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1.6.1945: Erster Arbeitseinsatz für Trümmerfrauen
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Trümmerfrauen bei der Arbeit - ein typisches Bild, auch noch lange Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Lange Frauenketten auf den Trümmerbergen, in Eimern reichen sie die einzelnen Steine nach unten.

Käthe Linke, eine Zeitzeugin, trümmerte im stark zerstörten Dresden. Sie sagte später: "Also wir hatten ein Kopftuch, eine Schürze und alte Schuhe, so weit das möglich war und wer sie eben hatte, und da ging das los, da wurde nicht viel diskutiert. Das war eine Fließbandarbeit. Oben auf dem Berg standen die ersten, und da wurde das alles weitergereicht. Dann unten waren so Holzböcke, und da waren Bretter drauf, und da wurden die Steine sauber geputzt und gestapelt."

16 Stunden, jedes Wochenende klopfte Käthe Linke Steine. Und dazwischen kümmerte sie sich um ihre Kinder, arbeitete und studierte. Ein Schicksal vieler Frauen.

Paula Hertwig vom Demokratischen Frauenbund schilderte die Lage Ende 1947: "Uns fehlt der arbeitsfähige Mann, deshalb müssen wir Frauen mithelfen. (...) Ihr Ausländer, die ihr unsere Stadt besucht, geht nicht achtlos vorbei und verschließt nicht die Augen vor der Leistung dieser Frauen."

Aufbruchsstimmung

Zu der Zerstörung der Städte kam die schlechte Versorgungslage. Viele Frauen standen stundenlang nach Brot oder Butter an und bekamen dann doch nichts. Ein täglicher Kampf ums Überleben.

Und trotzdem fanden die Frauen den Weg zu den Trümmern. Die Trümmerfrauen arbeiten mit primitiven Arbeitsmitteln, mit Eimern, Brettern und ihren Händen. Sie sammeln alles, was noch gebraucht werden kann. Die Steine stapeln sie auf den Straßen, brauchbare Holzbretter bergen sie aus den Trümmern. Oft finden sie alte Erinnerungen aus den zerbombten Häusern. Fotos, Kleidung, Badfliesen, Geschirr - die traurigsten Momente für die Trümmerfrauen.

Auch Männer unterstützen die Trümmerfrauen, sie bergen schwere Eisenstangen aus den Trümmern, fahren mit LKWs die Steine weg. Es herrscht eine Aufbruchsstimmung, trotz der schwierigen Zeit.

Zusammenhalt und Kameradschaft

Die Dresdenerin Käthe Linke erzählte von damals: "Da war ein Zusammenhalt, da war eine Kameradschaft. und das war auch 'ne Hoffnung, die man wieder hatte. Wir wollten ja auch wieder ins Theater gehen. Es war eine hoffnungsvolle Zeit wieder, die Selbständigkeit der Frau und zu finden, welche Möglichkeiten sie jetzt so hat, das war schon schön."

Nach und nach entsteht ihre Heimatstadt Dresden wieder. Den Grundstein legten unzählig viele Frauen. Viele von ihnen sind mit samt ihrer Leistung schon längst vergessen - Käthe Linke zuckte mit den Schultern: "Das war für uns eigentlich selbstverständlich, die Menschen mussten ja wieder ein Dach über dem Kopf haben."

Noch im Jahr 2000 stapelten sich Steine direkt hinter dem Haus von Käthe Linke. Es sind die Steine der Dresdener Frauenkirche, die die 80-Jährige vor ihrem Fenster neu entstehen sah.



Autor: Gábor Halász
   
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