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25.12.1952: Regelmäßiges Fernseh-Programm
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Im Durchschnitt schaut der deutsche Bundesbürger 3,5 Stunden am Tag fern. Das Fernsehprogramm liefert Informationen, dient zur Unterhaltung und Entspannung. Der liebste Freizeitbegleiter und -gestalter der Deutschen ist noch recht jung. Am 25. Dezember 1952 startet das regelmäßige Fernsehprogramm in der Bundesrepublik Deutschland.

Die ersten vorsichtigen Gehversuche unternimmt das Medium Fernsehen in Deutschland bereits zwischen 1935 bis 1944. In öffentlichen Fernsehstuben kann zunächst in Berlin und später Hamburg täglich ein paar Stunden Programm gesehen werden.

Im Zweiten Weltkrieg dient das Fernsehen der Zerstreuung verletzter Soldaten in den Lazaretten. Und vor allem: Das neue Medium soll den Durchhaltewillen des Publikums stärken. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmen die Besatzungsmächte die noch vorhandene Technik. Sie verbieten den Deutschen, sich im Bereich des Fernsehens zu betätigen.

Weichen gestellt

Hans-Ulrich Wagner, Leiter der Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland der Universität Hamburg sagte dazu: "Die Alliierten, speziell die West-Alliierten, hatten versucht, das Instrument Rundfunk so zu nutzen, dass es ihren Zielen, ihren Besatzungszielen, ihren Deutschlandzielen entsprach. Und das bedeutete einen möglichst staatlich unabhängigen Rundfunk zu installieren, also der nicht wie im Dritten Reich funktioniert und der möglichst von parteipolitischen Einflüssen freigehalten wird."

Es werden neue Rundfunkanstalten gegründet, die wirtschaftlich und politisch unabhängig als öffentlich-rechtliche Anstalten arbeiten sollen. In der britischen Besatzungszone wird nach dem Vorbild der BBC eine Rundfunkanstalt gegründet – der Nordwestdeutsche Rundfunk, NWDR. In den Jahren 1948 und 1949 übergeben die Besatzungsmächte die Organisation der Rundfunkverwaltung den Deutschen. Am 9. Juni 1950 gründen die Intendanten der sechs westdeutschen Rundfunkanstalten die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die ARD.

Damit sind die Weichen für einen Neubeginn des deutschen Fernsehens gestellt, wie Hans-Ulrich Wagner erläutert: "Der Nordwestdeutsche Rundfunk speziell hier in Hamburg hatte eine immense Bedeutung für das Fernsehen der Nachkriegszeit, denn in Hamburg trafen sich sehr viele Leute, die fernseherfahren waren. Das heißt, das waren die Leute, die im Dritten Reich in Berlin erste Fernseherfahrungen gesammelt haben. Es gab in den anderen Bundesländern auch Fernsehversuche, aber die entscheidenden Schritte wurden in Hamburg gemacht. "

Großgruppen-Erfahrung

Ab dem 27. November 1950 strahlt der Nordwestdeutsche Rundfunk an drei Tagen pro Woche zunächst ein Versuchsprogramm aus. Rüdiger Steinmetz, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Leipzig dazu: "Es gab also Nachrichtensendungen. Und es gab eben andere Programmelemente, wie auch Versuche, Sportveranstaltungen zu übertragen und anderes. Also dieses war einfach eine Versuchsphase, wo man Genres entwickelte, die für das künftige neue Medium Fernsehen tragend und prägend sein sollten."

Am 25. Dezember 1952 ist es schließlich soweit. Um 20.00 Uhr eröffnet der erste Intendant des Nordwestdeutschen Rundfunks, Dr. Werner Pleister, das Programm. Es folgen 118 Fernsehminuten. Die junge Ansagerin Irene Koss führt die Zuschauer an den rund 5000 bis dahin in Deutschland verkauften Fernsehgeräten durch den Abend. Um 21.58 Uhr verspricht sie den Zuschauern ein Wiedersehen am nächsten Tag.

Großereignisse wie die Krönung von Elizabeth II. 1953 oder die Fußball-WM 1954 begeistern viele für das noch junge Medium. Der Couch-Potato ist in diesen Anfangsjahren allerdings noch ein Randphänomen, so Rüdiger Steinmetz: "In der frühen Nachkriegszeit gab es nicht so viel Geld, als dass man sich ein Fernsehgerät in jeden Haushalt stellen konnte. Deswegen war das Fernsehen in den ersten Jahren von 1952 bis etwa 1960 eher eine Großgruppen-Erfahrung - eine Art Public-Screening, wie wir das heute vielleicht bezeichnen würden. Die Menschen gingen in Gaststätten, in Kneipen oder zu Nachbarn und waren in größeren Gruppen einfach zusammen, um bestimmte Sachen zu sehen. "



Autorin: Oona Klump
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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