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2.1.1919: Erste elektrische Verkehrsampel
Der Verkehrsstau ist keine Erfindung der Neuzeit, schon zu Zeiten der Kutschwagen und Pferdekarren war in den großen Städten der Verkehr zu bestimmten Zeiten so dicht, dass es einfach kein Durchkommen mehr gab. An besonders stark frequentierten Kreuzungen wurden daher schon im 19. Jahrhundert Polizeibeamte postiert, die den Verkehrsfluss in alle Richtungen zu regeln hatten.

1868 gelang es schließlich, die Polizisten bei dieser ermüdenden und stupiden Tätigkeit zumindest teilweise zu entlasten: In London wurde die erste Verkehrsampel aufgestellt, bestehend aus einer drehbaren Lampenhalterung mit roten und grünen Gaslichtern. Wie heute bedeutete rotes Licht "Stopp", das grüne Licht hatte jedoch die Bedeutung "Achtung".

Mit einem Hebel konnte der gesamte Apparat so gedreht werden, dass dem Verkehr das jeweils nötige Licht entgegenstrahlte. Aber schon nach wenigen Monaten im Betrieb, genau am 2. Januar 1869, explodierte die Anlage und verletzte den Polizisten, der sie bediente, schwer.

Vorbild Schienenverkehr

Mit dem Aufkommen der Automobile wurde der Verkehr noch dichter. Gleichzeitig wurden die Straßen weit gefährlicher, vor allem deshalb, weil nun die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer wesentlich höher sein konnte als zuvor. Immer öfter kam es zu Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang - wie heute meist durch überhöhte Geschwindigkeit.

Auch in den USA, mit der Einführung der Fließbandfertigung beim Ford T-Modell zum höchst motorisierten Land aufgestiegen, nahmen die durch die Autos verursachten Probleme überhand. In Detroit, dem Sitz der damals größten Automobilfabriken des Landes, machte sich der Polizeioffizier William Potts daran, die Lage etwas zu entschärfen. Er dachte an ein System von elektrischen Signalen, wie es bei der Eisenbahn doch so wunderbar funktionierte, um damit den Straßenverkehr zu regeln.

Dies stieß jedoch auf praktische Schwierigkeiten, weil nämlich der Eisenbahnverkehr auf parallelen Gleisen abläuft, während der Verkehr auf den Straßen in alle Richtungen fließt. Dazu kommt, dass es mit Einmündungen und Kreuzungen eine Unzahl an kritischen Stellen gibt, wo die verschiedenen Verkehrsströme sich vereinigen und überkreuzen.

Drei Farben: Rot, Gelb, Grün

Potts hatte den Einfall, elektrische Lampen in drei Farben zu verwenden, nämlich Rot, Gelb und Grün, mit genau der gleichen Bedeutung, die noch immer gilt. Mit etwas Draht und anderen Zutaten stellte er zugleich sicher, dass in verschiedenen Richtungen nicht gleichzeitig dieselbe Farbe leuchten konnte.

Am 2. Januar 1919, zufällig auf den Tag genau 50 Jahre nach der Explosion der Londoner Gasampel, wurde dieses "Traffic Light", zu deutsch "Verkehrslicht", an der Kreuzung von zwei der belebtesten Straßen in Detroit installiert. Der Erfolg muss enorm gewesen sein, jedenfalls gab es innerhalb eines Jahres in Detroit schon 15 dieser Signalanlagen.

Zur gleichen Zeit arbeiteten auch in anderen Städten und Ländern Erfinder an dem Problem, den ständig steigenden Verkehrsfluss auf den Straßen mit einer preiswerten Anlage zu regeln. Und so verschieden die Personen waren, die das Problem bearbeiteten, so viele verschiedene Lösungen fanden sie: Anlagen, die wie die alten Eisenbahnsignale ihre Form änderten, bewährten sich neben Ampeln mit zwei, mit drei oder sogar mit vier verschiedenfarbigen Lichtern.

Übereinander und vollautomatisch

Wie und in welcher Reihenfolge diese Lichter anzuordnen seien, war anfangs durchaus nicht klar: So hatte die erste Verkehrsampel in Deutschland, 1924 auf dem Potsdamer Platz in Berlin aufgestellt, drei nebeneinander liegende Lichter.

Merkwürdigerweise ist aber keiner der Tüftler auf den Gedanken gekommen, seine Anlage zu patentieren - bis auf den schwarzen US-amerikanischen Erfinder Garrett Morgan. Er realisierte 1923 die erste vollautomatisch schaltendende Ampel, die also ohne Zutun eines Polizeibeamten selbsttätig ihren Dienst versah. Die "rote Welle", über die Autofahrer so gerne schimpfen, geht allerdings nicht auf sein Konto.


Autor: Carsten Heinisch
   
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