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26.12.2004: Katastrophe im Indischen Ozean
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Das Beben beginnt um 1.58 Uhr mitteleuropäischer Zeit und dauert rund sieben Minuten. Auf einer Strecke von über 1000 Kilometern sackt die Indische Platte rund 20 Meter tief weg. Die über ihr liegende Birma-Platte wird gleichzeitig um fünf Meter angehoben. Das Heben und Senken der Kontinentalplatten löst insgesamt vier Flutwellen im Meer aus.

Zuerst wird die Küste der indonesischen Insel Sumatra getroffen. Über 230.000 Menschen sterben in den nächsten Stunden, 1,6 Mio. Menschen werden obdachlos. Insgesamt sind 15 Staaten betroffen. Selbst das 5000 Kilometer entfernte Kenia wird von einem Tsunami heimgesucht.

Vor allem in Thailand sind unter den Opfern zahlreiche Touristen, die ihren Weihnachtsurlaub unter der Sonne verbringen wollten. Die Überlebenden sorgen mit auf Video- oder Handy-Kameras gemachten Bildern, für eine bis dahin nie gekannte Dokumentation der Tragödie.

Hilfe

Die weltweite Anteilnahme ist groß. In den folgenden Tagen fliegen die ersten Sanitäter, Ärzte und andere Helfer in die Katastrophengebiete. Frederik Barkenhammar, Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes, erreicht Anfang Januar Indonesien: "Wir sind mit einem Hubschrauber von der Stadt Banda Aceh nach unten geflogen, nach Süden an der Westküste entlang. Man sah wirklich die unglaubliche Kraft dieser Welle. Die Landschaft ist ganz flach und 500 Meter, wenn nicht mehr, waren komplett zerstört. Bäume waren abgerissen, alles Mögliche. Diese unglaubliche Kraft der Natur hat mich am meisten beeindruckt."

Barkenhammar und sein Team bauen eine Gesundheitsstation auf und installieren eine Trinkwasseraufbereitungsanlage. Dabei sind sie nicht allein. Allein aus Deutschland kommen fast 1400 Hilfsangebote für die betroffenen Staaten. An Geldmangel leiden die großen Hilfsorganisationen und auch die extra für die Tsunami-Opfer gegründeten Hilfsprojekte nicht. Rund 670 Mio. Euro spenden die Deutschen in den kommenden Tagen und Monaten, dazu kommen Hilfen der Regierung. In den Katastrophengebieten gibt es bald ein Überangebot an Helfern.

Da bleibt Chaos nicht aus. Nicht jede Spende ist wirklich sinnvoll. Barkenhammer erinnert sich: "Der Flughafen war ganz voll mit Dingen, Paletten voller Wasserflaschen, wie diese eineinhalb Liter Flaschen aus dem Aldi. Ich habe mich gewundert, hier fliegt man mit Militärflugzeugen Wasserflaschen ein. Was für eine unglaubliche Schwierigkeit, das zu verteilen. Ich meine, eine Wasserflasche eineinhalb Liter – so ein Sechserpack reicht für eine Familie gerade mal einen Tag."

Tsunami-Frühwarnsystem

Er bleibt jedoch nicht nur bei ersten Hilfs- und Rettungsmaßnahmen. Die internationale Gemeinschaft beteiligt sich auch aktiv am Wiederaufbau der zerstörten Regionen. Mit deutscher Hilfe entsteht zudem ein Tsunami-Frühwarnsystem. Messgeräte am Meeresboden und an der Küste sollen Beben und Wellen rechtzeitig melden, um Menschen in Sicherheit zu bringen. Alle Daten werden in einem Informationszentrum in Jakarta gesammelt. Innerhalb von Minuten errechnet der Computer mögliche Folgen. Jörn Lauterjung vom Geo-Forschungs-Institut in Potsdam erklärte: "Diese Karte wird noch mit zusätzlichen Informationen untersetzt. Risikoinformationen, die man vorher gewinnen kann: Gibt es gefährdete Infrastrukturen, wie sieht die Küstenbebauung aus. Solche Sachen fließen da mit rein. Das Ganze wird dann nach fünf bis zehn Minuten auf verschiedenen Bildschirmen einem Wachhabenden dargestellt, so dass er dann auf dieser Basis entscheiden kann, gibt er einen Alarm oder gibt er keinen Alarm."

Derzeit wird das System noch getestet. Ende 2010 sollen die Indonesier das Projekt endgültig übernehmen. Bis dahin muss auch noch die weitere Finanzierung geklärt werden. In den einstigen Katastrophengebieten hat sich vielerorts wieder so etwas wie Normalität eingestellt. Das Rote Kreuz hat seine Wiederaufbauarbeit bereits 2008 abgeschlossen.

Ein neuer Anfang

Frederik Barkenhammer war bei einem erneuten Besuch überrascht wie positiv sich die Region Aceh entwickelt hat: "Ich war beeindruckt, dass es dort tatsächlich wie neu aussah. Oder besser gesagt, wie normal. Ich dachte, ich würde diesen Ort Tonom wieder erkennen, ich kenne mich dort aus. Aber es war überhaupt nicht so. Es war neu, man konnte deutlich die neuen Häuser erkennen. Die sind ziemlich vernünftig aufgebaut. Früher waren es sehr einfache Holzhäuser, jetzt ist es Stein und Beton, ordentlich gemacht und erdbebensicher. Ja, wie unglaublich anders es aussah. Ich hatte es einfach als ein Katastrophengebiet in Erinnerung und jetzt war es eine richtige Stadt."




Autorin: Sandra Ketterer
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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