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4.5.1958: Operndiva Callas gekündigt
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Mitte der 1950er-Jahre ist die Mailänder Scala unbestrittener Mittelpunkt der Opernwelt - und sie ist es wegen einer Frau: La Diva Divina, La Primadonna Assoluta - Maria Callas. Keine Opernsängerin des 20. Jahrhunderts wird so vergöttert wie sie, und so gehasst, denn je größer ihr Ruhm, desto unberechenbarer wird sie. Kollegen zollt sie Verachtung, ihre Gagenforderungen sind astronomisch, die Spielplangestaltung hat sich nach ihr zu richten. Dabei macht ihre Stimme seit 1956 zunehmend Schwierigkeiten. Ihre Absagen häufen sich.

Nach sieben Jahren anstrengender Zusammenarbeit mit seinem kapriziösen Star ist Intendant Antonio Ghiringhelli müde. Nach einer Reihe von Skandalen schickt er die Frau fort, die seinem Haus Glanz verliehen hat. Sein süffisanter Kommentar: "Primadonnen kommen und gehen, aber die Scala bleibt."

Der Anfang vom Ende

Der Anfang vom Ende ist ein Gastspiel der Scala in Edinburgh. Gegeben wird "La Somnambula" von Vincenzo Bellini, eine Glanzrolle der Callas. Die Scala verlässt sich auf ihren Kassenmagneten, aber von fünf Aufführungen steht die indisponierte Callas nur vier durch und auch die nur schlecht. Ihr Arzt rät zu sofortiger Rückreise.

Aber die Callas fühlt sich nicht krank genug, um nicht an dem Tag, an dem sie eigentlich die letzte Aufführung in Edinburgh hätte singen sollen, eine Jet-Set Party in Venedig zu besuchen. Dort singt sie vor versammelter Boulevardpresse US-amerikanische Bar-Schlager. Ein Orkan der Empörung bläst der vermeintlich vertragsbrüchigen Drückebergerin ins Gesicht.

Skandal in Rom

Die Callas glaubt sich ohne Rivalinnen. Nach außen hin ist sie nicht einzuschüchtern, aber der nächste Skandal gerät zum weltpolitischen Ereignis. Zu Ehren des italienischen Staatspräsidenten ist in Rom eine Callas-Gala mit ihrer Lieblingsoper "Norma" von Vincenzo Bellini angesetzt.

Alle warten auf die berühmte Arie, die keine Sängerin vor und keine nach ihr in annähernd solcher Vollendung gesungen hat wie Maria Callas. Aber diesmal misslingt ihr die "Casta Diva". Maria Callas bricht die Vorstellung ab. Der italienische Staatspräsident muss mit seinen Ehrengästen wieder nach Hause gehen. Einen Skandal dieser Größe hat die Opernwelt noch nie gesehen.

Der Abschied, die Liebe und ein gebrochenes Herz

Zurück in Mailand, schlägt der Callas der blanke Hass der Opernfans entgegen. Nach ihrer nächsten Vorstellung an der Scala findet sie ihr Haus mit Kot beschmiert. Auch Intendant und Kollegen lassen sie ab jetzt gnadenlos fühlen, dass sie zu weit gegangen ist. Maria Callas kehrt der Scala den Rücken.

Maria Callas gibt eine umjubelte Konzertreihe in Deutschland, eine andere in den USA. Aber ihre größte Zeit auf der Opernbühne ist vorbei. Zeitgleich lernt sie den schwerreichen Reeder Aristoteles Onassis kennen und lieben. Sie tauscht das Theaterleben gegen das Leben des internationalen Jet-Set. Ihre Bühnenauftritte werden immer seltener.

Als "Tosca" 1965 in Paris schreibt Maria Callas zum letzten Mal Operngeschichte. Als Onassis sie schließlich verlässt, stürzt die Callas in eine Krise, von der sie sich nie mehr erholt. 1977 stirbt sie, gerade 54 Jahre alt, an gebrochenem Herzen.



Autorin: Catrin Möderler
   
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