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8.12.1973: Letztes Callas-Konzert
Der Abglanz einer Jahrhundertstimme. Das Ende einer 30-jährigen Karriere. Zehn Jahre davon auf einer Höhe, die zur Unsterblichkeit reichen wird. Dann zehn Jahre lang nur noch ein Schatten dessen, was sie einmal war: Maria Callas.

Der sensationelle Aufstieg der griechisch-stämmigen New-Yorkerin Maria Kalageropoulos, genannt Callas, beginnt Anfang der 1950er Jahre. Ihre Stimme umfasst - bis heute einzigartig auf der Welt - alle Register vom hohen Koloratursopran bis zum tiefen Alt. Ihre Darstellungskunst übertrifft selbst die der besten Schauspielerinnen.

Alle Opernhäuser der Welt reißen sich um die Primadonna assoluta. Aber nach nur zehn Jahren sind die Reserven der Callas erschöpft. Die Stimme macht Schwierigkeiten, ihre Auftritte werden immer rarer. Fast zehn Jahre lang betritt Maria Callas keine Bühne mehr. Dann lässt sie sich zu einer Abschiedstournee überreden. Am 8. Dezember 1973 singt sie im Pariser Théâtre des Champs-Elysées. Es wird ihr letztes Konzert in Europa sein.

Maria Callas: "Natürlich ist die Stimme nicht mehr das, was sie vor zwanzig Jahren war. Niemand behauptet das. Das Publikum weiß das, und ich weiß es auch. Aber in manchem kann man sogar mehr sein, als vor zwanzig Jahren. Musikalischer, leidenschaftlicher. Vieles kann besser werden."

Die Abschiedskonzerte mit Klavierbegleitung bestreitet die Callas an der Seite des Tenors Guiseppe di Stefano. Auch er ein Star am Ende von Stimme und Karriere. In ihren besten Zeiten brillieren die beiden als Partner auf der Opernbühne. Später wird di Stefano der letzte Geliebte der Callas sein. Ihre tiefe Einsamkeit kann er nicht beenden.

Maria Callas: "Ich glaube nicht, dass es viele Männer gibt, die es mit mir aushalten. Männer haben Angst vor mir. Ich denke ihnen zu schnell. Sie haben Angst, neben mir bloßgestellt zu werden. Es ist nicht leicht, der Freund der Callas zu sein!"

Männer haben entscheidenden Einfluss auf das Leben der Callas. Ihr erster Ehemann, der Industrielle Battista Meneghini, finanziert den Beginn ihrer Karriere. Später führt er ihre Vertragsverhandlungen und macht sie zum bestbezahlten Opernstar der Welt. Meneghini muss gehen, als Maria Callas dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis begegnet.

Die leidenschaftliche Affäre bringt ihr kein Glück. Onassis verlässt sie für die amerikanische Präsidentenwitwe Jackie Kennedy. Das Selbstbewusstsein der schönen und glamourösen Diva ist vernichtet. Maria Callas beginnt, ihre Stimme zu verlieren. Bei ihren Abschiedskonzerten erlebt das Publikum, darunter der Musikkritiker Martin Bernheimer, nur noch eine schwache Ahnung der einstigen Größe.

Martin Bernheimer: "Sie war bezaubernd, charmant, sehr graziös. Aber die Stimme war komplett zerschossen. Das Vibrato war fast total außer Kontrolle, das Timbre war ausdruckslos und dünn. Die hohen Noten waren sehr gefährlich. Das Repertoire für das bisschen, was sie sang, hatte sie sehr sorgfältig ausgewählt, um die großen Höhen zu vermeiden. Aber die größte Enttäuschung für mich war nicht einmal, dass sie schlecht sang, sondern, dass diese große Sänger-Schauspielerin darstellerisch nichts mehr vermitteln konnte."

Nach der qualvollen Abschiedstournee zieht sich Maria Callas völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Der Verlust ihrer Kunst nimmt ihr den Lebensmut. 1977 stirbt sie, erst 54 Jahre alt, an Herzversagen.

Autorin: Catrin Möderler
   
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