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27.7.1921: Die Entdeckung des Insulin
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Eine der ersten Menschen, die durch die Entdeckung des Insulin gerettet wurden, war Elizabeth Hughes. Sie war 14 Jahre alt und Diabetikerin. Anfang der 1920er-Jahre war man nicht in der Lage diese tödlich verlaufende Krankheit zu heilen, wie Professor Dr. Heinz Schott, Leiter des Instituts für Medizingeschichte an der Universität Bonn erläuterte: "Im Grunde hat man nur diätetisch, also durch die Ernährung etwas erreichen können, aber es ist eine schlimme Sache, wenn man eine Krankheit praktisch mit Hungern bekämpfen soll. Und das war auch das Problem, im Endeffekt gab es vor der Verwendung von Insulin keine wirksame Therapie, kann man sagen."

Auch Elizabeth Hughes wurde einer strengen Hungerdiät unterworfen, um ihre Blutzuckerwerte niedrig zu halten und sie vor dem diabetischen Koma zu bewahren. Das Dilemma: Die Kranken fielen tatsächlich nicht mehr ins Koma, dafür verhungerten sie langsam. Elizabeth war im Sommer 1922 abgemagert zum Skelett und völlig geschwächt.

Die Entdeckung des Insulins

Als ihre Mutter erfuhr, in Kanada habe man ein neues Heilmittel entwickelt, wandte sie sich an einen der "Entdecker", Frederick Banting. Am 16. August begann Banting mit der Behandlung, Elizabeth erhielt sie die erste Injektion des neuen Heilmittels: Insulin.

Dr. Schott erklärte dazu: "Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, und man muss sich vorstellen, dass es ein Signalstoff ist, der in die Stoffwechselvorgänge eingreift und also vor allen Dingen den Blutzuckerspiegel senkt. Eben mit Hilfe der Entdeckung des Insulins und der Produktion von Insulin und der therapeutischen Gabe von Insulin konnte diese Krankheit dann erfolgreich bekämpft werden."

Und tatsächlich, in den folgenden Wochen gewann Elizabeth Hughes permanent an Kraft, wöchentlich nahm sie ein Kilo zu. Im Oktober bemerkte sie, dass sie gewachsen war, sie konnte wieder aufstehen, zur Schule gehen - für Elizabeth Hughes war die Entdeckung des Insulins wie ein Wunder.

Des Rätsels Lösung

Tatsächlich hatten Ärzte, die nach den Ursachen der Zuckerkrankheit forschten, schon länger vermutet, dass des Rätsels Lösung in der Bauchspeicheldrüse läge, wie auch Dr. Schott meinte: "Das war auch der Weg, wie man Insulin überhaupt entdeckte, man hat bereits 1889, damals haben zwei Forscher, Minkowski und Mehring, bei Hunden die Bauchspeicheldrüse entfernt und festgestellt, dass sie Diabetes bekamen. Sie haben dann schon ein endokrenes Sekret, also einen Stoff, in den Inselzellen vermutet."

Alle Versuche aber, diesen Stoff zu finden und zu isolieren, misslangen. Bis dann ein junger kanadischer Arzt, Frederick Banting, kam. Zusammen mit dem Medizinstudenten Charles Best experimentierte er im Sommer 1921 in Toronto erneut mit Hunden. Diesmal jedoch gelang es den beiden das Sekret, dass für die Zuckerverwertung im Körper sorgt, zu isolieren.

Von der Entdeckung zur Massenproduktion

Dazu schnitten sie die Bauchspeicheldrüse in kleine Stücke, ließen sie in einer Salzlösung gefrieren und zerteilten sie dann in einem Mörser. Die so hergestellte Flüssigkeit wurde durch Löschpapier gefiltert. Übrig blieb ein rosafarbenes Extrakt: das Insulin. Bei der Injektion dieser Lösung verschwanden tatsächlich die diabetischen Symptome bei den Versuchstieren.

Im Laufe der nächsten Monate wurden die Versuche weitergeführt, andere Wissenschaftler kamen hinzu, die Ergebnisse wurden verbessert und im Frühsommer 1922 begann man Insulin fabrikmäßig herzustellen, worüber Dr. Schott sagte: "Die Massenproduktion ging dann schon bald los, das hat nicht so lange gedauert wie beim Penicillin, von der Entdeckung zur Massenproduktion. In diesem Falle ging es recht rasch, also insofern ist Insulin ein Fall für eine große Entdeckung, die auch sehr schnell technisch für den breiten Massenbetrieb nutzbar gemacht werden konnte und auch wissenschaftlich gewürdigt wurde sehr rasch mit einem Nobelpreis."



Autorin: Rachel Gessat
   
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