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18.12.1937: Die Kino-Legende Zarah Leander
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Die ehemalige Verlagssekretärin aus Karlstadt ist unterwegs zu neuen Ufern. Sie steht erotisch und rauchig im Kontra-Alt singend im Regen: Zarah Leander. 1937 feiert die große Schwedin ihren 30. Geburtstag und ihren endgültigen Karriere-Durchbruch, mit dem Film "Zu neuen Ufern", in der Regie von Douglas Sirks.

Die Jahre als Revuegirl in Skandinavien sind längst vorbei. Schon sieben Jahre zuvor hat die Leander ihre erste Filmrolle, doch erst mit dem Abschied aus Schweden und der Übersiedelung nach Wien wird das große Publikum auf sie aufmerksam.

Verrucht und geheimnisvoll

Im Krimi "Premiere" spielt sie 1935 die Hauptrolle und legt damit den Grundstein zu ihrer Karriere im nationalsozialistischen Deutschland. Dabei entspricht das Image der Leander so gar nicht der nationalsozialistischen Ideologie. Christina Guminski von der Murnau-Gesellschaft in Bielefeld sagte dazu: "Zarah Leander war eigentlich eine Frau, die etwas Verruchtes hatte, ein Geheimnis, was aber nicht unlösbar oder distanziert wirkte. Der Frauentyp ist eher die Frau, die selbstbewusst für sich sorgen kann und auch sorgen will, also die in keine normalen Abhängigkeiten gehen kann und deswegen wahrscheinlich auch immer ein Schicksal hatte, das nie so mit Happy End zu verbinden war. Die Schauspielerin Lilian Harvey erinnerte eher an das US-amerikanische "flapper girl": sie ist leicht und will beschützt werden, und bei Zarah Leander war das nie der Fall."

Selbstbewusst und verrucht, kokettierend tritt Leander in ihren ersten Ufa-Filmen auf. Doch mit Kriegsbeginn 1939 wird auch die herbe Schönheit in die Propaganda-Zwecke von Joseph Goebbels eingebunden. Gefragt ist jetzt Melancholie gepaart mit Durchhaltewillen.

Geliebte Sehnsucht

"Davon geht die Welt nicht unter" singt die Schwedin im Kriegsjahr 1941. Zwei Jahre später hat sie genug. Sie, die lange genug gedacht, gehofft hatte, nur Künstlerin zu sein, ohne von der Politik berührt zu werden, soll die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen. Doch dazu ist Zarah Leander zu sehr Schwedin - und hat zu große Abneigung gegen die Nationalsozialisten.

Sie geht zurück in ihre Heimat, auch wenn das zunächst ein Auftrittsverbot bedeutet. Selbst nach 1945 darf sie erst einmal nicht singen: weder in Schweden, noch in Deutschland, wo sich die Leander immer noch größter Beliebtheit erfreut. Die ersten Zeitungen im Sommer 1945 hatten den umherschwirrenden Gerüchten vom KZ-Tod der Sängerin mit der Schlagzeile "Zarah lebt" ein Ende bereitet.

Zarah ist und bleibt bis heute beliebt. Die Gründe hierfür sieht Christina Guminski wie folgt: "Beliebt sicherlich zum großen Teil wegen ihrer Stimme. Dieses rollende R und das leicht Verruchte, das löst einfach bei Leuten Sehnsüchte aus. Und jeder Mensch will Sehnsüchte und kann sie dann gut auf eine Person übertragen."

Ergebenheit in die Macht des Schicksals

Nach vier Jahren erzwungener Pause, die in Deutschland mit dem Zeigen von alten Leander-Filmen in den Kinos überbrückt wird, geht die Sängerin ab 1949 wieder auf Tournee. Sogar in Südamerika hat die Stimme mit dem rollenden R ihre Verehrer, ist das träge Verschleppen von Silben und die gesungene Melancholie bekannt.

1957 reist und singt Zarah Leander in über 50 deutschen Städten. Als sie 1981 stirbt trauern Tausende von Fans, und ein Kritiker schreibt: "Ihr Leitmotiv hieß Ergebenheit in die Macht des Schicksals." Die Leander ist für ihn: "Eine Heroine des Verzichts, eine Göttin der Unterwerfung, eine Riesin des Kleinbeigebens."


Autor: Jens Teschke
   
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