Kalenderblatt dw.com
 
18.9.1814: Wiener Kongress beginnt
Filmszene aus "Der Kongress tanzt", Wiener Höflinge: "Gestern der König von Württemberg, heute der König von Preußen, morgen Alexander von Russland. Dann sind alle Fürsten Europas in Wien versammelt! Himmlisch!" - "Ich verstehe das nicht. Das kostet jeden Tag fünfhundertdreißigtausend Gulden! Muss das Schicksal Europas ausgerechnet in Wien entschieden werden?"

Nach 100 Jahren Thema für Operetten und heitere Tonfilme, zu seiner Zeit Grundlage ernster Entscheidungen für Europa: der Wiener Kongress. Napoleon ist besiegt, die französische Alleinherrschaft in Europa beendet. Die Territorien müssen neu verteilt, die Machtverhältnisse ausbalanciert werden. Am 8. September 1814 treffen die Großen der Welt in der Wiener Hofburg zur ersten Sitzung zusammen.

Filmszene aus "Der Kongress tanzt", Talleyrand: "Wir sollen nur faire l'amour, aber nicht Weltgeschichte. Er macht einen Kongress, und für uns macht er Tanz. Er macht eine wichtige Sitzung, aber gleichzeitig einen Ball. Aber die große Politik macht er ganz allein. Er ist gefährlich, der Metternich!"

Charles Maurice de Talleyrand, Fürst von Benevent, vertritt Frankreich auf dem Wiener Kongress. Organisator ist der österreichische Außenminister Clemens Wenzel Fürst von Metternich, ein raffinierter Diplomat. Als Napoleon im Zenit der Macht steht, ist es Metternich, der ihn mit der österreichischen Kaisertochter verheiratet. Als Napoleons Stern sinkt, ist es Metternich, der die Fäden zieht für die Zeit danach.

Filmszene aus "Der Kongress tanzt", Metternich: "Hat einer der Herren etwas gegen Punkt drei der Tagesordnung? Dann schreiben Sie: Lebenslängliche Verbannung Napoleons ist einstimmig angenommen!"

Metternich, Präsident des Wiener Kongresses, versucht, die Kontrolle über alle Entscheidungen in der Hand zu behalten. Er lenkt die Teilnehmer ab. Wien ist in den Monaten des Kongresses ein einziger, riesiger Ballsaal. Maskenfeste, Redouten und Galavorstellungen verursachen Kosten von 7,3 Millionen Gulden. Den Diplomaten bescheren sie pausenlose Unterhaltung. Der Bevölkerung bescheren sie eine Steuererhöhung.

Die Großmächte sind hochkarätig vertreten. Zar Alexander I. vertritt Russland, Preußen schickt König Friedrich Wilhelm III., England den Duke of Wellington. Österreich ist durch Kaiser Franz I. und Fürst Metternich bestens repräsentiert. Insgesamt siebenundvierzig europäische Regierungen entsenden Vertreter zum Wiener Kongress.

Die allerneuesten Klänge, genannt "Wiener Walzer", untermalen den Kongress. Feldmarschall Carl Fürst de Ligne bemerkt resigniert: "Der Kongress tanzt - aber er bewegt sich nicht vorwärts."

Schließlich gibt es doch Ergebnisse. Sie werden niedergelegt in der Wiener Kongressakte vom 8. Juni 1815. Frankreich wird in die Grenzen von 1792 zurückgedrängt, die Schweiz erhält ihre verlorene Neutralität zurück, Polen wird ein Teil Russlands. Anstelle des längst aufgelösten Heiligen Römischen Reiches tritt der Deutsche Bund unter österreichischem Vorsitz. Für eine Zeit wird Österreich das Zentrum der europäischen Ordnung - mit einer kurzen Störung:

Filmszene aus "Der Kongress tanzt", König von Sachsen, Duke of Wellington: "Sagen Sie, was macht eigentlich der Napoleon?" - "Der ist gut gefangen auf der Insel Elba." - "Wir in London sind davon anders berichtet! Er sitzt auf Elba. Aber er träumt zurückzugehen nach Paris." - "Du blaues Donnerwetter!"

Im Februar 1815 schifft sich Napoleon in seiner Exil-Insel Elba in Richtung Frankreich ein. Noch einmal sammelt er die letzten fanatischen Anhänger um sich. Er kehrt nach Paris zurück. Noch einmal herrscht er als Kaiser. Für 100 Tage, dann wird er in der Schlacht von Waterloo von den europäischen Großmächten endgültig geschlagen. In Europa kehrt Ruhe ein, der Wiener Kongress ist zu Ende.

Autorin: Catrion Möderler
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Wer das Menschsein eines anderen ignoriert, verneint das eigene.
  > Breyten Breytenbach
> RSS Feed
  > Hilfe
Wer wurde am 18. September in die UNO aufgenommen?
  Trinidad und Tobago
  Sachsen und Anhalt
  DDR und BRD