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28.1.1900: Deutscher Fußballbund gegründet
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Fußball fasziniert die Menschen in Deutschland wie keine andere Sportart und hat sich seit 1900 zum Volkssport Nummer Eins und zu einem Milliarden-Geschäft entwickelt. Angefangen hat jedoch alles sehr bescheiden, als am 28. Januar 1900 in Leipzig der "Deutsche Fußball Bund" aus der Taufe gehoben wurde.

Egidius Braun, von 1992 bis 2001 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, erinnerte sich: "Wenn ich überlege, dass ein paar Leute zusammengekommen sind, die ein bisschen Geselligkeit suchten, die auch ein bisschen Körperkultur betreiben wollten, die eine Arbeiterbewegung waren. Und dann heute ein DFB mit über sechs Millionen Mitgliedern, dann ist das eine enorme Entwicklung."

Ist der "Deutsche Fußball-Bund" heute sogar der größte Einzelsportverband der Welt, so galt seine Gründung im Jahr 1900 lediglich der Organisation eines neuen Phänomens, so ein Sozialwissenschaftler von der Universität Freiburg: "Die Gründung des DFB war einer der Versuche - nachdem die Sportart immer populärer wurde - ein bisschen System rein zubringen. Es spielten Mannschaften gegeneinander, die kannten sich nicht. Da mussten sie sicher sein, dass alle auch nach denselben Regeln spielen, dass alle dieselben Richtlinien haben, dass die Schiedsrichter so pfeifen, wie sie es kannten. Und es musste einfach organisiert werden. Nun das war eben der DFB, und 1900 mit noch relativ wenigen Mannschaften, aber immerhin fast 100 schon. Und dann gab es auch schon schnell die ersten Meisterschaften."

Fußball überholt Turnen

So wurde bereits 1903 mit dem VfB Leipzig der erste Deutsche Meister gekürt. Bevor Fußball aber wirklich zur Massenbewegung werden konnte, musste sich der von Großbritannien nach Deutschland eingeschleppte Fußball-Bazillus erst einmal gegen das populäre Turnen durchsetzen.

"Es gab als Vorläufer gewissermaßen, als Sportvorläufer die Turner. Es gab schon eine relativ breite Sportbewegung der Turner und damit auch Erfahrung, wie man so etwas organisiert. Es gab Turnfeste. Die Turner waren allerdings sehr zwiespältig. Einerseits waren sie als Sportler Freunde des Fußballs, aber Fußball war auch Konkurrenz."

Inzwischen ist Fußball absolut kommerzialisiert. Fast wehmütig erinnerte sich Egidius Braun an frühere Zeiten: "Für mich ist faszinierend die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die ich noch miterlebt habe, als wir in unserem Verein gesessen haben. Es gab noch keinen Strom. Wir haben noch bei Kerzenlicht unsere Besprechung gemacht, wie die Taktik aussehen sollte. Wir hatten Schuhe, das waren umgebaute US-amerikanische Schuhe der GI's."

Spannend und unberechenbar

Vielleicht ist der DFB auch heute noch eine wertkonservative Einrichtung. Der Journalist und Fußball-Autor Norbert Seitz sah darin gerade für das 21. Jahrhundert etwas Positives: "Mittlerweile hat die Globalisierung doch so eine für viele Kritiker übertriebene Entwicklung genommen, dass man plötzlich diesem einst als doch sehr rückständig beargwöhnten DFB doch wieder etwas Positives abgewinnt, in der Richtung, dass er beispielsweise seine schützende Hand vor die kleinen Vereine hält und eben nicht nur bei der Verteilung von Fernsehrechten darauf achtet, dass die Reichen nicht noch reicher werden."

Auch das wollte Egidius Braun erreichen. Er setzte sich für ein Bündnis der großen mit den kleinen Vereinen ein, kämpfte für die Einheit: "Da wird über eine Abspaltung der Bundesliga diskutiert, aber daran ist gar nicht zu denken. Das Dach wird immer der DFB bleiben. Und die Motivation für alle im DFB muss immer sein, sich um Jugendliche und Kinder zu kümmern."

Daher haben der DFB und der Fußball gute Chancen, auch das 21. Jahrhundert zu überdauern, meinte Fußball-Historiker Franz-Josef Brüggemeier: "Vielleicht ist jetzt doch die Kommerzialisierung oder das Medieninteresse auf einer Stufe, wo es vielleicht nicht mehr lange gut geht. Andererseits sagen wir das seit 20 Jahren. Und ich vermute, dass es weitergehen wird und dass es vermutlich demnächst die unangefochtenen Weltsportart Nr. 1 sein wird."

Vor allem, wenn Fußball - wie seit über 100 Jahren - auch weiterhin so spannend und unberechenbar bleibt.


Autor: Arnulf Boettcher
   
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