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21.1.1954: Erstes Atom-U-Boot getauft
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Die Katastrophe des russischen U-Bootes "Kursk" im Nordmeer im Jahr 2000 ist noch in Erinnerung. Was die Weltöffentlichkeit damals besonders erregte: Die russische militärische Führung zauderte allzu lange damit, sich von ausländischen Kräften helfen zu lassen.

Dafür schienen zwei Gründe ausschlaggebend: Ein U-Boot, zumal ein Atom-U-Boot, galt und gilt nicht nur in Russland als ein besonderer Geheimnisträger. Zweitens wird es als nationales Prestige-Objekt betrachtet, und als solches blieb auch die "Kursz" zu lange eine rein nationale Angelegenheit, die viele Menschen schließlich mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Mythos U-Boot

Kein Gefährt der Spezies erfuhr allerdings solch mythische Bedeutung wie das atombetriebene U-Boot, das zum ersten Mal 1954 ins nordische Gewässer ging. Es war auf den Namen "Nautilus" getauft worden und konnte fast unbegrenzt unter Wasser operieren, weil seine Aggregate auch Sauerstoff aus Meerwasser gewinnen konnten.

U-Boote waren allerdings schon immer tief verwoben in menschliche Wunschwelten und Vorstellungen von Souveränität und Grenzüberschreitung. Der Traum, mit einem tauchfähigen Boot in die geheimnisvollen Tiefen der Meere vorzudringen, ist sehr alt. Schon das Universalgenie Leonardo da Vinci entwarf um das Jahr 1500 Tauchboote, doch erst der Niederländer Cornelius van Drebbel baute 1620 ein erstes echtes Unterwasserfahrzeug, bestehend aus Holz, mit Leder überzogen, bewegt von zwölf Ruderern. Durch einen Schnorchel wurde die Luftzufuhr sichergestellt.

Bereits im Ersten Weltkrieg kam das U-Boot als strategische Waffe systematisch zum Einsatz - von Stund an tobte auch unter den Wellen der Weltmeere ein lautloser und heimtückischer Kampf. Im Zweiten Weltkrieg zahlten die deutschen "Wolfsrudel", wie sie in martialischer Sprache genannt wurden, einen entsetzlichen Blutzoll - von rund 38.000 deutschen U-Boot-Fahrern kamen nur 10.000 zurück.

Der Erfolg des filmischen Meerteilers "Das Boot" von Wolfgang Petersen nach einem Roman von Lothar-Günther Buchheim zeigt, dass noch immer der Schauder und die Faszination vor dem so unheimlichen wie stummen Unterwasser-Gefährt ungebrochen sind. Das erste Atom-betriebene U-Boot steigerte diese Emotionen noch.

Ungeheure Zerstörungskraft

Inzwischen stellen die strategischen U-Boote der US-Amerikaner und Russen Waffensysteme, mit deren Zerstörungskraft sich kein anderes auf der Welt messen kann. So verfügt ein einziges Boot der US-amerikanischen "Ohio"-Klasse mit seinen 20 Trident-Raketen über die Zerstörungskraft von 7.600 Bomben des Hiroshima-Typs. 1954 allerdings schien sich das Bewusstsein für die Gefahren, die mit dem täglichen Umgang mit Atom einhergeht, sich nur auf dessen strategischen Kriegseinsatz zu beziehen. Nakasaki und Hiroshima lagen gerade erst neun Jahre zurück.


Autor: Werner Köhne
   
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