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2.8.1945: Das Potsdamer Abkommen
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Juli 1945. Zwei Monate zuvor hatte das nationalsozialistische Deutschland bedingungslos kapituliert. Die Wehrmacht war zerschlagen, US-amerikanische, sowjetische und britische Truppen hielten das Land besetzt. Millionen Menschen waren heimatlos, Flüchtlingsströme zogen von Ost nach West.

"I have just returned from Berlin, the city from which the Germans intended to rule the world. It is a ghost city. The buildings are in ruins, its economy and its people are in ruins," so sollte der US-amerikanische Präsident Harry S. Truman nach der Potsdamer Konferenz seine Rundfunkansprache an das US-amerikanische Volk beginnen.
Berlin sei eine Geisterstadt, Gebäude, Wirtschaft und Menschen zerstört. Dennoch schlug der britische Premier Winston Churchill vor "in dem was von Berlin übrig geblieben" sei, bei einem Alliierten-Gipfeltreffen über die gemeinsame Nachkriegsordnung zu beraten.

Potsdamer Hochsicherheitstrakt

Das angrenzende Potsdam bot schließlich genügend Raum für die Delegationen, allein die Sowjets belegten 62 Gebäude. Die früheren deutschen Bewohner mussten ihre Häuser räumen, andere durften bleiben, aber standen praktisch unter Hausarrest, wie sich ein Zeitzeuge erinnerte: "Wir wohnten damals 1945 hier in dieser Straße und haben miterlebt, wie plötzlich die Absperrung hier begann. Es wurde eine Holzwand gebaut, eine hohe, man konnte nicht hindurch sehen. Außerdem durften wir plötzlich nicht mehr auf die Straße, sondern wurden gezwungen, nach hinten durch die anderen Gärten hinaus zu gehen, wenn wir das Haus verlassen wollten."

Mit Konferenzbeginn am 17. Juli 1945 glich das Viertel zwischen dem damaligen S-Bahnhof Ufa-Stadt und dem Tagungsort im Schloss Cecilienhof einem Hochsicherheitstrakt. Wie in Berlin gab es einen sowjetischen, einen US-amerikanischen und einen britischen Sektor, mit Kontrollstellen und Schlagbäumen. Seit den einvernehmlichen Kriegskonferenzen in Teheran und Jalta hatte sich zwischen den Alliierten Misstrauen breit gemacht.

Der US-amerikanische Journalist Malvin Lesky erinnerte sich später: "Die Russen waren sehr gefährlich. Die waren sehr diskret und sehr höflich, aber trotzdem glaube ich, und ich habe Belege, dass sie Wanzen in den britischen und US-amerikanischen Wohnungen gehabt haben."

Die Konferenz

Die Potsdamer Konferenz stand nicht nur für den Anfang der sowjetisch-US-amerikanischen Bipolarität, sie markierte auch den Beginn des Atomzeitalters. Am 23. Juli unterrichtete Truman die sowjetische Delegation über den erfolgreichen Test der ersten Atombombe in der Wüste von New Mexico. Stalin reagierte äußerlich zwar ungerührt mit der Bemerkung, er hoffe, dass die US-Amerikaner im Krieg gegen Japan von der neuen Waffe guten Gebrauch machen würden, gab aber zugleich Anweisung, die eigene Atomwaffenentwicklung zu beschleunigen.

"Meiner Ansicht nach machte Stalin den stärksten Eindruck. Er trug eine sehr sonderbare Uniform, wie der Kaiser von Österreich in einer schlechten Operette: eine beigefarbene Jacke mit goldverbrämtem Kragen, blaue Hosen mit roten Lampassen und einen Juwelen geschmückten Orden. Sein Gesichtsausdruck war im Allgemeinen gleichgültig, gütig und würdevoll. Wenn er uns aber irgendeine Idee zu verkaufen suchte, verfiel er plötzlich in die Gebärdensprache eines armenischen Teppichverkäufers." So beschrieb der spätere britische Botschafter in Moskau, Sir William Hayter, das Auftreten des Sowjetführers.

Truman hingegen erlebte Hayter als lebhaft, präzise, sehr entschieden und äußerst selbstbewusst: "Churchill und Eden waren vielleicht nicht ganz in Form, sie waren müde. Jahrelang hatten sie im Kriegskabinett gearbeitet, und nun ließen sie die Zeichen der Erschöpfung erkennen."

Der Beginn der Kalten Krieges

Wegen der Wahlniederlage der Konservativen in Großbritannien mussten Churchill und sein Außenminister im Verlauf der Konferenz dem außenpolitisch noch unerfahrenen neuen Premier Clement Attlee weichen, ein Umstand der die Verhandlungen noch deutlicher auf Truman und Stalin verlagerte. Beschlossen wurde schließlich die völlige Demilitarisierung Deutschlands. Die Reparationen sollten aus den jeweiligen Besatzungszonen gedeckt werden, ihre Höhe wurde aber nicht fixiert.

"We are going to do what we can to make Germany over into a decent nation. So that it may eventually work its way from the economic chaos it has brought upon itself back into a place in the civilized world," versprach Truman.

Am 2. August 1945, kurz nach Mitternacht, unterzeichneten die drei Staatsmänner unter der Ortsangabe Berlin ein Protokoll, das einen Komplex von Vereinbarungen und Kompromissen enthielt, die den äußeren Anschein erweckten, die Mächte, die gemeinsam den Krieg gewonnen hatten, würden auch den Frieden als Partner aufbauen. Doch dazu sollte es nie kommen. Weder der vereinbarte Außenministerrat noch die alliierte Kontrollkommission noch die für Berlin gedachte Kommandantur waren von Dauer. Stattdessen markierte die Potsdamer Konferenz den Beginn des Kalten Krieges.


Autorin: Sabine Kinkartz
   
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