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19.11.1620: "Mayflower" landet
Vor zehn Tagen haben wir zum ersten Mal Land gesehen. Heute ist der 19. November 1620, und ich danke Gott, dass er mich wohl behütet über den Ozean geführt hat, an Bord der "Mayflower". Genau 66 Tage haben wir gebraucht, um endlich frei zu sein. Frei von den unguten Einflüssen der Welt.

An Bord unseres Schiffes waren nicht nur wir, die wir ganz im Sinne Gottes und der Bibel gemäß leben wollten, sondern auch die Leute, die hier in Amerika nach einem anderen Glück suchen als wir. Aber wir wissen: Gleichheit zwischen den Menschen ist unser Auftrag. Ich, William Bradford, habe daher mit den anderen Männern einen Vertrag aufgesetzt und unterschrieben. Wir nennen es den "Mayflower Compact".

Es ist kalt in diesen Tagen des Jahres 1620. Wir alle, die wir diese Fahrt von Plymouth in das neue Land gemacht haben, werden mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. 102 Männer and Frauen, die voller Hoffnungen sind, aber auch geschunden von unserer Überfahrt; den Stürmen, der Kälte and jetzt der Unwirtlichkeit in dieser Jahreszeit, wir haben diesen Vertrag geschlossen: Eine Übereinkunft, dass wir uns als Gemeinschaft fühlen und wir zur Glorie Gottes sowie zur Ehre des Englischen Königs eine neue Kolonie gründen wollen.

Wir haben in dieser einen Woche seit der Landung erste Erkundigungen gemacht. Die Indianer der Gegend haben wir aber bislang nur indirekt kennen gelernt: vergrabenen Mais, einen Topf, gelöschte Feuerstellen. Gott beschütze uns, dass diese Heiden uns nicht überfallen werden. Wir wollen in Frieden mit ihnen leben.

Schwierig wird dieser Winter werden, vor allem für unsere Frauen. Zwei Kinder sind während der Überfahrt geboren worden. Oceanus heißt der Sohn von Elizabeth Hopkins, und Susanna White hat vor wenigen Tagen erst ihren Peregrine zur Welt gebracht. Es sind unsere ersten Neubürger in unserer Siedlung.

Siedlung? Nun, hier werden wir wohl kaum bleiben. Wir müssen die Gegend noch weiter erkunden, denn dieser Naturhafen, Cape James, wie ihn die Seeleute nennen, ist nicht für eine Siedlung von Dauer geeignet. So lange bis wir einen Ort gefunden haben, bis wir Häuser aufgebaut haben, so lange werden wir an Bord unseres Schiffes wohl bleiben müssen. Ich schätze, es wird noch einen Monat dauern, bis wir tatsächlich mit dem Bau einer Siedlang beginnen können.

Wichtig ist in diesen Tagen nur eins: Die Strangers und wir, die Gläubigen, wir müssen in den nächsten Wochen, Monaten, ja auch Jahren, zusammenhalten, vereint sein, an einem Strang ziehen. In unserem "Mayflower Compact" steht es deutlich festgehalten:

We "combine ourselves together into a civill Body Politick, for our better Ordering and Preservation (...) and do enact, constitute and frame such just and equall Laws, Ordinances, Acts, Constitutions and Offices."

Wir schließen uns zu einer Regierung zusammen, um Ordnung and Überleben zu regeln und gerechte und gleiche Gesetze, eine Verfassung und ausführende Organe ins Leben zu rufen.

Dieser Vertrag ist für uns alle wichtig. Wir alle nennen uns jetzt die Pilgrim Fathers. Wir werden einst die Väter dieser Siedlung sein, wir, die wir geflohen sind vor Unglaube, vor Tyrannei, vor Ungerechtigkeit. Wir suchen hier unser Heil, unsere Hoffnungen. Und wir werden sie uns erfüllen, denn Gott der Herr ist bei uns. Er hat uns auf der Überfahrt beigestanden und wird es auch in Zukunft.

Uns, die wir am 11. November oder dem alten Kalender zufolge am 21. November im Jahre 1620 unseres Herrn gelandet sind. Es wird eine Zeit geben, da man sich unserer erinnern wird. Heute, am 19. November 1620, scheint das alles noch sehr weit weg. Aber bald werden wir Provincetown gründen, so soll die erste Siedlung heißen, und unser Glauben wird stark sein, keine weltliche Ordnung wird uns hier mehr knebeln können. Nur die Bibel ist unsere Autorität. Das war so, ist so und wird so bleiben.

Autor: Jens Teschke
   
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