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4.9.1949: Paul Robeson-Konzert
"Ol' Man River." Der Schauspieler und Sänger Paul Robeson machte diesen Song aus dem Musical "Showboat" zu einer Hymne der politischen Linken gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

Der wohl bekannteste afroamerikanische Künstler der USA war jedoch auch ein politischer Aktivist. Bei der Weltfriedenskonferenz 1948 in Paris erklärte Paul Robeson, dass schwarze Amerikaner nicht für eine Regierung in den Krieg ziehen sollten, die sie für Generationen unterdrückt hatte.

Die Reaktion der öffentlichen Meinung in den USA ließ nicht lange auf sich warten, wie sich Ben Hersh aus Peekskill, einem kleinen Ort im Norden von New York erinnert.

Ben Hersh: "Damals herrschte eine ziemlich antikommunistische Stimmung in der ganzen Gegend hier, vor allem unter Kriegsveteranen. Das Motto dieser opponierenden Gruppen in Peekskill lautete: Amerika erwache. Peekskill hat es getan! Viele Einwohner hatten Schilder mit diesem Spruch im Fenster oder hinter den Windschutzscheiben ihrer Autos."

Ende August 1949 verhinderte dann ein unter anderem von der Lokalpresse aufgehetzter weißer Mob ein Freiluftkonzert von Paul Robeson in Peekskill. Daraufhin wurde für den 4. September ein neuer Auftritt vorbereitet.

Dieses Mal mit gründlichen Sicherheitsvorkehrungen. Paul Robeson Junior erinnert sich, dass es nicht nur Gewerkschafter waren, die zu Tausenden einen lebendigen Schutzring um das Konzertgelände zogen.

Paul Robeson Jr.: "Die Sicherheitskräfte bestanden auch aus ehemaligen Kriegsteilnehmern. Alles war wie bei einer militärischen Aktion durchorganisiert - nur eben ohne Waffen. Nicht alle Veteranengruppen dachten so wie die Rechten und der Mob, ganz und gar nicht."

Der Sänger und Aktivist Pete Seeger spricht von einer antikommunistischen Pogromstimmung, die an jenem Septemberabend in Peekskill herrschte: Noch am Vorabend des Konzerts mit Paul Robeson war sie durch einen Leitartikel im Peekskill Evening Star sowie eine Rede des damaligen Verteidigungsministers Louis Johnson angeheizt worden.

Pete Seeger: "Keiner weiß genau, wie die Angriffe organisiert wurden. Die American Legion und einige andere Veteranenorganisationen waren daran beteiligt, aber allen voran der Ku Klux Klan organisierte Steinewerfer. Sie hatten ihre Leute sogar innerhalb der Polizei. Ich war mit meiner ganzen Familie bei dem Konzert. Ich sang drei Lieder, bevor Paul Robeson auf die Bühne kam. Alle Fenster unseres Autos waren zerbrochen. Ich bin sicher, dass es auch Leute gab, die Robeson am liebsten umgebracht hätten. Vor Beginn des Konzerts wurde ein Heckenschütze in einem Baum entdeckt."

Zwar konnte Paul Robeson am 4. September 1949 vor gut 25.000 Menschen auftreten, doch nach dem Konzert lauerte, ungehindert von der Polizei, ein weißer Mob den heimwärts fahrenden Besuchern mit Steinen auf. Dabei wurden unzählige Autos beschädigt und Hunderte von Menschen verletzt. Wie durch einen Tunnel mussten sich die Konzertbesucher nach Robesons Auftritt einen Weg durch die hasserfüllt am Straßenrand stehende Menge bahnen.

Dabei waren Rufe wie "Geh doch zurück nach Russland" oder "Nigger hau ab" harmlos gegenüber den gewaltsamen Attacken auf die Konzertbesucher. Unter ihnen war auch Ellen Perlo.

Ellen Perlo: "Auf beiden Seiten der Straße standen dieselben Menschen, die uns schon mit Schmährufen empfangen hatten. Jetzt gab es statt Schmährufen Steine. Diese Steine prasselten nur so auf uns nieder. Uns zitterten die Knie - dass so etwas bei uns möglich war."

Eine von New Yorks Gouverneur Dewey eingesetzte Untersuchungskommission machte aus den Tätern, dem Mob und der Polizei, die Opfer. Erst Jahre später wurde eingeräumt, dass die staatlichen Organe den gewalttätigen Ausschreitungen bewusst tatenlos zugesehen hatten.

Autor: Michael Kleff
   
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