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25.9.1956: Telefonkabel Europa-USA
Im Zeitalter der globalen und universellen Erreichbarkeit durch Telefon, Handy und E-Mails mag man sich gar nicht vorstellen, wie noch vor 50 Jahren telefoniert wurde. "Fasse dich kurz" war die eherne Regel, etliche Verbindungen waren nur über Vermittlung vom Amt möglich, ein Telefonat ins Ausland musste umständlich angemeldet werden.

Nun gar ein Gespräch nach Amerika, das bedeutete ewige Wartezeiten und schlechte Übertragungsqualität, weil die Funkverbindung über Kurzwelle ständig überlastet war und starken atmosphärischen Störungen unterlag.

Eine Besserung gab es erst am 25. September 1956, als das erste transatlantische See-Telefonkabel zwischen Schottland und Kanada in Betrieb ging. Es übertrug gleichzeitig 36 Gespräche. Über Relaisstationen waren nun erstmals das britische - und damit das europäische -, das kanadische und das US-Telefonnetz miteinander verbunden.

Das Seekabel blickte auf eine lange Vorgeschichte zurück. Zwar war es schon fast 100 Jahre zuvor geglückt, ein Telegrafiekabel durch den Atlantik zu legen, aber aus technischen Gründen können Telegrafiekabel nicht für Telefonate genutzt werden. Der größte Unterschied ist, dass Telefonsignale im Kabel weit stärker geschwächt werden als Telegrafiesignale.

Man muss also in regelmäßigen Abständen, etwa alle 50 bis 100 Kilometer, am Kabel Verstärker anbringen, so genannte Repeater. Diese Technik gab es zwar schon etwa ab 1910, aber es ist etwas anderes, die Repeater an Land in einem Haus zu installieren oder mehrere tausend Meter unter der Wasseroberfläche, wo man nie wieder an sie herankommen würde. An diesen Schwierigkeiten scheiterten die Überlegungen der Zwanziger- und Dreißigerjahre, eine Seekabelverbindung durch den Atlantik zu legen.

Erst unmittelbar vor und während des Zweiten Weltkriegs machte die Technik die entscheidenden Fortschritte: Mit den neuartigen Kunststoffen für die elektrische Isolierung wurde das Koaxialkabel entwickelt, das aus einem Innenleiter und einem schlauchartig darum liegenden Außenleiter besteht.

Mit diesem Kabeltyp war ein neuartiges Übertragungsverfahren möglich, ähnlich wie beim Radio; die Techniker sprechen vom Trägerfrequenzverfahren. Und schließlich wurde die Technik der Elektronenröhren weiter entwickelt, die man als Breitbandverstärker in den Repeatern einsetzte.

1943 wurde das erste Koaxial-Seekabel mit den neuen Repeatern durch die Irische See zur Isle of Man gelegt, es war allerdings nur für Wassertiefen bis ca. 400 Meter tauglich. In den Jahren darauf folgten weitere Kabel zwischen Großbritannien und Belgien, den Niederlanden, Dänemark und Deutschland. Und in den frühen 1950ern folgte eine Kabelverbindung zwischen Florida und Kuba, hier schon durch wesentlich tiefere Gewässer.

Ermutigt durch diese Erfolge, nahm man nun den Gedanken der transatlantischen Telefonverbindung wieder auf. Da die kürzesten und besten Verbindungsrouten bereits durch Telegrafiekabel belegt waren, einigte man sich darauf, den Hafenort Oban an der schottischen Westküste und den Ort Clarenville in der kanadischen Provinz Neufundland zu verbinden. Dazwischen lag eine Distanz von 3600 Kilometern, und der Atlantik ist entlang der Route bis 4000 Meter tief.

Die Verbindung bestand aus zwei Kabeln in etwa 30 Kilometer Abstand, eines für jede Richtung. Jedes der beiden Teilkabel trug 51 Repeater zur Verstärkung der Telefonsignale, eine Stahlabschirmung sollte sie gegen Beschädigungen durch Anker oder Fischernetze schützen.

Im Juni 1955 begann die Verlegung. In drei Schüben wurde das Kabel von Westen nach Osten geführt, besondere Vorkommnisse gab es während der Fahrten nicht. Im September wurden die letzten Verbindungen geschlossen; das Kabel wurde getestet, es funktionierte einwandfrei. Aber erst ein Jahr später, am 25. September 1956, fand in London die feierliche Eröffnung statt. Nach einem Jahr waren fast 300.000 Telefonate vermittelt worden, mehr als doppelt soviel wie über die Funkverbindung.

Das Kabel TAT-1 funktionierte fehlerfrei bis 1978; dann ersetzte man es durch andere Seekabel. Die aktuellen Kabel TAT-8 und TAT-9 sind bereits voll digitalisiert, ihre Bedeutung ist aber zurückgegangen. Heute wird der größte Teil des interkontinentalen Telefonverkehrs über Satellit abgewickelt.

Autor: Carsten Heinisch
   
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