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4.12.1924: Erste Funkausstellung Berlin
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Berlin 1924: Die Damen trugen Bubikopf, Fransenkleider und große Broschen - die Inflation, wo 500 Trillionen Papiermark im Umlauf waren und viele Menschen doch nicht genügend Geld hatten, um auch nur die Butter aufs Brot zu bezahlen, war gerade vorbei. Der Rundfunk in Berlin war gerade ein Jahr alt, die Stationen in München, Frankfurt, Hamburg und Leipzig erst seit einigen Monaten im Äther.

Aus weiter Ferne eine Stimme

Viele Menschen, wie Herbert Antoine, damaliger Beauftragter für das Ausstellungswesen bei der Reichsrundfunkgesellschaft, waren fasziniert von der neuen Technik: "Stellen Sie sich das vor, ein Mensch sitzt da in seinem einsamen Zimmer und hört plötzlich aus weiter, weiter Ferne eine Stimme. Das war so ungeheuer beeindruckend damals für uns Rundfunkleute, dass wir also mit hundertprozentigem Elan alles anpackten, was damals neu war."

Doch manche konnten dem Rauschen und Knacken aus dem Äther nicht allzu viel abgewinnen. "Man gebe einem Baby einen Tag lang nichts zu essen, drehe an der Gaslampe die Luftzufuhr voll auf, bewege die nicht geölte Tür hin und her und trete dem Hund dann und wann auf den Schwanz - so klinge es aus dem Kopfhörer", klagte ein Zeitzeuge.

Raum für ein neues Medium

Um zahlende Radiohörer zu gewinnen - zwei Reichsmark im Monat kostete der Spaß – fanden sich Industrie, Handel, Post und Programmveranstalter zusammen, um für das neue Medium zu werben. So machte sich Herbert Antoine daran, die Erste Große Deutsche Funkausstellung aus dem Boden zu stampfen.

Extra für die Funkausstellung wurde die so genannte 'Funkhalle' gebaut. Das "Haus der Funkindustrie": 130 Meter lang, mit einer Ausstellungsfläche von über 7000 Quadratmetern. Die Halle wurde aus Holz gebaut, um auch im Inneren den Empfang mit Zimmer- und Rahmenantennen zu ermöglichen. Selbst die Regenrinnen waren durch Holz und die Blitzableiter durch Funkenstrecken unterteilt.

Zur Unterhaltung der 114.109 Besucher bauten die Berliner Radiopioniere ihr erstes kleines Sendestudio auf der Funkausstellung originalgetreu wieder auf. Die Wände der nach gebauten Dachkammer wurden mit Krepppapier verkleidet - wegen der Akustik - Wolldecken und Scheuertücher trennten das Studio von der Technik. Das Mikrophon stand auf zwei dicken Berliner Adressbüchern.

Angebote - auch zum Nachbauen

Obwohl das Radio gerade mal ein Jahr alt war, hatten die über 400 Aussteller einiges zu bieten. Ein Gerät der Firma Seibt mit vier großen Röhren, die wie Glühbirnen leuchteten, erlaubten sogar Europaempfang - so man acht Regler millimetergenau zu steuern wusste. Die Firma Loewe hatte eine Sparröhre entwickelt und die Deutsche Radiophon offerierte den ersten Reisempfänger. Ein schlichtes Einröhrengerät kostete mit Rückkopplung damals 33 Mark, die Detektorgeräte, bei denen eine feine von einer Feder geführte Nadel auf einen Kristall aufgesetzt wird, gab es für die Hälfte.

Doch auch das war für viele Menschen unbezahlbar. Billiger war selber bauen, erinnerte sich Herbert Antoine: "Es war ein unwahrscheinliches Interesse von so genannten Bastlern damals entstanden, die so genannten Bastlerverbände, die nun alle Leute gewissermaßen mit der Technik überhaupt des Rundfunks vertraut machten, mit dem Empfänger. Die Industrie war noch gar nicht vorbereitet (…), und so begann es mit dem berühmten Detektor und dem Kopfhörer. Aber jeder sah (…) seinen Ehrgeiz darin, nun mit der Welt irgendwie schon Kontakt zu haben. Das war ja durch den Rundfunk die erste große Möglichkeit."

Die Erste Große Deutsche Funkausstellung war ein riesiger Erfolg, weitere sollten folgen. 1926 wurde der Berliner Funkturm eingeweiht. Schon 1928 wurden erste Versuche mit der Übertragung von Bildern gemacht, 1929 wurden regelmäßige - allerdings tonlose - Fernsehsendungen ausgestrahlt. 1931, auf der 8. Deutschen Funkausstellung wurde erstmals vollelektronisches Fernsehen gezeigt.

Autorin: Gerda Gericke
   
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