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20.6.1942: Die Schlacht von Tobruk
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Um 20 Minuten nach fünf Uhr am Morgen des 20. Juni 1942 griff das deutsche Afrika-Korps die libysche Hafenstadt Tobruk an. Unter dem Oberkommando des Generaloberst Erwin Rommel eröffneten eine Infanterie- und zwei Panzerdivisionen, unterstützt durch die Luftwaffe und das 20. italienische Korps, das Feuer.

Der Angriff begann zwischen den Posten R58 und R63 und schon sehr bald waren die ersten Panzergräben überschritten. Gegen neun Uhr erreichten die Angreifer die Kreuzung der Via Balbia und der Straße nach El Adem, von den Engländern King's Cross genannt. Deren Gegenangriff durch ihre 32. Army Tank Brigade kam zu spät und zu unentschlossen, und um 13.30 Uhr war der Fall Tobruk praktisch besiegelt, als King's Cross fiel.

Der Widerstand hielt sich jedoch bis in den nächsten Tag. 24 Stunden nach dem ersten Schuss hatten die deutschen Angreifer endlich den Hafen erreicht. Ein Kriegsberichterstatter beobachtete die Kämpfe: "Es ist zehn Minuten nach fünf Uhr in der Frühe, der zweite Tag des Kampfes um Tobruk hat begonnen, und eigentlich trägt er in seinem Beginn bereits das Ende der Operation. Die Nacht war erhellt durch gewaltige Brände, und jetzt steht hier im Hafen von Tobruk eine gewaltige Rauchsäule, eine Wand, die von Osten nach Westen hinzieht. Es ist eine Rauchwolke, die aufsteigt von einem Öllager, das die Tommys bei ihren Rückzug noch schnell in Brand gesteckt haben. Ein unheilschwangeres Symptom, so liegt diese Rauchsäule über der Festung."

Hart umkämpftes Tobruk

Tobruk, der einzige natürliche Hafen an der Küste Libyens, war im Laufe des Zweiten Weltkrieges heftig umkämpft. Zunächst von den Italienern eingenommen, die von hier aus ihren Feldzug gegen die Cyrenaika leiteten, dann im Januar 1941 von den Engländern erobert.

Bereits ein Jahr zuvor hatte Rommel versucht, Tobruk einzunehmen. Die englischen Truppen in Nordafrika waren durch den Einsatz, den sie in Griechenland leisten mussten, stark geschwächt, so dass sie sich bis an die ägyptische Grenze hatten zurückziehen müssen. Einzig die zur Festung ausgebaute Stadt Tobruk hielten sie.

Rommels erster Versuch scheiterte, weil es zu viele Verluste an der Südflanke gab und weil Tobruk durchgehend von See her versorgt werden konnte. Vor allem aber, weil die australischen Verteidiger der Festung erfahren und kampferprobt waren. Besonders die neuseeländischen Verbände hatten sich, so der australische Historiker Barton Maughan, durch ihren Kampfgeist hervorgetan. So hatte die 242 Tage dauernde Belagerung mit dem Rückzug Rommels im Dezember 1941 geendet.

Kriegsschauplatz Nordafrika

Im Juni 1942 sollte das anders aussehen. Die Operation Venezia, der Versuch, die Engländer aus Nordafrika zu vertreiben, war besser vorbereitet. Und die Engländer, die Bedeutung Tobruks unterschätzend, hatten als Besatzung nur die unerfahrene 2. Südafrikanische Division zurückgelassen. 25 Stunden und zehn Minuten, nachdem der Angriff begonnen hatte, fiel Tobruk. Um 6.30 Uhr übergab General Klopper, der Festungskommandant, die Stadt.

Der deutsche Rundfunk meldete: "Aus dem Führerhauptquartier, 21. Juni 1942. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Deutsche und italienische Truppen erstürmten unter dem Befehl des Generalobersten Rommel den größten Teil der stark ausgebauten Festung Tobruk. Daraufhin hat heute früh ein englischer Parlamentär bei einem italienischen Korps-Stab die Übergabe der Festung angeboten. Stadt und Häfen sind besetzt. Bisher wurden über 25.000 Gefangene, darunter mehrere Generale eingebracht und unübersehbare Mengen Waffen erbeutet."

Für Rommel war der Fall Tobruk der Höhepunkt seiner Karriere, er wurde wenige Tage darauf zum Feldmarschall befördert. Doch sein Versuch, nach Ägypten durchzubrechen, scheiterte. In der sogenannten ersten Schlacht von El Alamein wurde das Afrika-Korps aufgehalten und zurückgeschlagen. Und ein weiteres ergab sich aus dem Fall von Tobruk: Zum neuen Oberkommandierenden der 8. Armee wurde General Bernard L. Montgomery ernannt, später ebenfalls Feldmarschall und der Sieger auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz.


Autor: Dirk Kaufmann
   
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