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25.9.1957: Militär schützte schwarze Schüler
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Am 25. September 1957 machten sich neun Kinder auf den Schulweg zur "Central High School" in Little Rock im US-amerikanischen Arkansas. Dies war vielleicht der schwerste Weg, den jemals Kinder zur Schule zurücklegen mussten. Nach Jahren der Rassentrennung an den US-amerikanischen Schulen und Universitäten betraten erstmals schwarze Kinder die "Central High School".

Bereits drei Jahre zuvor hatte der Oberste Gerichtshof der USA die Rassentrennung für verfassungswidrig erklärt. Christian Hacke, Professor für US-amerikanische Politik an der Universität Bonn:

Prof. Hacke: "Es war realpolitisch schwierig, dieses Verfassungsprimat durchzusetzen, besonders in den Südstaaten. Und daraus entwickelte sich dann diese Geschichte."

Nach Jahren politischen Streits sollte mit dem ersten Schultag jenes Herbstes 1957 die Aufhebung der Rassentrennung endlich vollzogen werden. Doch der Gouverneur von Arkansas, Orval Faubus, wehrte sich. Er orderte die Nationalgarde vor die Central High School, um den neun schwarzen Kindern den Zutritt zu verwähren. Eines dieser Kinder war die damals 15-jährige Elizabeth Eckford:

"Ich bestieg den Bus, um zur Schule zu fahren. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, zur Zielscheibe einer wütenden Menge zu werden. Ich hatte nicht erwartet, ganz alleine dazustehen."

Elizabeth wurde von den Soldaten der Nationalgarde gestoppt. Kein Zutritt für Schwarze. Die Menge tobte. Elizabeth wollte nach Hause gehen, ihr Weg wurde zum Spießrutenlauf durch ein Spalier wütender weißer Gesichter. Eines davon war das von Hazel Brian.

"Ich ging gleich hinter ihr, ich schrie sie an: 'Hau ab du Nigger'", erinnert sich Hazel.

"Ich wusste, dass ich mich nicht herumdrehen durfte", sagt Elizabeth. "Die Menge war mir auf den Fersen. Ich wollte unbedingt die nächste Bushaltestelle erreichen. Ich weiß, es klingt verrückt, aber das bedeutete Sicherheit für mich."

An der Bushaltestelle wartete eine Gruppe von Reportern, die sich schützend vor die kleine Elizabeth stellten.

Ein 15-jähriges Mädchen, von Soldaten vertrieben, vom Mob gehetzt. Gegen das Gesetz, gegen den Willen der Regierung von Präsident Eisenhower.

Prof. Hacke: "Das ging dann selbst Eisenhower zu weit. Es schien zu einer Einigung zu kommen, aber der Gouverneur brach sein Wort. Und dann ließ Präsident Eisenhower die Nationalgarde einmarschieren, stellte sie unter sein Kommando und schickte 1000 Fallschirmjäger nach Little Rock, um den schwarzen Kindern den Zutritt zu sichern."

Es war die vielleicht prekärste Auseinandersetzung seit dem US-amerikanischen Bürgerkrieg, ein Bundesstaat des Südens gegen die Bundesregierung, Fallschirmjäger der Bundesarmee und die Nationalgarde von Arkansas unter dem Befehl des Präsidenten. Der 25. September 1957 hat Amerika verändert, auch wenn es noch ein langer Weg sein sollte, bis Amerikas Schwarze sich Ihren Platz in der Gesellschaft erkämpft hatten.

Christian Hacke: "Man darf nicht vergessen, in den kommenden Jahren änderte sich weniger, als wir glauben. Der Durchbruch kam erst in den 60er Jahren mit einer neuen, aggressiveren schwarzen Generation, die radikaler die Bürgerrechtsbewegung durchsetzte. Erst Martin Luther King als die sanfte Version und dann sehr viel härter Malcolm X. Das muss man sehen, dass die wirkliche Auseinandersetzung nach Little Rock weiterging."

Aber dies war die Geschichte von neun Kindern, neun kleinen Menschen, die einen großen Kampf auszutragen hatten. In vielen Reden in späteren Jahren wurden sie als Pioniere und Helden bezeichnet. Und die Bürger von Little Rock schieben seither die Verantwortung auf eine namenlose Gruppe von Extremisten. Fast genau ein Jahr nach dem 25. September 1957 stimmten 7561 Bürger von Little Rock für die Rassenintegration ihrer Schulen. Und 129.470 dagegen.

Autor: Rovert Burdy
   
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