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6.12.1997: Asteroid "1997 XF11" entdeckt
Kurz vor Tagesanbruch des 6. Dezember 1997 bleibt Jim Scottis übernächtigter Blick an einem winzigen Punkt hängen, den ihm das riesige Teleskop aus der Wüste Arizonas auf den Monitor des PC überträgt. Auf einer extrem elliptischen Sonnenbahn entdeckt der Astronom jenen Asteroiden, der schon am nächsten Tag weltweit für Aufsehen sorgen wird. Es ist die Geburtsstunde von XF 11.

Jim Scotti und seine Kollegen vom amerikanischen Spacewatch-Forschungsprogramm begannen fieberhaft die Bahn von XF-11 zu berechnen. Schließlich setzen sie den orbitalen Körper, der immerhin einen Radius von fast zwei Kilometern aufweist, als Nummer 108 auf die Liste jener Asteroiden, die eine potentielle Gefahr für die Erde darstellen.

Wenn die Berechnungen der Astronomen nämlich auch nur einigermaßen zutreffen, so wird XF 11 am 26. Oktober 2028 zwar in etwa 30.000 Meilen an der Erde vorbeirasen. Doch 30.000 Meilen sind für kosmische Dimensionen eine Winzigkeit. Prof. Neukum vom Institut für Weltraumsensorik und Planetenerkundung in Berlin-Adlershof gibt zu:

Prof. Gerhard Neukum: "Die Unsicherheiten sind so groß, sie können ja die Bahnen nie so genau bestimmen. Dann müssen Sie noch die ganzen gravitativen und nicht gravitativen Störungen einrechnen. Also, da gibt's gewisse Restunsicherheiten."

Heißt das, auf die errechneten 30.000 Meilen Sicherheitsabstand kann man sich nicht verlassen?

Prof. Gerhard Neukum: "Der Wert kann ziemlich daneben liegen."

Mehr als einmal wurde die Erde in der Vergangenheit von Asteroiden getroffen. Vor 65 Millionen Jahren schlug ein Himmelskörper von acht Kilometern Durchmesser auf der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatan ein und bewirkte nach Expertenmeinung das Aussterben der Dinosaurier. Und erst 1908 verursachte ein herabstürzender Asteroid in Sibirien riesige Waldbrände. Was also würde passieren, wenn XF 11 auf die Erde aufschlagen würde?

Prof. Gerhard Neukum: "Das ist wie die Zündung von Hunderten von Wasserstoffbomben auf ein Mal."

Der österreichische Asteroiden-Forscher Dr. Gerhard Hahn zeichnet ein ganz konkretes Szenario:

Dr. Gerhard Hahn: "All das Material wird hoch in die Atmosphäre hinaufgeworfen. Und es verteilt sich dann ganz da oben wie in einer riesigen Staubwolke. Kann Teil der Sonne, also des Sonnenlichtes abdecken, wie so 'ne Wolke eben. Das heißt, es würde vermutlich zumindest für ein Jahr die Nahrungsmittelproduktion und alles das einmal beeinflussen. Also, das hätte sicher enorme Konsequenzen."

Und wenn XF 11 ins Meer fällt? Schließlich sind Zweidrittel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt.

Prof. Gerhard Neukum: "Wenn das Wasser angeregt wird zum Schwingen, dann entstehen riesige Wasserfronten, die da aufs Land zurauschen können und dann alles zerstören."

Könnte XF 11 für unseren Planeten die Apokalypse bedeuten? Ist die Menschheit wirklich schutzlos jenem kleinen Punkt ausgeliefert, den Jim Scotti in den frühen Morgenstunden des 6. Dezember 1997 auf seinem Monitor entdeckte? Schon spricht die NASA von einem mit Atomsprengköpfen bestückten Raumfahrzeug, welches XF 11 entgegen geschickt und die Erde vor dem Untergang retten soll.

Dr. Gerhard Hahn: "Bei so 'nem großen Körper ist vermutlich eine Nuklearsprengung die einzige mögliche wirksame."

Prof. Gerhard Neukum: "Allerdings, das ist im Moment 'n bisschen so an der Grenze dessen, was wir raketentechnisch machen können."

Endlich aber geben neue, genauere Berechnungen der Bahnen von XF 11 Anlass zur Entwarnung. Nach Angaben der NASA würde der Asteroid in einer Entfernung von fast einer Million Kilometern an der Erde vorbeifliegen - immerhin zweieinhalb Mal der Abstand von der Erde zum Mond. Das sollte reichen.

Prof. Gerhard Neukum: "Okay, bei 'ner Million ist es so, dass ausreichend Sicherheitsabstand ist."

Dr. Gerhard Hahn: "Über XF 11 würde ich sagen, der ist abgehakt. Der ist zwar in der Liste der potentiell gefährlichen, ist aber kein richtig gefährlicher."

Autor: Gerhard Haase
   
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