauft, um seine neue Oper "L'amico francesco" zur Uraufführung gelangen zu lassen. Wie berichtet wird, bediente er sich "von Vaterlandsliebe und Trägheit inspiriert" der musikalischen Grundlage eines damals populären Liedes, der "Africanella".

Angesichts der gähnenden Leere an der Theaterkasse blieb es dann bei zwei statt der geplanten vier Aufführungen, obwohl in einer dürren Zeitungsnotiz von einem immerhin "zufriedenstellenden Ergebnis" die Rede gewesen sein soll.

Die Rollen waren etwas unglaubwürdig besetzt: Als Adoptivvater des immerhin weit über 16-jährigen Baritons Ciabò gab ein 22-jähriger sein Bühnendebüt: der Tenor Enrico Caruso. Ein paar Monate vorher hatte der erste Anlauf - geplant war die Rolle des Wilhelm Meister in der Oper "Mignon" - noch mit einem Fiasko geendet: Caruso kam in der entscheidenden Probe mit Noten und Text durcheinander und die Veranstalter zogen die Notbremse.

Nun hatte er offensichtlich die Nerven besser im Griff; ein anwesender Theateragent notierte sich seinen Namen. Seine Stimme war schon früh aufgefallen, und als Solist des Kirchenchores und als Straßensänger hatte er seit der Kindheit seinen Beitrag zum bescheidenen Einkommen der Familie geleistet.

Nun, nach seinem Bühnendebüt macht Caruso schnell seinen Weg von den kleinen Provinztheatern zu den großen Häusern. 1900 debütiert er im Gralstempel der italienischen Oper, der Mailänder Scala.

Caruso verkörpert einen neuen Stimm- und Sängertypus, der den Nerv der Zeit trifft. Er verbindet die Stimmbeherrschung des klassischen Belcanto mit der leidenschaftlichen Expression, die der zeitgenössische populäre Opernstil, der "Verismo", fordert.

Und seine Stimme hat noch etwas besonderes, wie sich zeigt: Mit ihrem dunklen Timbre erweist sie sich als außerordentlich geeignet für die noch ganz am Anfang stehende Technik der Tonaufnahme und Wiedergabe. Die Agenten der englischen "Gramophone Company", Gaisberg und Michelis, verpflichten Caruso - trotz des telegrafischen Verbots ihrer Gesellschaft, der das geforderte Honorar des Tenors zu hoch erscheint - zu einer Aufnahmesitzung.

Am 11. April 1902 beginnt in einem Mailänder Hotelzimmer der Siegeszug der Schallplatte. "Caruso made the gramophone and the gramophone made Caruso": Der Sänger wurde zum Pionier der neuen Technik, und die Schallplatte brachte seinen Ruhm in eine neue Dimension: Insgesamt nahm er 266 Platten auf, und bis heute sind rund 60 Millionen Exemplare verkauft worden.

Caruso war der erste Megastar des 20. Jahrhunderts; sein Name wurde Legende und sein Gesang Vorbild für die nachfolgenden Sängergenerationen.

Autor: Michael Gessat
   
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