Kalenderblatt dw.com
 
8.3.1971: Joe Frazier schlägt Muhammad Ali
Audio
Vier bittere Jahre waren es gewesen, in denen Cassius Clay - oder Muhammad Ali, wie er sich seit seinem Übertritt zum Islam nannte - um seine beste Zeit als Boxer gebracht worden war. Aus religiösen Gründen, aber auch weil er, so wörtlich, nichts gegen den Vietkong habe, hatte Ali 1966 den Militärdienst verweigert und war dafür zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er blieb zwar gegen Kaution frei, verlor aber seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht und seine Boxlizenz.

Kampf des Jahrhunderts

Erst Ende 1970 durfte er wieder in den Ring steigen. Mit zwei Knockouts meldete sich der wohl beste Boxer des 20. Jahrhunderts eindrucksvoll zurück. Dann forderte Ali den Weltmeister, Joe Frazier, am 8. März 1971 im Madison Square Garden in New York. Der "Kampf des Jahrhunderts". Bis zur 15. und letzten Runde kann Ali den Fight offen gestalten, doch dann geht er zu Boden.

Ein gewaltiger Schwinger Joe Fraziers hatte Muhammad Ali von den Beinen geholt. Damit war auch dem 28-Jährigen klar, dass er erstmals in seiner Profikarriere den Ring als Verlierer verlassen würde: "Was mich anbelangte, war ich davon überzeugt, dass ich nach Punkten vorn lag, bis ich in der 15. Runde zu Boden ging, denn ich landete viel mehr Schläge als Frazier. Aber ich will jetzt nicht protestieren. Ich will Joe Frazier den Sieg nicht absprechen. Er ist ein ausgezeichneter Fighter und der härteste Puncher, auf den ich jemals traf."

Noch lange nach dem Kampf warteten draußen Hunderte von Ali-Fans auf ihren Helden. Viele weinten. Muhammad Ali war längst mehr als nur ein Profiboxer, er war ein Mythos. "Ich flattere wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene", so beschrieb der 1,91 Meter große und 95 Kilogramm schwere Modellathlet seinen unnachahmlichen Stil. Er tanzte leichtfüßig durch den Ring: den Ali-Shuffle.

Frazier gegen Ali - Ali gegen Frazier

Auch Weltmeister Joe Frazier war trotz seines einstimmigen Punktsiegs vom Auftritt seines Gegners beeindruckt: "Ich nenne ihn jetzt Muhammad Ali. Ich glaube, er hat es verdient. Er hat über die Jahre hin immer gesagt, er werde jeden verprügeln, der ihn Cassius Clay nennt. Deswegen habe ich ihn bisher Cassius Clay genannt. Aber jetzt gebe ich ihm die Ehre und nenne ihn Muhammad Ali. Glauben Sie mir, er ist der größte Boxer, denn ich habe von meinem linken Haken Mauern zusammenbrechen sehen. Ich will ihm gerne einen Rückkampf geben."

Muhammad Ali sann auf Revanche. Kurz nach der Niederlage gegen Frazier in New York hatte er sich bereits eine neue Taktik zurechtgelegt: "Wenn es zum Rückkampf kommen sollte, werde ich beweglicher sein und mehr tänzeln. Ich habe nämlich gemerkt, dass er auch ermüdet. Wenn ich richtig trainiere, werde ich 15 Runden lang durchtänzeln können. Aber sollte er wirklich auch beim nächsten Mal gewinnen, dann muss ich ihm und der Welt sagen: Du bist der Größte!"

Nein, Muhammad Ali war der Größte. Zweimal noch in seiner Karriere stieg er mit Joe Frazier in den Ring. Im Januar 1974 siegte Ali in New York nach Punkten. Im Oktober 1975 beim "Thriller in Manila" gab Frazier in der 14. Runde auf - zum ersten Mal in seiner Karriere. Die Augen Fraziers waren von den zahlreichen Treffern Alis so geschwollen, dass er kaum noch etwas sehen konnte.


Autor: Stefan Nestler
   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Zum Leben gehört das Gefühl der Endlichkeit. Erst die Begrenztheit gibt einem den Impuls, den Tag zu nutzen.
  > Walter Jens
> RSS Feed
> iTunes RSS Feed
  > Hilfe
Wer verfasste das 1985 veröffentlichte Werk "Wir amüsieren uns zu Tode"?
  Walter Jens
  Theodor Adorno und Max Horkheimer
  Neil Postman
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße