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18.5.1965: Die Queen in Deutschland
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Köln: Auf dem Flughafen wurde Queen Elizabeth II. mit 21 Salutschüssen empfangen. Neben einem Massenaufgebot an Journalisten, Vertretern des diplomatischen Corps und Bundespräsidenten Heinrich Lübke war auch das gesamte Kabinett zum Empfang des königlichen Besuchs angetreten.

Es war der längste, teuerste und prächtigste Staatsbesuch in der Geschichte der noch jungen Bundesrepublik - und der erste eines britischen Staatsoberhauptes seit 1909, als Edward VII. Deutschland bereist hatte. Dazwischen lagen zwei Weltkriege, in denen Deutsche auch dem britischen Nachbarn unermessliches Leid zugefügt hatten. Umso freudiger begrüßte man in Deutschland den Besuch der Königin.

Bundespräsident Lübke sagte beim Empfang auf Schloss Brühl: "Wenn ich Sie, meine hohen Gäste, heute herzlich willkommen heiße, dann kann ich es in der frohen Gewissheit tun, im Namen aller meiner Landsleute zu sprechen. Wir sind sehr glücklich und froh, dass Sie hier sind. Ihren Besuch, Majestät, verstehen wir auch als ein Zeichen wachsenden Vertrauens zu unserem Volk. Es hat unseres Erachtens seinen Willen zur Wiedergutmachung auf endrucksvolle Weise bekundet und zur Erfüllung der Gemeinschaftsaufgaben der freien Welt in hohem Maße beigetragen."

Elf Tage für die Freundschaft

Doch Elizabeths Staatsbesuch bedeutete nicht nur eine Aufwertung der noch jungen Bonner Republik, ihr Interesse galt vor allem den Menschen quer durch die Republik. Elizabeth II. sagte: "Meine Reise wird mich vom südlichen Ende Deutschlands bis in den hohen Norden führen, den Rhein entlang und bis nach Berlin. Ich freue mich, Menschen aus allen Teilen Ihres Landes und Ihrer Bevölkerung kennen zu lernen. Und ich freue mich auch auf Hannover und die anderen Orte von historischer und biografischer Bedeutung."

Elizabeth erfüllte ihr elftägiges Mammutprogramm mit bravem Fleiß und geradezu deutscher Pünktlichkeit - kein Wunder, schließlich wurden die deutschen Gazetten nicht müde zu betonen, dass ja auch deutsches Blut aus dem Hause Sachsen-Coburg in den Adern der jungen Monarchin floss. Erst während des Zweiten Weltkrieges hatte die königliche Familie den Namen Windsor angenommen. Die deutsche Bevölkerung empfing sie dennoch, als wäre es die eigene Königin.

Am Ende ihres Besuches hatten sich nicht nur die deutsch-britischen Beziehungen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg in einem neuen, sonnigen Licht präsentiert. Auch auf Deutschlands politische Elite, auf die zahlreichen Stadt- und Gemeinderäte, die Ministerpräsidenten bis hin zum Bundespräsidenten Lübke war eine Stück royaler Glanz abgefärbt - am Ende waren alle zufrieden. Sogar der königlich-britische Hofpoet. Er dichtete: "Die lange, lange Woche unaufhörlicher Anstrengung endet. Überirdische Macht segnet diejenigen, die segnen. Nach solcher Nacht solch Sonnenstrahl des Erfolgs. Die Nationen haben sich vergeben und Freundschaft geschlossen."


Autor: Daniel Scheschkewitz
   
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