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11.11.1918: Das Ende des Habsburger Reiches
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Mitte des 19. Jahrhunderts gab die Donaumonarchie ein glanzvolles Bild ab. Kaiser Franz-Joseph I. war jung und populär. Ihm zur Seite stand die schönste Frau der Zeit: Kaiserin Elisabeth, Herzogin in Bayern. Eine weitere Krone wurde dem Kaiserpaar geschenkt: Ungarn trug Sisi und Franz-Joseph die Königswürde an.

Ein Pulverfass

Doch der Vielvölkerstaat Österreich wurde über die Jahrzehnte zum Pulverfass. Viele Volksgruppen, unter dem Doppeladler der Habsburgermonarchie zusammengepfercht, drängten nach Unabhängigkeit. In Sarajewo fiel der Thronfolger im Jahr 1914 einem Attentat zum Opfer.

Mit den Schüssen von Sarajewo begann der Erste Weltkrieg und mit ihm der Anfang vom Ende der über 600-jährigen Habsburgerherrschaft. Der greise Kaiser Franz-Joseph musste es nicht mehr miterleben. Auf den Thron war ihm Karl, der Enkel seines Bruders Carl-Ludwig, gefolgt.

Als Carl-Ludwigs Enkel Karl Kaiser von Österreich und König von Ungarn wurde, tobte der Erste Weltkrieg. Eine offizielle Krönung zum König von Ungarn wurde in Budapest noch vollzogen. Die feierliche Kaiserkrönung in Wien sollte nachgeholt werden, wenn wieder Friede herrschte. Es sollte nicht mehr dazu kommen.

Das Ende einer Ära

Otto von Habsburg, Sohn von Kaiser Karl I., war sechs Jahre alt, als die Welt seiner Vorfahren unterging. Alle Friedensbemühungen seines Vaters schlugen fehl. Jahrelange Stellungskriege bescherten Österreich gigantische Verluste. Die Truppen legten freiwillig die Waffen nieder, die kommunistische Revolution in Russland trug neuen politischen Sprengstoff nach Mitteleuropa. Die verschiedenen Völker der Monarchien beschlossen, selbst bestimmt zu leben. Am 11. November 1918 musste Kaiser Karl I. von Österreich die Regierungsgeschäfte niederlegen und das Land verlassen.

Im Exil erreichten den Kaiser Hilferufe aus der alten Heimat. Eine Restauration der Monarchie wurde versucht. Aber alle Versuche, die Monarchie wieder zu installieren, schlugen fehl. Kaiser Karl, der niemals offiziell auf den Thron verzichtet hatte, wurde mit seiner Familie nach Madeira verbannt. Er verwand den Verlust seiner Heimat nicht. Er wurde krank und starb im Jahr 1922, gerade 35 Jahre alt. Bis zu letzt bewahrte er die Haltung eines Monarchen, auch seinen Kindern gegenüber, wie sich Otto von Habsburg einmal erinnerte: "Dann ist meine Mutter herausgekommen in den Garten, um mich zu rufen, um beim Sterben anwesend zu sein. Weil mein Vater das gewünscht hat, weil er gesagt hat, ich soll lernen, wie ein Christ stirbt."

Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten österreichischen Kaisers, trug auf seine Weise den europäischen Gedanken seiner Vorfahren weiter. Bis zu seinem 87. Lebensjahr saß er als Abgeordneter Bayerns im Europäischen Parlament. Erst im Jahr 1999 zog er sich ins Privatleben zurück. Die großen Umwälzungen in der bewegten Geschichte des 20. Jahrhunderts haben in ihm eine Erkenntnis reifen lassen, so Otto von Habsburg: "Ich bin jetzt lange genug in der Politik, um einen Grundsatz gelernt zu haben: Es gibt Worte, die man in der Politik nicht gebrauchen darf. (…) das sind die Worte 'Nie' und 'Immerwährend'."

Autorin: Catrin Möderler
   
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