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31.3.1889: Eiffelturm vollendet
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Für die Rekordhöhe von 312 Metern und 27 Zentimetern wird am 31. März 1889 sogar die Größe der französischen Fahne mitgezählt. Gigantismus ist nämlich für die Pariser Weltausstellung angesagt, 100 Jahre nach jener Französischen Revolution, die die Welt veränderte. Der Eiffelturm im Herzen von Paris ist vollendet.

Zahlen werden genannt, alles Rekorde zur Einleitung einer neuen, besseren Welt von Technologie und Fortschritt: über 10.000 Tonnen schwer, 352 Tausend-Watt-Strahler, 1.665 Stufen, mehr als 18.000 einzelne Metallstücke, 2,5 Mio. Nieten. Eine Schwindel erregende Statistik, die jeden Franzosen mit Stolz erfüllt. Zumindest inzwischen, denn 1889 war die schlanke Metallkonstruktion sehr umstritten.

Ein "durchlöchertes Zäpfchen"

Die Pariser Zeitung "Le Temps" veröffentlicht am 14. Februar 1887 einen Protestbrief von französischen Künstlern, nachdem etliche Pamphlete und kritische Berichte die Öffentlichkeit auf das "Monstrum" aufmerksam gemacht hatten: "Wir, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten, Liebhaber der bisher intakten Schönheit von Paris, protestieren gegen die merkantile Einbildungskraft eines Maschineningenieurs, der die Stadt unwiderruflich hässlich machen wird. Stellen Sie sich einmal diesen lächerlichen Turm vor, der wie der schwarze Schornstein eines Industriewerks mit seiner barbarischen Masse all unsere Denkmäler demütigen wird. 20 Jahre lang werden wir den abscheulichen Schatten dieser Blech-Säule wie ein Tintenfleck auf der ganzen Stadt sehen."

Paul Verlaine spricht von einem Stadtturm-Skelett, Guy de Maupassant vergleicht den Turm mit einer "hohen, mageren Pyramide von Metall-Leitern". Andere sehen in ihm ein "durchlöchertes Zäpfchen". Die Fantasie der entsetzten Poeten kennt keine Grenzen. Trotzdem ignoriert das Volk die Warnungen der Künstler. Zwei Mio. Besucher erklimmen allein 1889 den Eiffelturm während der Weltausstellung.

Schönheit und Eleganz

Der Erfinder des eisernen Turms heißt Gustave Eiffel, geboren 1832 in Dijon, bekannt durch etliche Werke, vor allem Eisenbahnbrücken und Sternwarten in Bordeaux und Nizza, in Ungarn und in Portugal. Seinen Kritikern erwidert er in der Fachsprache eines Technikers, der an die Schönheit und Eleganz von mathematischen Formeln glaubt: "Die Kurven des Denkmals werden dem Ganzen einen Eindruck von Kraft und Schönheit vermitteln. Im Kolossalen steckt eine gewisse Anziehung, ein eigener Charme, der keiner klassischen Kunsttheorie entspricht."

Zwei Jahre, zwei Monate und fünf Tage nach Beginn der Bauarbeiten ist der Eiffelturm vollendet. Als Dank der Nation erhält Gustave Eiffel am Tag der Vollendung und in luftiger Höhe auf der engen Plattform seines Werkes den Orden der Ehrenlegion.

Die große Trikolore wurde entfernt, als mit der Erfindung des Hörfunks eine Antenne an der Spitze des Turms errichtet wurde. Was übrigens die "Grande Dame von Paris" mit einer Höhe von 318 Metern und 70 Zentimetern zum neuen Rekord brachte.


Autor: Gérard Foussier
   
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