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24.8.1963: Gründung der Fußball-Bundesliga
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Am 24. August 1963 begann zaghaft und etwas verkrampft ein Stück deutsche Radiogeschichte. Seitdem erzielen die Sendeanstalten an Samstagen - und Sonntagen - ganz ungewöhnliche Einschaltquoten. Dann nämlich spielt die Fußball-Bundesliga, was sie an jenem 24. August erstmals tat.

Und was sich im Radio so anhörte: "Hier sind der Westdeutsche Rundfunk und der Norddeutsche Rundfunk. Aus Köln hören Sie unsere Sendung 'Sport und Musik'. Zum ersten Mal treffen wir uns zu dieser Stunde und auf dieser Welle, um Ihnen vom deutschen Meisterschaftsfußball zu berichten. Heute beginnen die Spiele der Bundesliga, und wir sind mit unseren Mikrophonen in Gelsenkirchen beim Spiel Schalke gegen den VfB Stuttgart, in Bremen beim Spiel Bremen gegen Dortmund."

Bern macht den Anfang

Begonnen hatte die Geschichte aber genau genommen neun Jahre zuvor. Bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz traf die deutsche Mannschaft als krasser Außenseiter im Endspiel auf die Ungarn. Fernseher gab es kaum, aber Radios, und so gab es von der sportlichen Sensation schlechthin zwar nur wenige Bilder, aber eine weltberühmte Reportage von Herbert Zimmermann: "Sechs Minuten noch im Wankdorf-Stadion in Bern. Keiner wankt. Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder. Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball, hat den Ball verloren diesmal gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt, Kopfball - abgewehrt - aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen - Rahn schießt: Tor!"

Deutschland war Weltmeister, und wochenlang lag die Bevölkerung den heimkehrenden Helden zu Füßen. Ein Fußballsieg brachte den Deutschen neun Jahre nach dem Ende der Hilter-Barbarei ein Stück Selbstbewusstsein zurück.

Den Ball in den Kasten

Und der damalige Bundestrainer Sepp Herberger war einer der ersten, der erkannte, welch ungeheures auch ökonomischen Potenzial der Fußball im Wirtschaftswunderland Deutschland entfalten könnte. Könnte, denn der Triumph in Bern verstellte den Blick darauf, dass der Fußball in Deutschland hinterherhinkte. In Großbritannien gab es bereits mehrere Profi-Spielklassen mit stets vollem Stadion, während zwischen München und Hamburg fünf Amateur-Oberligen ihre Meister ermittelten, um dann in einer Endausscheidung den deutschen Meister zu küren.

Die Spieler trainierten in ihrer kargen Freizeit, die Bedingungen für einen lukrativen Profibetrieb fehlten. Herberger, seit dem Titelgewinn die unumstößliche Autorität, sprach sie für eine bundesweite Spielklasse aus. Sein Argument: eine bundesweite Runde auf höchstem Niveau sei nötig, um international den Anschluss nicht zu verpassen.

Ein paar Jahre noch stritten die Funktionäre des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) und die Vereine um die Anzahl der Clubs in der Liga und um das Statut, dann aber starteten 16 Vereine im August 1963 den Betrieb, und es dauerte nicht lange, da lag der Ball schon im Kasten, wie Radiomoderator Kurt Brumme verkündete: "Das erste Tor der Bundesliga ist gefallen, meine Damen und Herren. Es wurde in der ersten Minute von Konietzka, dem Dortmunder Halbstürmer, erzielt beim Spiel Dortmund gegen Werder Bremen in Bremen. Die Partie steht dort also 1:0 für den Deutschen Meister."

Aufstieg, Abstieg, Aufstieg

Am Ende der ersten Saison aber war nicht die Borussia aus Dortmund erster Bundesliga-Meister, sondern der erste FC Köln. Ein paar Jahre später stiegen Bayern München und Borussia Mönchengladbach in Liga Eins auf und prägten durch zusammen fast 20 Meistertitel das Bundesliga-Geschehen bis weit in die 1980er-Jahre.

Die Liga erzielte Rekordumsätze. Durch Aufstiege kamen immer wieder frische neue Teams in die Eliteklasse, andere, ehemals ruhmreiche Klubs verschwanden, auch solche, die 1963 der Belle-Etage noch angehörten: "Der Bundesliga-Auftakt in Münster mit der Begegnung zwischen den einheimischen Preußen und dem Deutschen Pokalmeister Hamburger Sport-Verein ist erwartungsgemäß zu einem Fußballfest für das ganze Münsterland geworden. 40.000 sind gekommen und hätten jetzt fast das 1:0 für Preußen Münster miterlebt, als Rommel eine Granate aus acht Metern Entfernung abfeuerte, aber der Ball sprang gegen die Unterkante der Latte, und Schnoor hatte Glück. Ihm blieb keine Chance mehr, aber das Leder sprang ins Feld zurück."



Autor: Jens Thurau
   
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