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28.12.1895: Geburtsstunde des Kinos
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Es herrschte kein Gedränge vor dem indischen Saal des Grand Café in Paris am 28. Dezember 1895: Gerade einmal drei Dutzend Besucher waren gekommen, um die erste öffentliche Filmvorführung mitzuerleben. Der Eintritt kostete ein Franc, geboten wurden zehn kurze Filme von jeweils drei bis vier Minuten Länge. Veranstalter der Vorführung waren die Brüder August und Louis Lumière, Söhne des bekannten Fotografen Antoine Lumière aus Lyon.

Die beiden gelten heute als Erfinder des Kinos. Schon vorher hatte es öffentliche Filmvorführungen gegeben, so hatten beispielsweise die deutschen Brüder Skladanowsky im November 1895 im Berliner Varieté Wintergarten ein Filmprogramm gezeigt.

Neben den französischen Brüdern gilt auch Georges Mélies als entscheidender Wegbereiter des Kinos. Während die Brüder vor allem das, was man heute als Dokumentarfilme bezeichnet, drehten, war es Mélies, der die Phantasie ins Filmgeschäft brachte. Kein Wunder, verdiente er sich sein Geld doch zuvor als Zauberer.

Mélies war auch bei jener legendären Vorstellung Ende Dezember in Grand Café anwesend. Jahre später berichtete er über seine Begegnung mit Antoine Lumière: "'Monsieur Mélies, Sie haben doch die Gewohnheit, Ihr Publikum in Staunen zu versetzen. Ich würde Sie gern heute Abend im Grand Cafe sehen.' - 'Warum?' fragte ich ihn. 'Sie werden dort etwas sehen, was Sie erstaunen wird.' Zunächst projizierte er mit seinem Apparat unbewegliche Bilder, wie auch wir das bei unseren Vorführungen gewöhnlich taten. Ich sagte: 'Das machen wir schon seit 20 Jahren!' Er hat das Bild extra einige Zeit stehen lassen. Plötzlich sah ich dann, dass sich die Leute auf der Leinwand auf uns zu bewegten. Wir waren allesamt total verblüfft!"

30 Jahre später folgte mit der Einführung des Tonfilms der nächste Quantensprung der Kinogeschichte. Es war die Stimme des US-amerikanischen Sängers Al Jolson, die im ersten Tonfilm zu hören war.

Heute hat das Kino eine rasante Entwicklung hinter sich und in seiner öffentlichen Wirkung das Theater, die bildende Kunst und die Literatur überholt. Einzig die Heroen der populären Musik können in Sachen Massensuggestion und Popularität noch mithalten.

Was hält das Kino nun in seinem Innersten zusammen, was macht den Reiz der siebenten Kunst aus? Eine der schönsten Definitionen des Films lieferte 1965 der amerikanische Regisseur Sam Fuller in Jean-Luc Godards "11 Uhr Nachts" ab.

Heute erinnert das Kino manchmal an einen riesigen, protzigen Ozeandampfer, prächtig anzuschauen, voller Luxus, aber auch irgendwie unbeweglich und auf Kollisionskurs.

Allerdings besteht Hoffnung. In jüngster Zeit besinnen sich wieder viele Filmemacher auf die Anfänge des Kinos. Ihr Ziel: mit einfachsten Mitteln die Zuschauer in Erstaunen versetzen - ganz so, wie das schon die Brüder Lumière taten - kein schlechter Ansatz!

Autor: Jochen Kürten
   
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