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26.6.1963: John F. Kennedy in Berlin
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Es ist bis dato die größte Kundgebung in der Geschichte Berlins, um genau zu sein, West-Berlins. Eineinhalb Mio. Menschen säumen die Straßen, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu feiern. Der Besuch John Fitzgerald Kennedys gerät zum Triumphzug durch den freien Teil der deutschen Hauptstadt, die seit dem 13. August 1961 durch eine Mauer aus Beton und Stacheldraht geteilt ist.

Garanten der Freiheit West-Berlins sind die westlichen Siegermächte des Zweiten Weltkriegs: Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Mit ihren Soldaten ohnehin in der Stadt präsent, bezeugt der junge, charismatische US-Präsident John F. Kennedy, dass Berlin - wie man heutzutage sagt - Chefsache ist. Seine in englischer Sprache gehaltene Rede enthält vier deutsche Wörter, die er, rhetorisch geschickt, gleich zweimal ausspricht. Das erste Mal kurz nach Beginn seiner Ansprache: "Vor 2000 Jahren war der stolzeste Satz, den ein Mensch sagen konnte, der: Ich bin ein Bürger Roms. Heute ist der stolzeste Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann: Ich bin ein Berliner."

Quer durch die Stadt

Kennedys Dolmetscher ist Robert Lochner, der schon während der sowjetischen Blockade West-Berlins 1948/1949 als Übersetzer Lucius D. Clays tätig war. Der US-Militär-Gouverneur ist als Vater der Luftbrücke in die Geschichte eingegangen und begleitet den US-amerikanischen Präsidenten während seines Berlin-Besuches.

Eine Visite, die für den Rundfunk im US-amerikanischen Sektor RIAS, auch in technischer Hinsicht ein historisches Ereignis ist. Den ganzen Tag über begleiten die Reporter den Präsidenten und berichten ununterbrochen live. So werden auch die Menschen in der DDR über den Kennedy-Besuch informiert.

In einer offenen, dunkelblauen Lincoln-Limousine fährt Kennedy quer durch die Stadt. Auf dem Weg zur Abschlusskundgebung vor dem Schöneberger Rathaus macht der Präsident an symbolischen Stationen Halt.

Der RIAS berichtet damals: "Präsident Kennedy schaut auf die Mauer. Sein Gesicht ist ernst und verschlossen. Er steht vor jenem Tor, das wohl wie kein anderes Bauwerk zum Symbol der deutschen Spaltung geworden ist; darüber hinaus zum Symbol des deutschen Schicksals überhaupt. Durch dieses Tor ist das deutsche Schicksal geritten, gefahren, marschiert und geflüchtet."

Nächster Anlaufpunkt ist der Checkpoint Charlie - Berlins Grenzübergang für Diplomaten und Ausländer. Schließlich erreicht John F. Kennedy das Ziel seiner wohl ungewöhnlichsten Dienstfahrt. Ein RIAS Reporter beschreibt die Szene damals so: "Das ist Berlin, vor dem Rathaus Schöneberg. Und in dem Moment beginnt, wie erwartet, auch hier der Konfetti-Regen. Ein Bild, das man, so glaube ich ohne Übertreibung und Pathos sagen zu können, nicht vergessen wird."

Deutsch-amerikanische Freundschaft

Kennedys Begleiter die ganze Zeit über sind Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt und der aus Bonn angereiste Konrad Adenauer. Für den 87-jährigen Bundeskanzler ein Höhepunkt in seinem letzten Amtsjahr, er sagt: "Die Berliner haben sich in diesen vergangenen Jahren ausgezeichnet durch Standhaftigkeit und Geduld. Heute vor 15 Jahren, meine Freunde, auf den Tag am 26. Juni trafen die ersten Flugzeuge der Luftbrücke ein, die damals Berlin gerettet hat."

Eine Leistung, die untrennbar mit dem Namen des Mannes verbunden ist, den John F. Kennedy mit seinem feinen Gespür für symbolische Gesten aufs Redner-Podest holt. Lucius D. Clay, der mit seiner Luftbrücke während der Blockade begründete, was der Regierende Bürgermeister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt in seiner Rede besonders betont: "In dieser Stadt, Herr Präsident, in diesem Berlin, wurde nach dem schrecklichen Krieg die deutsch-amerikanische Freundschaft geboren."

Willy Brandt vergisst darüber jene nicht, die, wenn sie denn könnten, lieber hier, im freien Westen Berlins wären, als im unfreien Osten Deutschlands: "Wir grüßen sie alle, und wir sagen ihnen: Wir geben nicht auf!"

"Ich bin ein Berliner!"

Eine Durchhalte-Parole, die Kennedy zum Abschluss seiner Rede ein zweites Mal mit dem berühmtesten Satz krönt, die ein US-amerikanischer Präsident in Berlin ausgerufen hat: "Ich bin ein Berliner!"

Mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt endet der legendäre Berlin-Besuch John Fitzgerald Kennedys am 26. Juni 1963. Im Hintergrund erklingt die Freiheitsglocke des Schöneberger Rathauses.



Autor: Marcel Fürstenau
   
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