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23.1.1962: Premiere des Filmklassikers "Jules et Jim"
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Fragt man Cineasten in Europa nach der wichtigsten Kinoentwicklung der letzten Jahrzehnte, so verweisen viele auf die französische "Nouvelle Vague" Anfang der 1960er-Jahre. Fragt man weiter nach einem Lieblingsregisseur, so hört man meistens den Namen François Truffaut. Und fragt man schließlich nach dem persönlichen Lieblingsfilm von eben diesem Regisseur, so lautet die Antwort nicht selten "Jules und Jim".

Mènage à trois

Truffauts Film erzählt die Freundschaft zwischen dem Deutschen Jules und dem Franzosen Jim in der Zeit vor, während und des Ersten Weltkriegs. Beide verlieben sich in dieselbe Frau, in Cathèrine. Und da sich die beiden Freunde bis dahin alles geteilt haben, wollen sie nun auch mit Cathèrine eine "mènage à trois" beginnen. Doch die Beziehung zwischen den Dreien entwickelt sich derart intensiv, dass ein locker geknüpftes Dreiecksverhältnis kaum möglich ist. Jules heiratet Cathèrine und geht mit ihr nach Deutschland. Nach dem Krieg kehren die beiden zurück und treffen erneut auf Jim. Es kommt zur Tragödie.

Roman und Film

Der Film basiert auf einer Romanvorlage des Schriftstellers Henri-Pierre Rochè. Truffaut, der damals mit Godard, Chabrol, Rivette und anderen das französische und europäische Kino revolutionierte, war vor allem vom literarischen Blickwinkel des wesentlich älteren Schriftstellers fasziniert. Truffaut, 1962 gerade einmal Mitte 20, sagte: "Was mich ursprünglich an 'Jules und Jim' reizte, war die Tatsache, dass es sich um den Roman eines alten Mannes handelte, der sich am Ende seines Lebens befand, und dass die Verfilmung ein junger Mann besorgen würde, der nur wenig Lebenserfahrung besaß, aber das Buch sehr bewunderte."

Trotzdem veränderte Truffaut die Buchvorlage in vielen Details und drückte der Verfilmung seinen eigenen Stempel auf: "Ich glaube beispielsweise, dass der Film sehr viel puritanischer ist als das Buch. Der Film ist ängstlich, das Buch überhaupt nicht. Dem Film fehlen auch die Besonnenheit und Gelassenheit des Buches. Der Film ist ziemlich stürmisch und ausgelassen."

Ausgezeichneter Kultfilm

"Jules und Jim" erlebte am 23. Januar in Paris eine umjubelte Premiere. Die Zuschauer erhoben sich nach dem Abspann und applaudierten 15 Minuten lang. Anschließend wurde der Film auf Festivals ausgezeichnet und begann seinen Siegeszug in den Kinos der Welt.

Inzwischen würde man sagen: "Jules und Jim" entwickelte sich schnell zum Kultfilm. Auch die Musik des Filmkomponisten Georges Delerue wurde als meisterhaft anerkannt, das von Jeanne Moreau im Film gesungene Lied "Le Tourbillon" wurde zum Verkaufsschlager in den Plattenläden.

Truffaut selbst, der "Jules und Jim" immer zu seinen gelungensten Werken zählte, verwies später in einem Interview trotz einiger selbstkritischer Einwände auf die Stärken des Films: "Ich empfinde heute viele der Entscheidungen bei diesem Film als völlig falsch. Was allerdings übrig bleibt und die Sache trotzdem interessant macht, ist neben der Schönheit von Henri-Pierre Rochès Text das Spiel von Darstellern wie Jeanne Moreau und Oskar Werner. Wenn man das Glück hat, mit solchen Menschen zu arbeiten, kann das Resultat auf der Leinwand gar nicht banal sein."

Henri Serre in der Rolle des Jim und der Theatermime Oskar Werner aus Österreich als Jules glänzten in dem Film als Freundespaar. Und Jeanne Moreau machte es mit einem ihrer schönsten Filmauftritte den männlichen Zuschauern leicht, die Emotionen der beiden Protagonisten nachzuvollziehen.


Autor: Jochen Kürten
   
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