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5.4.1877: Blohm + Voss gegründet
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Wenn früher in Hamburg einer der berühmten Schnelldampfer vom Stapel lief, kam der Kaiser aus Berlin und die Kinder der Stadt hatten schulfrei. Gebaut wurden die "Imperator" und die "Vaterland" auf der Elbinsel Kuhwerder. Diesen Namen trug das 15.000 Quadratmeter große Eiland, weil hier ehedem Hamburger Schlachtrinder die letzten Halme zupften.

Damit war am 5. April 1877 Schluss. An diesem Tag gründeten Hermann Blohm und Ernst Voss die Schiffswerft und Maschinenfabrik Blohm + Voss Offene Handels Gesellschaft. Die ersten Jahre waren hart, Aufträge Mangelware, aber man schlug sich durch.

Finanziell bergauf ging es erst fünf Jahre nach der Gründung, 1882, als die beiden Gründer sich ein Schwimmdock bauen ließen und anfingen, neben dem Schiffsneubau auch Reparaturaufträge anzunehmen.

Stetig bergauf

1897, als Blohm + Voss 20 Jahre alt wurde, konnten sich die Herren ein weiteres Schwimmdock leisten - und sogar aus eigener Tasche bezahlen. Noch besser ging es den beiden Schiffsbauern nach der Verabschiedung des Flottengesetzes durch den Berliner Reichstag. Fortan füllte die Kaiserliche Marine die Auftragsbücher.

Es folgte ein Lizenzvertrag zum Bau großer Dieselmotoren, ein Ausflug nach St. Petersburg, wo die Hansestädter eine Werft planten und bauten und der Riesendampfer "Vaterland" lief in Kuhwerder vom Stapel. Auf diese glorreiche Zeit bezog sich die Aussage des späteren deutschen Superministers für Wirtschaft und Finanzen unter Bundeskanzler Willy Brandt und damaligen Hamburger Verkehrssenators Karl Schiller, als er sagte: "Sie wissen, dass Blohm + Voss einmal die größte deutsche Werft war."

Bis Ausbruch des Ersten Weltkrieges durften die Hamburger die Kriegsschiffe "Von der Tann", "Moltke", "Goeben", "Seydlitz" und "Derfflinger" bauen. 98 Boote kamen hinzu. 1918, bei Kriegsende, hämmerten und schweißten über 14.000 Menschen auf der Werft.

Vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Zeit danach war für Blohm + Voss nicht ganz so erfolgreich, erst bei Näherrücken des nächsten Krieges füllten sich die Auftragsbücher wieder. 1932 standen nur 2.882 Arbeiter und Angestellte auf den Lohnlisten, die Firmenchronik meldet "Auftragslage ungenügend".

1936, drei Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, dampften drei Zerstörer und ein schwerer Kreuzer in Richtung Nordsee, die Zahl der Beschäftigten war auf über 14.000 Mann angewachsen. Bis die Briten am 3. Mai 1945 die Stadt einnahmen und morgens, Punkt 10 Uhr alle, die bis zuletzt für jenen Endsieg schufteten, endgültig von der Werft jagten; bis zu diesem Tag hatten Blohm + Voss 238 deutsche U-Boote auf ihre unheilvolle Mission geschickt.

Sechs Jahre lang passierte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei Blohm + Voss nichts, vom Bombenhagel verschonte Maschinen und Einrichtungen wurden demontiert, die Helgengerüste gesprengt. Erst 1953 ein erstes Einlenken der Sieger, die Alliierte Hohe Kommission erlaubte die Schiffsreparatur an der Elbe, freute sich der damalige Hamburger Hafensenator Karl Schiller: "Damit ist diese Angelegenheit, dieser erste Schritt zum Wiederaufbau von Blohm & Voss. Jetzt fängt sie bescheiden wieder an, aber für die Reparatur von Handelsschiffen hier im Hamburger Hafen ist schon dieser kleine Wiederbeginn von großer Bedeutung."

Erfolgreich in eine neue Zeit

Noch ein Jahr später, 1952, schon 1.500 Mann schweißten und schraubten wieder auf der Blohm + Voss Werft, herrschte wieder Normalität. Der Sohn des Firmengründers, Rudolf Blohm, konnte aufatmend sagen: "Wir haben im November 1954 die Erlaubnis zum Bau von Seeschiffen erhalten, können also jetzt wieder Seeschiffe in dem Umfang bauen wie der Werftausbau es bisher erlaubt."

Noch in den 1950er-Jahren änderten sich die Eigentumsverhältnisse. Die Familie Blohm zog sich aus dem Unternehmen zurück. Unter dem Dach des Thyssen-Konzerns baute die Werft Spezial- und Containerschiffe, später auch Boote für die Marine und Luxusyachten. Ein weiteres wichtiges Feld war die Reparatur von Schiffen. Seit 2005 gehörte Blohm+Voss dem Werftenverbund ThyssenKrupp Marine Systems an, der aus dem Zusammenschluss von ThyssenKrupp Werften und der HDW-Gruppe entstanden ist.

Mit dem Verkauf der zivilen Sparte von Blohm + Voss an den britischen Investor Star Capital Partners im März 2012 hat eine neue Zeitrechnung in der langen Geschichte von Blohm + Voss begonnen. Zum ersten Mal seit 135 Jahren hat ein ausländischer Eigentümer das Sagen. Die Hamburger Traditionswerft setzt nach der Übernahme auf den Bau von Luxus-Jachten und hofft noch auf viele Stapelläufe.

Autorin: Gerda Gericke / Überarbeitung: Manfred Böhm
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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