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13.4.1918: Helsinki erobert
Graf Rüdiger von der Goltz: "Am strahlenden Ostermontagmorgen verließen zehn große deutsche Ozeanfahrer mit sieggewohnten deutschen Truppen die Reede von Danzig. (...) Eine stolze, eine traurige Erinnerung! Es war das erste Mal in der Weltgeschichte, dass eine deutsche Flotte, dass ein deutsches Heer von einem deutschen Hafen über die Ostsee fuhr, um jenseits des Meeres Krieg zu führen."

So beschreibt der Kommandeur der deutschen Ostseedivision, Graf Rüdiger von der Goltz, in seiner Autobiografie den Beginn des Finnlandfeldzuges der deutschen kaiserlichen Armee. Von Ende Januar bis Mitte Mai 1918 tobte in Finnland ein Bürgerkrieg zwischen Weißgardisten und Roten Garden. Die bürgerlichen Weißgardisten konnten den Ausgang des Krieges für sich entscheiden. Ein Blitzsieg nach nur vier Monaten mit Hilfe des deutschen Ostseebataillons, das am 13. April 1918 Helsinki eroberte. Einer von vielen Schauplätzen des Ersten Weltkrieges. Was war in Finnland geschehen?

Auch im Hohen Norden blieb man von den großen politischen Umbrüchen in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht unberührt. Nach der sozialistischen Revolution in St. Petersburg am 7. November 1917 beschloss das finnische Parlament, ab sofort die Macht im Lande selbst auszuüben. Am 6. Dezember 1917 erklärte das Parlament offiziell seine Unabhängigkeit von Russland. Das Land der 1000 Seen war über 100 Jahre an das zaristische Russland angegliedert.

Der Unabhängigkeitsbeschluss spaltete die Finnen in zwei unversöhnliche Lager. Nicht dass auch nur ein Finne im Hoheitsgebiet der Russen hätte verbleiben wollen, über die Loslösung von Russland war man sich einig. Umstritten war allein der Weg in die Unabhängigkeit. Die bürgerlichen Parteien wollten die sofortige Selbständigkeit und nachfolgend eine Monarchie aufbauen.

Dem standen die Sozialdemokraten gegenüber, die eine Republik im Sinne der russischen Bolschewisten anstrebten. Im Verlauf des Herbstes 1917 hatte sich die Lage in Finnland bedrohlich zugespitzt. Generalstreiks und Lebensmittelkrawalle erschütterten das Land, dessen Parlament mehrheitlich aus Sozialdemokraten bestand, die aber nicht mehr Herr der Lage waren. Ein Regierungswechsel kündigte sich an, bewaffnete Truppen bildeten sich. Weißgardisten und die Roten Garden bildeten Schutztrupps für die Interessen ihrer jeweiligen Parteien.

Nach der Unabhängigkeitserklärung am 6. Dezember übernahmen die Deutschland-freundlichen bürgerlichen Parteien die Führung im Land. Der Terror zwischen Rot und Weiß spitzte sich zu. Im Januar 1918 erklärte der bürgerliche Senat die Weißgardisten kurzerhand zur Regierungsstreitmacht. Die offizielle finnische Regierung verfügte nun erstmals über eine, wenngleich schlecht ausgebildete, aber doch eigene Armee. Und das Land spaltete sich endgültig.

Im Süden mit der Hauptstadt Helsinki herrschten die bolschewistisch gesinnten Rotgardisten, im Norden Finnlands hatten die Weißgardisten das Sagen. Es gab zwei rivalisierende Regierungen: die legale Regierung der bürgerlichen Parteien residierte in Vaasa, in Helsinki herrschten die Sozialdemokraten. Das Land stand am Rande eines Bürgerkriegs.

Am 27. Januar begannen an drei verschiedenen Orten gleichzeitig Kampfhandlungen. Die Ausbildung der Soldaten und die Ausrüstung der Armeen war auf beiden Seiten schlecht und die Truppenstärke gleich niedrig. Nur - die deutschfreundlichen Weißgardisten hielten eine Trumpfkarte in der Hand. Ein in Deutschland ausgebildetes Jägerbataillon kehrte zu Beginn der Kämpfe in die finnische Heimat zurück und schulte junge Rekruten. General Mannerheim, finnischer Oberbefehlshaber der Weißgardisten, kämpfte sich mühsam, aber siegreich vom Norden in Richtung Süden des Landes vor.

Den strategisch wichtigsten Sieg im gesamten Bürgerkrieg errang der finnische General am 6. April 1918 mit der Einnahme der Industriestadt Tampere. Er unterbrach die Verbindung zwischen den Roten Garden im Süden, eine folgenschwere Niederlage. Am gleichen Tag marschierten die deutschen Truppen bereits auf die Hauptstadt Helsinki zu. Sie waren unter Leitung von General Graf Rüdiger von der Goltz am 3. April 1917 auf der südfinnischen Ostsee-Halbinsel Hango gelandet und standen bereits zwei Wochen später, am 12. April, vor der finnische Hauptstadt Helsinki. Die aufständischen Roten Garden mussten vor der gut ausgebildeten und mit Kriegsmaschinerie ausgerüsteten deutschen Übermacht kapitulieren und legten ihre Waffen nieder. Am 13. April 1918, nach zweitägigen Straßenkämpfen, war Helsinki fest in deutscher Hand.

Graf Rüdiger von der Goltz: "Die Säuberung der Stadt war nicht so leicht und dauerte bis zum 13. April abends. Es entwickelten sich schwierigste Straßenkämpfe."

So schreibt der Oberbefehlshaber der deutschen Ostseedivision Rüdiger von der Goltz. Die Deutschen hatten Helsinki besetzt und von den Roten Garden befreit. Mitte Mai kapitulierten die letzten Stützpunkte der Roten in Finnland, der Bürgerkrieg war beendet, die Weißgardisten hatten gesiegt. Ein deutscher Prinz sollte zum finnischen König gekrönt werden. Die Novemberrevolution in Deutschland ließ die Träume von einer deutsch-finnischen Monarchie zerrinnen und beendete den Weltkrieg.

Autorin: Barbara Fischer
   
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