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11.11.1942: Einmarsch ins unbesetzte Frankreich
Mit dem Überfall auf Polen 1939 begann jene Phase in Adolf Hitlers Außenpolitik, die die Welt so, wie er sie haben wollte, umgestalten, den Lebensraum, von dem er träumte, schaffen, die Besiegten dauernd unterwerfen und schließlich eine Weltherrschaft errichten sollte.

Hitler: "Den Lebensraum, der staatlichen Größe angemessen, ist die Grundlage für jede Macht. Eine Zeit lang kann man Verzicht leisten, dann aber kommt die Lösung der Probleme so oder so."

Dies hatte er im Frühsommer 1939 seinen Generälen erklärt und hinzugefügt, dass weitere Erfolge "ohne Bluteinsatz nicht mehr errungen werden können."

Nach dem Sieg über Polen richtete Hitler am 6. Oktober 1939 in einer Reichstagsrede ein Friedensangebot an England und Frankreich auf der Basis des Erreichten. Die Westmächte, die sich im Falle der Annahme dieser Offerte jeden Einflusses auf die Gestaltung der europäischen Machtverhältnisse begeben hätten, lehnten jedoch ab.

England und Frankreich hatten bis zu diesem Zeitpunkt den Krieg nicht aktiv geführt. Unzureichend gerüstet, ohne die Geringste Lust, sich zu schlagen, verschanzten sich die Franzosen vorderhand in ihrer 1930 erbauten Maginot-Linie und beschränkten ihre Kriegsanstrengungen auf gelegentliche Luftstreifflüge in das nahegelegene deutsche Grenzgebiet.

Bis auf die Landung in England 1941, die gar nicht erst versucht wurde, war mittlerweile der gesamte Kontinent mit Ausnahme Schwedens, der Schweiz, Italiens, Ungarns, Bulgariens, Rumäniens, Portugals und Spaniens von deutschen Truppen besetzt.

Die deutsch-sowjetischen Beziehungen hatten sich nach der Teilung Polens und der Annexion des Baltikums abgekühlt. Über die Abgrenzung der Interessensräume herrschte nämlich Uneinigkeit. Die Sowjetunion wurde mit dem Unternehmen Barbarossa zum neuen - aber geplanten Angriffsziel: Rittmeister der 91. Division Hans-Günter Stark zum Verhältnis Feind und Gegner von Hitler-Deutschland:

Stark: "Die Engländer waren Gegner, die Franzosen waren Gegner. Wir haben sie nicht als Feinde empfunden. Die Russen, die Sowjets, waren Feinde, erbitterte, aber auch ideologische Feinde."

Am 8. November 1942 hielt Adolf Hitler eine Führerrede vor den "Alten Kämpfern" im Münchener Löwenbräukeller. Die Rede wurde zum Gedenktag an den Münchener Putsch von 1923 gehalten. Hitler war der umzingelten Verschwörungstheorie mittlerweile völlig erlegen:

Hitler: "Aus der Regierungskunst unserer Gegner und der grauenhaften Folgen ist die NS-Bewegung entstanden. Diese Verschwörung von damals von Juden und Kapitalismus und Bolschewismus. Diese Verschwörung wollen wir beseitigen, und wir haben sie beseitigt, und kaum war sie beseitigt, da begann die andere Welt wieder ihre mit ihrer Einkreisung. Damals war es das kaiserliche Deutschland, jetzt ist es das nationalsozialistische. Damals war es der Kaiser, jetzt bin ich es."

Am 10. November 1942, zwei Tage später, trifft sich Hitler mit dem französischen Ministerpräsidenten Laval. Hitler hatte ihn nach München eingeladen, um zu sondieren, ob die französische Regierung in Vichy bereit wäre, auf deutsche Seite gegen Briten und Amerika zu kämpfen. Mitnichten. Frankreich war nicht bereit.

Einen Tag später, am 11. November 1942, überschritten deutsche und italienische Truppen die im Waffenstillstand festgelegten Demarkationslinie und nehmen das bisher nicht besetzte Gebiet Frankreichs in Besitz. Eine scharfe Form der Gegenwehr trat in Frankreich auf.

Obwohl Marschall Petain durch bereitwilliges Entgegenkommen die Besatzung zu mildern trachtete, flammte bald der weitverbreitete Widerstandswille auf. Die französischen Patrioten gründeten den "Maquis", eine Partisanenarmee, die sich, ihrem Namen entsprechend von "Buschwald" in unwegsamem Gelände verborgen hielt und von hier aus bewaffnete Angriffe gegen das deutsche Naziregime führte.

Großbritannien zeigte sich als Helfer und versorgte die Untergrundbewegung mit Waffen und Munition. Die "Résistance" war geboren und so erfolgreich, dass sie Dörfer und ganze Gebiete befreien konnte. Der Schwur, den Hitler zu Beginn seiner politischen Laufbahn abgelegt hatte, dass es nie wieder einen November 1918 geben dürfte, hatte sich dennoch in schrecklicher Weise erfüllt.

40 Millionen Tote in Europa, einschließlich der Sowjetunion, die Vernichtung der Juden und Zigeuner, der als "Lebensuntüchtige" Bezeichneten unter den Slawen und den politischen Gegnern - dies war die schreckliche Bilanz der Gewalt, des Hasses, mit dem Hitler bis zur Kapitulation im Mai 1945 zwölf Jahre lang geherrscht hatte.

Autorin: Doris Bulau
   
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