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26.11.1942: Uraufführung von "Casablanca"
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Ingrid Bergman: "Ich habe 'Casablanca' neulich zum ersten Mal wiedergesehen. In Amerika läuft er ja jede Woche im Fernsehen. Ich fand den Film noch immer ungemein temporeich, es gibt nie Langeweile in 'Casablanca'. Der Film hat wirklich alles: Heroismus, Romantik und viele phantastische Schauspieler in den kleinen Rollen."

Die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman. Doch es war nicht allein die anrührend inszenierte Liebesgeschichte zwischen der schönen Antifaschistin Ilsa Lund und dem aufrechten Barbesitzer Rick Blaine, alias Humphrey Bogart, die dem Film zu seiner Popularität verhalf - bis heute, 59 Jahre nach seiner umjubelten Uraufführung im New Yorker Stadtteil Manhattan. Denn nach seiner Premiere am 26. November 1942 wurde der Film erst einmal auf Eis gelegt. Aus gutem Grund kam "Casablanca" erst zwei Monate später in die US-Kinos.

Nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten auf seiten der Alliierten im Dezember 1941, hatten Filme, die sich gegen das nationalsozialistische Deutschland richteten, in Hollywood Konjunktur. Daher verlegte Warner Brothers, eine der großen Filmgesellschaften, den Kinostart zeitgleich auf den Abschluß der Konferenz von Casablanca am 26. Januar 1943 - jener Konferenz, auf der sich Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt darauf verständigten, daß der Krieg nur zu Ende gehen könne mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, Italiens und Japans.

Die PR-Aktion gelang: "Casablanca" hatte beim Publikum einen Riesenerfolg und erhielt drei Oscars, darunter für den besten Film des Jahres 1943.

1992 hat Lauren Bacall, die große Liebe und letzte Ehefrau Humphrey Bogarts, noch einmal die Geschichte von 1942 erzählt. Und sie stellt die Frage, was uns seit all diesen Jahren nach Casablanca treibe: der Geist des Kriegspatriotismus, Intrigen und Gefahr in einem mysteriösen Wüstenlokal oder die Verzweiflung der Liebenden - in die Falle gegangen in Casablanca?

Es sind die geschliffenen Dialoge, die anspielungsreichen Pointen, für die "Casablanca" berühmt geworden ist. Und doch ist "Casablanca" ein Kinostreifen voller Klischees und Ungereimtheiten. Seine Aura hat das bis heute nicht beschädigen können:

Zum Beispiel tragen die begehrten Transitvisa für die Ausreise nach Lissabon die Unterschrift "Charles de Gaulle", also ausgerechnet des Mannes, der die französische Widerstandsbewegung gegen die mit dem NS-Regime kollaborierende Vichy-Regierung anführt. Und Victor Laszlo, der gerade aus einem Konzentrationslager fliehen konnte, läuft ständig in einem gut gebügeltem Tropenanzug der Pariser haute couture herum.

Nicht zuletzt spiegelte sich im Casting des Films eine bittere Ironie der Geschichte wider: Die Emigranten aus Europa, die vor den SS-Schergen geflohen waren, spielten in "Casablanca" die Flüchtlinge und SS-Männer aus Deutschland.

Für Humphrey Bogart geriet "Casablanca" zum eigentlichen Höhepunkt seiner Laufbahn: der desillusionierte Abenteurer als Antiheld, zynisch abgeklärt, ein Mann der Tat, wie der französische Polizeipräfekt Louis Renault auf der Leinwand feststellt:

Filmausschnitt "Casablanca":
Rick Blaine: "Louis, wieso sind Sie der Meinung, daß ich interessiert sein könnte, Laszlo zur Flucht zu verhelfen?"
Louis Renault: "Weil ich, mein lieber Rick, den Verdacht hege, dass unter dieser zynischen Schale ein recht sentimentales Herz schlägt. Sie können ruhig darüber lachen, aber ich bin genauestens über ihre Vergangenheit orientiert. Lassen Sie mich nur zwei Punkte herausgreifen: 1935 haben Sie Waffen nach Äthiopien geschmuggelt, 1936 kämpften Sie in Spanien gegen die Faschisten."

1952 gelangte "Casablanca" erstmals auch in die deutschen Kinos - allerdings gekürzt und durch die Synchronisation bis zur Unkenntlichkeit verfälscht: Alle Hinweise auf den Nationalsozialismus waren getilgt. Und die Figur des Widerstandskämpfers Laszlo hatte man flugs in einen norwegischen Atomphysiker verwandelt. Der Kalte Krieg der Adenauer-Zeit hatte sich auf seine Weise der Vergangenheit bemächtigt.

Autor: Michael Marek
   
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