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31.10.2000: Borussia Dortmund geht an die Börse
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Gute Kicker werden für Millionenbeträge gekauft und verkauft. Vereine müssen investieren. Der "Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund" will mithalten. Deshalb wagen die Dortmunder am 31. Oktober 2000 als bisher einziger deutscher Fußballverein den Gang an die Börse.

Beim Börsengang wird die Aktie zum Kurs von elf Euro ausgegeben. Das spült 130 Mio. Euro in die Kasse. Der Geschäftsführer Thomas Treß meint dazu: "Der Börsengang von Borussia Dortmund im Jahr 2000 liegt ja deutlich vor der Geschäftsführung von Herrn Watzke und mir. Wir gehen davon aus, dass es zum damaligen Zeitpunkt natürlich attraktiv war, die 130 Mio. vom Kapitalmarkt zu holen, um eben auch zum sportlichen Erfolg zu kommen."

Als geniale Idee bezeichnet Thomas Dörflinger, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, den Schritt der Dortmunder. Empfehlen kann Dörflinger die Aktie jedoch nicht, wie er der Zeitschrift "Focus Money" damals sagt: "Der Verein wird auf jeden Fall reicher, Anleger wohl kaum."

Auf Schlingerkurs

Die Geschäfte der Dortmunder geraten bereits beim Börsengang auf einen Schlingerkurs. Gleich im ersten Jahr schreibt die Fußball-AG rote Zahlen. Selbst der Gewinn der Meisterschaft 2002 beschert den Borussen nur kurzfristig schwarze Zahlen. Danach geht es rasant in den Keller. Sportliche Erfolge bleiben aus. Der Verein übernimmt sich zudem mit dem Ausbau des vereinseigenen Westfalenstadions, dem Signal Iduna Parks. Liquiditätsprobleme zwingen ihn, das Stadion an eine Tochter der Commerzbank zu verkaufen und es für 15 Mio. Euro jährlich zu mieten. Ende 2004 steht der Verein am Rande des Ruins.

Im Februar 2005 legt Geschäftsführer Gerd Niebaum sein Amt nieder. Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß übernehmen die Leitung. Sie kaufen noch im selben Jahr das Stadion zurück. Der Kauf wird diesmal langfristig geplant und solide finanziert. Die einstige Schuldenlast von 120 Mio. Euro aus dem Jahr 2004 können die Dortmunder auf rund 20 Mio. Euro im Jahr 2009 reduzieren. Thomas Treß bilanziert nach vier Jahren Amtszeit: "Wir haben die Kapitalstruktur und die Verbindlichkeitsstruktur deutlich verändert - und wesentlich geändert hat sich auch die strategische Ausrichtung von Borussia Dortmund im Hinblick auf die Art und Weise, wie wir Fußball spielen."

Lösung: Sportliche Erfolge

Doch die sportliche Qualifikation für das internationale Fußball-Geschehen fehlt den Borussen weiterhin. Die Aktie dotiert noch immer weit unter dem Ausgabekurs. Selbst eingefleischte Fans der Dortmunder sind enttäuscht - wie Michael Hundt, ein Borussen-Fan und Anleger der ersten Stunde: "Der Kauf einer Dauerkarte ist für mich nach wie vor Ehrensache. Aber als Aktionär, der bisher nur Geld verloren hat, habe ich eher Tränen in den Augen."

Um Fehler im Management auszubügeln und wieder zu Geld und damit zum Anstieg des Aktienkurses zu kommen, sehen Börsenexperten nur eine Lösung: sportliche Erfolge. Das sieht auch Thomas Treß so: "Wir gehen davon aus, dass Borussia Dortmund beim Einzug in internationale Wettbewerbe einen deutlich steigenden Aktienkurs sehen wird."

Wie viel eine Borussia-Aktie Wert ist, entscheidet sich also immer erst am letzten Spieltag einer Bundesliga-Saison, wenn die Plätze für das internationale Geschäft vergeben werden.


Autor: Peter Lorenz
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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