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4.2.1945: Gipfeltreffen in Jalta
Jalta, 11. Februar 1945. Historiker sind sich weitgehend einig, dass die Erklärung, die dort drei Männer unterzeichnet haben, ungleich folgenschwerer wiegt, als die Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress von 1815, nach der Niederwerfung Napoléons.

Während die Anti-Hitler-Koalition der "Großen Drei" vom 4. bis zum 11. Februar 1945 auf Jalta tagte - verkörpert durch den US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, den britischen Premierminister Winston Churchill und durch den sowjetischen Partei- und Regierungschef Josef Stalin -, befand sich Hitlerdeutschland längst in Agonie.

Städte liegen in Trümmern. US-Amerikaner und Briten haben die deutsche Ardennen-Offensive gestoppt und stehen kurz vor der Überschreitung des Rheins. Jedoch sind große Teile ihrer Kräfte durch die pazifischen Kämpfe gegen Japan gebunden. Deshalb soll ihnen die Rote Armee den Rücken freihalten; denn die Russen stehen schon vor Budapest und an der Oder. Roosevelt und Churchill brauchen Stalin, drei Monate vor dem Zusammenbruch der deutschen Wehrmacht.

Das Tor zum Frieden?

Zweieinhalb Wochen nach der Zusammenkunft auf Jalta gab sich Roosevelt gegenüber dem US-amerikanischen Kongress am 1. März 1945 überzeugt davon, das Tor zu einer Welt des Friedens aufgestoßen zu haben: "There were two main purposes in this Crimea Conference. The first was to bring defeat to Germany with the greatest possible speed, and the smallest possible loss of Allied men. That purpose is now beeing carried out in great force. The second purpose was to continue to build the foundation for an international accord that would bring order and security after the chaos of the war, that would give some assurance of lasting peace among the nations of the world."

Aber diese Vision des US-amerikanischen Präsidenten wurde von Stalins Machthunger durchkreuzt. Roosevelt dagegen erging sich in Schwärmerei: "Every hour gives us added pride in the heroic advance of our troops in Germany - on German soil - toward a meeting with the gallant Red Army."

Ein eiserner Vorhang

Die ganze Welt hat für diese Fehleinschätzung bezahlt. Am raschesten Europa. Und am 5. März 1946 musste der britische Premier Winston Churchill in seiner berühmt gewordenen Rede im US-amerikanischen Missouri feststellen: "From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic an iron curtain has descended across the continent. Behind that line lie all the capitals of the ancient states of central and eastern Europe: Warsaw, Berlin, Prague, Vienna, Budapest, Belgrade, Bucharest and Sofia. All these famous cities and the populations around them lie in what I must call the Soviet sphere."

Völkerrechtlich ist die Abmachung von Jalta ohnehin fragwürdig geblieben, denn de facto hat kein Parlament der Teilnehmerstaaten - weder der Oberste Sowjet noch der US-amerikanische Kongress noch das britische Unterhaus - das Papier je ratifiziert. Juristisch ist es bloß eine Absichtserklärung geblieben. Politisch dagegen wurde es zum Basisdokument der territorialen Teilung Europas zwischen westlicher und östlicher Machtsphäre.

Konsequenzen

Allerdings mit nicht bloß europäischen, sondern mit globalen Konsequenzen, beginnend mit Stalins Eintritt in den Krieg gegen Japan am 8. August 1945, drei Monate nach der deutschen Kapitulation und zwei Tage nach dem US-amerikanischen Atombombenabwurf auf Hiroshima. Damit brachten wenige Tage der Kriegsbeteiligung dem Sowjetdiktator die Herrschaft über die Mandschurei und über Nordkorea.


Autor: Gerhard Appeltauer
   
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