Kalenderblatt dw.de
 
6.2.1919: Weimarer Nationalversammlung
Die 423 Abgeordneten, die sich an diesem Tag im festlich geschmückten Saal des Weimarer Nationaltheaters versammelt hatten, waren sich ihrer historischen Aufgabe bewusst: die erste deutsche Demokratie würden sie auf den Weg bringen.

Hinter ihnen lagen ereignisreiche Tage und Wochen: Der Kaiser hatte abgedankt und Philipp Scheidemann hatte in Berlin am 9. November die Republik ausgerufen: "Arbeiter und Soldaten, seid euch der geschichtlichen Bedeutung dieses Tages bewusst. Unerhörtes ist geschehen (…) Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue. Es lebe die deutsche Republik!"

Doch die Geburt der jungen Republik stand unter denkbar schlechten Vorzeichen. Der Erste Weltkrieg war verloren, die Wirtschaft lag am Boden, im ganzen Land brodelte es. Deshalb trat die neu gewählte Nationalversammlung auch in Weimar zusammen. Und zwar am 30. September 1919.

Verfassung und Vertrag von Versailles

Bis dahin wurde Deutschland von Weimar aus regiert: Hier wurde Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten gewählt, hier nahm die neue Regierung unter Philipp Scheidemann ihre Arbeit auf. Beide Männer vertraten die Sozialdemokratie, die aus den Wahlen zur Nationalversammlung im Januar als stärkste Partei hervorgegangen war. Die wichtigste Aufgabe von Weimar war jedoch die Ausarbeitung einer neuen Verfassung.

Die Ausarbeitung der Verfassung verlief reibungslos, ganz anders als die Auseinandersetzung um den Friedensvertrag von Versailles - Deutschland sollte die alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg anerkennen, große Gebiete des Reiches und sämtliche Kolonien abtreten und Reparationen in solch astronomischer Höhe leisten, dass die Zahlungen bis zum Jahr 1980, also sechs Jahrzehnte, festgeschrieben waren. Zwar kochten in der Nationalversammlung die Emotionen hoch, doch Der Vertrag wurde unterzeichnet, es blieb keine andere Wahl.

14 Jahre Demokratieversuch

Doch unter diesen wirtschaftlichen und außenpolitischen Belastungen konnte sich die Weimarer Republik nur schwer entwickeln: Inflation, Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit bereiteten in den folgenden Jahren in der Bevölkerung jenen Boden aus Unzufriedenheit und Verzweiflung, auf dem die Nationalsozialisten Fuß fassen konnten.

Mit dem Machtantritt von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 war der erste deutsche Demokratieversuch nach 14 Jahren gescheitert. Dennoch bleiben die unbestreitbaren Leistungen und Verdienste jener 423 Männer und Frauen, die am 6. Februar 1919 in Weimar zusammentraten.


Autorin: Kerstin Schmidt
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Männer sind zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen.
  > Irmgard Keun
> RSS Feed
> iTunes RSS Feed
  > Hilfe
Welcher Staat führte 1935 das Frauenwahlrecht ein?
  Türkei
  Schweden
  Großbritannien
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße