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10.12.1845: Patentierung des Luftreifens
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Das Autofahren wäre eine reichlich holprige Angelegenheit, hätte nicht am 10. Dezember 1845 ein Bauingenieur aus Middlesex in England einen luftgefüllten Reifen zum Patent angemeldet. Sein Name: Robert W. Thompson. Seine Erfindung: Bahnbrechend. Sein Fehler: Er kann sich nicht vermarkten. Niemand nimmt Notiz von ihm und seine Idee gerät in Vergessenheit, 43 Jahre lang. Dann kommt ein anderer auf den gleichen Gedanken: der schottische Tierarzt John Boyd Dunlop.

John Boyd Dunlop sagte einmal: "Ich sage nicht, ich sei der erste Erfinder des Luftreifens. Es gab eine Zeit, da glaubte ich, es zu sein, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil eine so einfache Sache nicht in Gebrauch war. Ich erhabe nur Anspruch darauf, der erste erfolgreiche Erfinder zu sein. Zum Glück für die gesamte Radwelt habe ich Thompsons Luftreifen rückerfunden."

Schnuller als Ventil

Dunlops Söhnchen Johnny liegt dem Vater nämlich in den Ohren, er kommt auf seinem Dreirad auf dem landesüblichen Kopfsteinpflaster so schlecht voran. Außerdem sind die Reifen aus massivem Hartgummi und zerbröckeln ständig. Also klebt Vater Dunlop aus einer dünnen Gummimatte einen Schlauch. Er klebt ihn auf den Rand einer Holzscheibe, bedeckt ihn mit einer Leinenhülle und pumpt ihn auf.

Das Ergebnis ist sensationell: Auf diesen Rädern ist Johnny schneller, als alle seine Spielkameraden. Außerdem legt er mit dem ersten Satz Luftreifen der Welt ganze 60 Meilen ohne Panne zurück. Nur einen Preis muss er zahlen: Sein Schnuller ist weg. Den braucht der fingerfertige Papa nämlich als Ventil. Und wird belohnt:

Bahn frei für Mobilität

Von Queen Victoria bekam Dunlop dann das Patent Nr. 10607 für seine Pneumatik-Erfindung - und daraus ist dann der Dunlop-Konzern entstanden. Beim ersten Mal übersehen, breitet sich die pfiffige Idee mit den Luftreifen beim zweiten Anlauf sehr schnell in Europa aus, die erste Niederlassung außerhalb Großbritanniens war 1893 in Hanau.

John Boyd Dunlop baut weitere Prototypen seines pneumatischen Patentreifens. Die Zeit ist geradezu gierig nach seiner Idee, denn der neueste Clou in Europa heißt Fahrradfahren. Aus den unhandlichen und schwer fahrbaren Hochrädern entwickeln sich die Sicherheits-Patenträder mit zwei gleichgroßen Reifen. Mit ihnen kann jede Frau und jeder Mann auch ohne artistische Begabung wunderbar fahren - und besonders weich mit den neuen Reifen.

Die ersten Reifen, die er verkauft, schneidet John Boyd Dunlop noch von Hand zurecht. Auch die Arbeiter der späteren Dunlop Rubber Company leisten harte Arbeit - weitaus kraftaufreibender und schwieriger, als es heute der Fall ist. Aber auch heute noch ist die Reifenproduktion mit sehr viel Handarbeit verbunden, aber vieles konnte in den Jahren automatisiert und menschlicher gestaltet werden.

Seit der ersten Idee vom Luftreifen hat sich einiges verbessert, auch wenn zumindest das Grundprinzip auch heute noch das Gleiche ist - und keine sichere Autofahrt ohne gute Reifen. Die Nachfolger von John Boyd Dunlop haben dafür gesorgt, dass aus dem handgeklebten Reifen für ein Kinderdreirad längst ein High-Tech-Produkt geworden ist.

John Boyd Dunlop will nur seinem Söhnchen einen Gefallen tun und bereitet damit die Bahn für das Jahrhundert der Mobilität.


Autorin: Catrin Möderler
   
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