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15.2.1965: "Die Soldaten"
Bernd Alois Zimmermanns "Soldaten": Knapp zwei Stunden Musik, die es in sich haben. Zehn Sprech- und 16 Gesangspartien, darunter sechs hohe Tenöre sieht die Partitur vor, dazu ein Orchester mit mehr als 100 Musikern, für das kein Opernhaus einen ausreichend großen Orchestergraben hätte. Aber es sind nicht nur die äußeren, sondern vor allem die komplexen inneren Dimensionen dieser Oper, die ihr rasch das Diktum der Unspielbarkeit einbrachten.

Nach der Fertigstellung der Auftragsarbeit für die Kölner Oper 1960 musste Bernd Alois Zimmermann fünf Jahre warten, bis sie uraufgeführt wurde. Dazwischen lagen Anfeindungen, Ablehnung, schließlich eine konzertante Teiluraufführung durch den WDR und eine Überarbeitung durch den Komponisten selbst.

Buh- und Bravo-Rufe

"Die Obrigkeit wollte das nicht bringen, weil die Oper angeblich unsingbar war. Aber Skandale gab es eigentlich nicht, abgesehen davon, dass sich einige Orchestermusiker beinahe geweigert hätten, das zu spielen, weil es so ungewöhnlich war. Aber das war die aufregendste und schönste Arbeit in meiner ganzen Laufbahn." Intensive Erlebnisse verbindet nicht nur Edith Gabry Kertesz, die gefeierte Hauptdarstellerin des Jahres 1965, mit den "Soldaten".

Das Uraufführungspublikum, überwiegend besetzt mit Anhängern zeitgenössischer Musik, spendete bereits Applaus auf offener Szene. Ungeteilter Jubel galt am Schluss Sängern und Orchester, angeleitet von Michael Gielen. Regisseur Hans Neugebauer wurde mit Pfiffen empfangen. Ein Gemisch aus Buh- und Bravo-Rufen hob an, als der Komponist die Bühne betrat.

Maries Partie

Edith Gabry Kertesz sang damals die Marie, jenes Bürgermädchen, das sich ähnlich wie im "Wozzeck" von einem Offizier verführen lässt, unaufhaltsam auf die abschüssige Bahn gerät und in der Gosse endet.

Ohne die Hilfe von Bernd Alois Zimmermann wäre es ihr wohl unmöglich gewesen, die Partie zu bewältigen: "Er hat sich sehr gekümmert. Er war wahnsinnig oft dabei und hat alles miterlebt, alle Stationen, die Entwicklung. Er hat auch mir sehr oft geholfen. Ich habe ihn mal gebeten: Hör mal, ich möchte mal ein As oder ein G aus dem Orchester hören, könnt ihr das nicht mal deutlicher zu meiner Orientierung spielen?! Eben solche Kleinigkeiten; abgesehen davon, dass er mir im zweiten Akt etwas herunter geschrieben hat, weil ich gesagt habe: Ich würde das wahnsinnig gern spielen, aber ich habe nicht diese hohen Töne, ich bin keine Königin der Nacht."

Eine neue Art des Musiktheaters

Ensemble und Orchester leisteten unter der Anleitung Neugebauers und Gielens Pionierarbeit. Eine völlig neue Art des Musiktheaters mit einer komplizierten Tonsprache, die den Sängern, allen voran der Marie von Edith Gabry Kertesz, bis dahin Unerhörtes abverlangte: "Alles entsprang Neugebauers Genie, die Inszenierung, es war unwahrscheinlich. Und dann noch Gielen! Also es war eine Sternstunde. Jeder redet von dieser Uraufführung!" Von der Uraufführung einer Oper, die neben Alban Bergs "Wozzeck" und "Lulu" zu den bedeutendsten Musiktheaterwerken des 20. Jahrhunderts zählt.



Autor: Gero Schließ
   
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