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30.7.1792: Die "Marseillaise"
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In Frankreich tobt die Revolution. Die Könige Ludwig XV. und XVI. haben ihr Land in den Ruin getrieben. Das Volk darbt. Jetzt erhebt es sich gegen seine Herrscher. Die angrenzenden Staaten wollen nicht warten, bis die Revolution auf ihre Gebiete übergreift. Sie erklären Frankreich den Krieg. Jetzt kämpft die Revolution an zwei Fronten gegen die ausländischen Mächte und gegen die Kräfte im eigenen Staat, die das Königtum verteidigen.

Am 30. Juli 1792 marschieren Revolutionstruppen aus Marseille in Paris ein. Auf ihren Lippen ein kriegerisches Lied. Seit diesem Tag ist es bekannt als "Die Marseillaise": "Auf, Kinder des Vaterlands, der Tag des Ruhmes ist gekommen! Gegen die Tyrannei haben wir die blutige Fahne erhoben! Hört ihr die grausamen Soldaten brüllen? Sie kommen, um unsere Frauen und Kinder abzuschlachten. Zu den Waffen, Bürger! Schließt die Reihen! Lasst uns marschieren, auf dass das unreine Blut die Furchen unserer Felder tränke!"

Das Kampflied der Revolution

1795 wird das Kampflied der Revolution zur Nationalhymne Frankreichs erklärt. Sie überlebt die Revolution, sie überlebt die Kaiserreiche Napoleons I. und III., die Restauration, vier Republiken und zwei Weltkriege. Die V. Republik verankert sie im Gesetz. In Artikel Zwei der Verfassung von 1958 wird die Marseillaise als Nationalhymne Frankreichs festgeschrieben.

Sie ist der Ausdruck französischen Nationalstolzes schlechthin, auch wenn moderne Franzosen den Text äußerst kritisch sehen: "Die Musik ist sehr spannend. Aber die Worte sind schrecklich. Die sind blutig. Ich meine, es ist eine Schande, diese Worte zu benutzen." sagt Hélène Butler, die sich um französische Unternehmen in Deutschland kümmert. Sie würde die Marseillaise gerne der heutigen Zeit angepasst wissen. "Die Marseillaise wurde entwickelt, wo man viel zu kämpfen hatte. Deshalb hat dieses Lied eine Legitimation. Ich würde nur einige Wörter ändern."

Entsehungsgeschichte

Ob die Worte, die Madame Butler so missfallen, Volksgut sind oder vom Komponisten stammen, ist nicht eindeutig nachzuweisen. Die Melodie der Marseillaise wird auf jeden Fall Claude-Joseph Rouget de Lisle zugeschrieben.

Der Amateurmusiker ist seinerzeit Kapitän einer militärischen Einheit in Straßburg. Der Bürgermeister gibt das Stück bei ihm in Auftrag. Er möchte offiziellen Gästen Straßburgs etwas Besonderes bieten. Das Lied wird ein großer Erfolg, gedruckte Kopien verbreiten sich bis nach Marseille. Die dort stationierte Freiwilligentruppe macht daraus ihr Marschlied und nimmt es mit bei ihrem Einzug in Paris.

Ironischerweise ist Rouget de Lisle gar kein Anhänger der Französischen Revolution. Im Gegenteil, er ist Royalist. Der Schöpfer der Revolutionshymne entgeht wenig später selbst nur knapp der Guillotine.

Der Geschichte eine Hymne

Auch Vorfahren der Unternehmensberaterin Hélène Butler lassen dort ihr Leben. Trotzdem identifiziert sie sich mit dem eigentlichen Gedanken der damaligen Zeit: "François Mitterand hat gesagt: 'Il reste encore la bastille à prendre.' Das heißt, Bastille ist ein Symbol für etwas, wogegen man kämpfen muss. Und es gibt noch viele Probleme, bei denen sich die Leute einigen müssen, um schlechte Dinge wegzuschmeißen."

Jenen, die den Mut finden, sich gegen Missstände zur Wehr zu setzen, gab die Geschichte eine Hymne: Die Marseillaise.


Autorin: Catrin Möderler
   
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