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6.10.1981: Das Attentat auf Anwar al-Sadat
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Als erster arabischer Staatschef erkennt Muhammad Anwar al-Sadat 1977 das Existenzrecht Israels an. Er wird damit zu einer herausragenden Figur im Nahostfriedensprozess. Gegen viele Widerstände im eigenen Lager treibt der einstige Kriegsgegner Israels die Aussöhnung mit dem Nachbarland voran. Seine Friedensbemühungen werden Sadat schließlich zum Verhängnis: Der ägyptische Staatschef fällt einem Attentat zum Opfer.

Das Attentat

Am 6. Oktober 1981 wird in Ägypten ein nationaler Feiertag mit einer Parade abgehalten – zum Gedenken an den erfolgreichen Vorstoß ägyptischer Truppen acht Jahre zuvor im Jom-Kippur-Krieg. Wie jedes Jahr ist die Tribüne voll besetzt, der ägyptische Staatschef nimmt die Militärparade ab. Plötzlich bleibt ein Lastwagen vor der Tribüne stehen, Soldaten springen ab und eröffnen vor laufender Kamera das Feuer.

Präsident Sadat wird durch einen Querschläger getroffen und stirbt wenig später im Krankenhaus. Die Attentäter gehören einer Gruppe an, die sich selbst "Islamischer Dschihad", "Heiliger Krieg" nennt. Guido Steinberg, Islamwissenschaftler der Stiftung Wissenschaft und Politik erläuterte dazu: "Es ging den Tätern damals ganz konkret um einen Umsturz in Ägypten. Sie wollten das Regime Sadat stürzen, die Macht übernehmen und einen islamischen Staat gründen."

Hintergründe

Die ägyptische Armee ist zuvor von islamischen Extremisten unterwandert worden. Kalid Islambuli, Oberstleutnant der Artillerie und Attentäter zugleich, hat einen perfiden Plan ausgearbeitet. Helmut R. Schulze hat als Fotojournalist Sadat auf zahlreichen Reisen begleitet und ist Autor des Buches „Sadat der Ägypter“, er sagte über den Plan: "Er hatte Ausweise gefälscht und zu den Soldaten gesagt, ich brauch euch nicht zu der Parade, wir haben einen LKW zu wenig. Er hat sie nach Hause geschickt, ihr habt einen Tag Urlaub und er hat diese drei anderen Attentäter hinein geschleust. Weil er auch der Sicherheitsoffizier war, war das überhaupt kein Problem."

Mit ihrer Tat zielen die islamistischen Extremisten auf Sadats Aussöhnungspolitik mit Israel. 1979 unterzeichnen Sadat und der israelische Ministerpräsident Menachem Begin einen Friedensvertrag in Camp David. Doch während der Westen die Friedensmission von Sadat begrüßt, betrachtet man ihn in der arabischen Welt als Verräter. Die Ursachen dafür erklärt Guido Steinberg wie folgt: "Es gab dann zwei Anlässe für das Attentat am 6. Oktober 1981. Das waren einmal vorangegangene Verhaftungen von Islamisten in den Monaten vorher. Der zweite Anlass war dann der Friedensschluss mit Israel 1979, der auch vorher schwankende Islamisten überzeugte, dass das Regime Sadat ein Bündnis mit Ungläubigen eingegangen sei, dass man also auch legitimerweise bekämpfen dürfe."

Das Begräbnis

Während der Westen über den Tod von Sadat schockiert ist, feiert die arabische Welt das Attentat auf den ägyptischen Staatsmann. Helmut R. Schulze, der die Beerdigung von Sadat miterlebt hat, sagte später: "Die meisten arabischen Staaten, ausgenommen Oman und die Golfstaaten, reagierten mit Schadenfreude. In Libyen hat man den Tod eines Verräters gefeiert, auch in Syrien war man darüber begeistert, dass er beseitigt wurde, auch die Massen im Iran waren dafür, dass der Verräter die gerechte Strafe bekommen hatte."

Der Ort des Attentats wird die letzte Ruhestätte des ägyptischen Präsidenten. 80 Staatsmänner aus aller Welt reisen zu der feierlichen Beerdigung, unter ihnen auch der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Die meisten arabischen Staaten bleiben dem Begräbnis fern.

Die Nachwirkungen

Sadats Nachfolger wird sein Stellvertreter Muhammad Mubarak, der die pro-israelische Politik seines Vorgängers fortführt. 1982 werden die vier Attentäter und der Anführer der Gruppe hingerichtet. Das Problem des islamischen Terrorismus kann Ägypten damit jedoch nicht lösen, dazu Guido Steinberg: "Allerdings haben sich dann zwei unterschiedliche Organisationen herausgebildet aus den Wurzeln der Attentäter von 1981. Die Reste all dieser Dschihadisten der letzten 28 Jahre, die findet man heute noch innerhalb der Al Qaida, wo sie immer noch eine wichtige Rolle spielen. Insofern haben wir es heute bei Al Qaida immer noch mit den Nachwirkungen dieses Attentats zu tun."



Autorin: Hanna Ender
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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