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29.2.1860: Herman Hollerith geboren
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Sieben Jahre hat es gedauert, bis die US-amerikanische Regierung die Daten ausgewertet hat, die bei der großen Volkszählung von 1880 aufgelaufen sind. Und dabei steht die nächste schon wieder vor der Tür. Seit 1790 wird alle zehn Jahre gezählt. Das heißt, 1890 geht es wieder los. Und dabei werden die Bevölkerungszahlen ständig größer, die Zählungen dauern immer länger und werden immer teurer. So kann es nicht weitergehen. Eine Lösung muss her.

Um diese Zeit beendet Herman Hollerith sein Studium an der Columbia-Universität von New York. Der Sohn deutscher Einwanderer hat Bergbau-Wissenschaft studiert. Und er hat ein eigenartiges Faible. Er ist fasziniert von Statistiken. Statistik bedeutet, große Datenmengen zu einem Thema zu erfassen und auszuwerten. Das ist mühsam, wenn man es von Hand macht. Herman Hollerith überlegt, wie eine Maschine aussehen müsste, die so etwas kann.

Bereits im Biedermaier hatte der englische Mathematiker Charles Babbage einen Rechenautomaten erdacht. Er sollte die vier Grundrechenarten beherrschen. Als Speichermedium sollten gelochte Karten dienen. Mangels öffentlichen Interesses blieb Babbages Rechenmaschine Theorie. Ganze 70 Jahre lang.

Basierend auf der Idee von Babbage erfindet Herman Hollerith um 1889 eine Maschine, die mithilfe von Lochkarten zählen kann. Durch die Position der eingestanzten Löcher auf der Karte können außerdem Personenmerkmale wie Alter oder Beruf festgehalten werden. Abgetastet werden die Karten durch Metallstifte. Treffen diese Stifte in eines der Löcher auf der Karte, schließt sich ein Stromkreis. Auf diese Weise werden angeschlossene Zählwerke und Sortiermaschinen in Gang gesetzt.

Herman Hollerith stellt seine "Census-Machine" bei einer Probevolkszählung in St. Louis der Öffentlichkeit vor. Sein System ist so schnell wie kein anderes. Die US-amerikanische Regierung erteilt ihm den Auftrag, mit seiner Erfindung die anstehende Volkszählung von 1890 durchzuführen

Die Rechnung geht im wahrsten Sinne des Wortes auf. Die Kostenersparnis ist riesig und statt sieben dauert es diesmal nur zwei Jahre, um die Volkszählungs-Daten auszuwerten. Nur eines enttäuscht die US-Amerikaner. Die erwartete Bevölkerungszahl beläuft sich auf 75 Millionen Menschen. Holleriths Maschine bringt die Wahrheit an den Tag. Es sind nur 62 Millionen.

Bei der Pariser Weltausstellung von 1889 lernt auch Europa die Erfindung von Herman Hollerith kennen. Nach Norsamerika und Kanada beauftragen ihn jetzt auch Frankreich und Norwegen, ihre Volkszählungen zu übernehmen. Um den Auftragsansturm zu bewältigen, gründet Hollerith eine Firma. Die Tabulating-Machine-Company.

Um auch in der Heimat seiner Vorfahren ein sicheres Standbein zu haben, gründet Herman Hollerith mit deutschen Partnern eine Tochtergesellschaft. Es ist die Deutsche-Hollerith-Maschinen-Gesellschaft, kurz DEHOMAG. Ihre Kunden sind Organe, die wie auch immer geartete Statistiken zu führen haben. Das sind Behörden, Stadt- und Kommunalverwaltungen, Krankenkassen und Großunternehmen.

Holleriths Muttergesellschaft in den USA hat inzwischen mit mehreren gleichartigen Unternehmen fusioniert und einen neuen Namen. Sie heißt seit 1924 International Business Machines, kurz IBM. Die Maschinen sind technisch noch um einiges verbessert worden. Die Karten müssen nicht mehr von Hand umgeschichtet werden. Außerdem werden die Zählergebnisse jetzt ausgedruckt. Vorher mussten sie von Hand von einer Anzeige abgeschrieben werden. Neue Kunden im Bereich Buchhaltung, Kalkulation und Planung können gewonnen werden.

Der entscheidende neue Impuls für Holleriths Unternehmen kommt Anfang der 1940er Jahre durch eine neue Erfindung. Zeitgleich entwickeln in Deutschland Konrad Zuse und in Amerika Howard Aiken einen Rechner, der auf elektronischen Schaltelementen beruht. IBM, wie Holleriths Firma seit 1924 heißt, baut 1944 den ersten digitalen, programmgesteuerten Rechner namens "Mark I". Er hat 16 Meter Frontlänge und 35 Tonnen Gewicht und brauchte über 100 Kilowatt Strom.

Die ersten Großrechner werden für militärische Zwecke während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt. Mit der Programmiersprache FORTRAN legt IBM Ende der 1950er Jahre zum ersten Mal ein Produkt auf, das ausschließlich für die wissenschaftliche Anwendung konzipiert ist. Mitte der 1960er Jahre hat IBM seine Position als führender Rechnerhersteller ausgebaut. In den 1970er Jahren gelingt es, die Leistung der sogenannten "Computer" zunehmend universeller zu gestalten. Neben mathematischen Operationen ist jetzt Textverarbeitung möglich. Der Computer ist nicht mehr nur für Firmen interessant, sondern auch für den Endverbraucher. Die Ära des PC´s, des Personal-Computers beginnt.

1981 setzt IBM erneut einen Maßstab, als sie das Betriebssystem MS-DOS einsetzt. Für die Firma maßgeschneidert von einem gewissen William "Bill" Gates. Zu Anfang des dritten Jahrtausends gibt es keinen Lebensbereich mehr, der nicht direkt oder indirekt von der Arbeit der elektronischen Rechner abhängt. Und ein wenig bitter mutet heute die Begründung an, mit der anno 1896 die deutsche Regierung darauf verzichtete, die neue Hollerith-Zählmaschine einzusetzen:

"Wenn unsere Reichsregierung heutzutage mit allen Kräften darauf denkt und dahin zu wirken sucht, dass man nach Möglichkeit den Opfern der Arbeitslosigkeit hilft, dann scheint es uns auch unserer Pflicht entgegen zu sein, eine mechanische Maschine Menschen vorzuziehen."

Autorin: Catrin Möderler
   
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