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5.5.1891: Eröffnung Carnegie Hall
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Am 5. Mai 1891 wurde die im Stil der italienischen Renaissance gehaltene Konzerthalle mit ihren rund 2.800 Sitzplätzen eröffnet. Bei der Premiere erlebte das Publikum für zwei Dollar Eintritt Tschaikowsky am Dirigentenpult der Carnegie Hall.

Die New Yorker - und Kulturbegeisterte aus aller Welt haben die Carnegie Hall der Großzügigkeit des Industriellen Andrew Carnegie zu verdanken. Der ambitionierte Dirigent und Leiter der New Yorker Philharmoniker, Walter Damrosch, Sohn eines deutschen Einwanderers, überzeugte den millionenschweren Mäzen davon, dass sein Orchester ein ständiges Zuhause brauchte.

Musikgeschichte

Die Liste der Namen derer, die in der ganz in der Nähe vom New Yorker Central Park gelegenen "Walhalla der Musikgötter" ihr Debüt gaben, ist lang: darunter Arthur Rubinstein ebenso wie Yehudi Menuhin. Die Zahl der Werk-Premieren geht in die Tausende.

Manche Karriere in der Carnegie Hall ist auch das Ergebnis eines Zufalls: 1943 sprang ein 25-jähriges Greenhorn im Straßenanzug für den erkrankten Bruno Walter am Dirigentenpult ein. Am nächsten Morgen hatte die USA einen neuen Star: Leonard Bernstein.

Musikgeschichte machte auch das gemeinsame Auftreten von Arturo Toscanini und Wladimir Horowitz im April 1943. Für dieses Konzert wurden keine Eintrittskarten verkauft, sondern Kriegsanleihen gezeichnet - für elf Millionen Dollar.

Breites Spektrum

Im Januar 1938 öffnete sich die ehrwürdige Hall für den Jazz: Benny Goodman machte den Anfang vor einem ausverkauften Haus. Louis Armstrong, Duke Ellington und Miles Davis sind nur einige der vielen Prominenten, die im Laufe der Jahre bis heute folgten.

Die Carnegie Hall war ursprünglich vor allem als Konzertsaal gedacht. Doch da Andrew Carnegie wollte, dass sich das Haus finanziell selber trägt, fanden von Beginn an die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt. Mark Twain hielt dort ebenso einen Vortrag wie Winston Churchill und Albert Einstein. Präsident Wilson warb 1919 für den Versailler Friedensvertrag, Suffragetten kämpften für das Frauenwahlrecht und Sozialisten prangerten die Auswüchse des Kapitalismus an. Auch Rassentrennung kannte man in der Carnegie Hall nicht.

Mythos Carnegie

Nachdem die Türen der Carnegie Hall spätestens seit Anfang der 1960er-Jahre - trotz vereinzelter Proteste - auch für "unterhaltende Musik" weit offen standen, eroberten Pop- und Rockstars den legendären Konzertsaal. Die in New York eröffnete Carnegie Hall ist längst zum Mythos geworden.

Franz Xaver Ohnesorg, bis 2000 Direktor, sah ihn nicht nur in der besonderen Akustik begründet: "Natürlich ist das auch ein Ort, wo ganz viele Künstler ein- und ausgehen, die sie sonst in dieser Massierung kaum an einer anderen Stelle der Welt erleben können. Wenn der über 90-jährige Elliot Carter bei Konzerten zuhörte, wo Musik von Stockhausen aufgeführt wird, das sind schon ganz besondere Momente, von denen man sicher ein ganzes Leben lang zehrt."


Autor: Michael Kleff
   
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