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3.9.1992: Verbot von C-Waffen
Er war ein Nationalheld, doch seine Frau beging Selbstmord. Sie konnte das, was ihr Mann tat, nicht mehr ertragen. Fritz Haber experimentierte mit giftigen Gasen, erfand tödliche Mixturen für das Militär, zum Beispiel Lungenkampfstoffe wie Chlorgas oder Phosgen.

An der Westfront, am 22. April 1915, gab es den ersten großen deutschen Giftgas-Einsatz. Über 100.000 Soldaten erstickten qualvoll, über 1,2 Millionen erlitten schwerste, lebenslange Verletzungen. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Fritz Haber Angst, als Kriegsverbrecher angeklagt zu werden - wurde er nicht, er bekam den Nobelpreis 1919 und erfand Zyklon B:

Zitat: "Zyklon-B oder Blausäuregas ist das giftigste Atmungsgas. Der Transport von Sauerstoff im Körper wird blockiert, das Opfer erstickt. Mit Zyklon B wurden in deutschen Konzentrationslagern Millionen Menschen ermordet. Noch heute werden mit Zyklon B in den USA Todesurteile vollstreckt. Als Kampfstoff ist Zykon B ungeeignet, es ist zu schwierig, die notwendigen hohen Konzentrationen im Gelände zu erreichen."

1925 das Genfer Protokoll. Man hoffte, so das Teufelszeug Chemische Waffen, kurz C-Waffen, kontrollieren zu können:

Doch das Protokoll ist zu ungenau, zu durchlässig. Nur der Einsatz, nicht aber die Produktion von Kampfgasen war verboten. Und so wurde munter weiterentwickelt, noch giftiger, noch tückischer, noch aggressiver, zum Beispiel Tabun, Sarin oder Soman, die für einen Kollaps im Nervensystem sorgen. Oder VX, das furchtbarste Gas: Ein Tropfen irgendwo auf dem Körper genügt und das Opfer stirbt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der kalte Krieg, die Angst des Westens vor dem Osten und umgekehrt. Aufrüsten - atomar und Kampfgastechnisch:

Besonders Populär wurden Giftgase später vor allem für Entwicklungsländer, denn C-Waffen sind so etwas wie die Atombombe des armen Mannes.

Zitat: "Golfkrieg - Irak-Iran 1980 bis 1988: Irakische Flugzeuge bombardieren im März 1988 die Kurdenstadt Halabja mit Senfgas und Tabun. Mehr als 5000 Kurden, über 10.000 wurden zum Teil schwer verletzt, leiden noch heute an Hautschäden, Atemwegserkrankungen und Blindheit."

Die Welt ist alarmiert. Dietrich Genscher, damaliger deutscher Außenminister

"Wir sind in der Gefahr, dass es zu einer weltweiten Proliferation, zu einer Ausweitung der chemischen Waffen kommt. Und wer die schrecklichen Bilder aus dem Golfkriegen gesehen hat, der wird mir zustimmen, wenn ich sage, hier handelt es sich in Wahrheit gar nicht um Waffen, sondern um Menschenvernichtungsmittel, die man ihrerseits vernichten muss. Und hier kann die Antwort der Staatengemeinschaft nur sein - weg mit allen chemischen Waffen, weg von der Produktion von chemischen Waffen, Abschluss eines weltweiten Verbotsabkommens. Das sollte wir als eine große moralische Verantwortung auch für dieses Jahr betrachten."

Am 3. September 1992 ist es endlich soweit - die Konvention für ein Verbot von C-Waffen wird in Genf auf den Weg gebracht. Über zehn Jahre lang haben die Verhandlungen gedauert. 1997 erst tritt die Konvention in Kraft. Sie untersagt die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz von C-Waffen. Die verbliebenen Waffen müssen vernichtet werden. All das soll kontrolliert werden - so gut es geht.

Man vertraut auf den guten Willen der Vertragspartner, doch der reicht nicht immer aus. Schnell wurde klar, C-Waffen bleiben trotz Konvention ein großes Problem, denn C-Waffen sind tickende Zeitbomben.

Millionen Tonnen chemischer Waffen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in den Weltmeeren versenkt oder irgendwo vergraben. Besonders betroffen ist die Ostsee, immer wieder geht Fischern chemische Munition ins Netz. Im April des Jahres 2001 wurden in Frankreich über 12.000 Menschen evakuiert wegen gefährlicher, verrottender Giftgasgranaten. Insgesamt waren es über 55 Tonnen. Und Russland monierte kürzlich, kein Geld zu haben, um seine 40.000 Tonnen C-Waffen zu entsorgen - und fordert nun Auslandshilfe.

Autorin: Judith Hartl
   
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