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18.9.1961: Tod von Dag Hammarskjöld
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Die Unglücksursache bietet bis heute Anlass für Spekulationen. Noch immer glauben viele nicht an einen Unfall, sondern vermuten, dass Hammarskjöld Opfer politischer Machtinteressen wurde.

Der Schwede Dag Hammarskjöld wird 1953 als Nachfolger von Trygve Lies zum zweiten UN-Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt. Die Großmächte USA und Sowjetunion unterstützen ihn, weil er als technokratischer Beamter gilt, der wenig politische Aktivität entfalten würde. Diese Annahme bestätigt sich jedoch nicht.

Prof. Dr. Manuel Fröhlich, Biograf von Dag Hammarskjöld und Juniorprofessor für Politikwissenschaft an der Uni Jena über den UN-Generalsekretär: "Für Dag Hammarskjöld kann man sagen, dass er relativ früh in seiner Amtszeit mit einer diplomatischen Großaufgabe betraut wurde - zur Freilassung US-amerikanischer Piloten in China - eine Mission die von vielen Seiten als unmögliche Mission beschrieben wurde. Hier hat er sich bewährt und seit der Zeit ist er als diplomatischer Unterhändler sehr anerkannt gewesen."

Ziele

Während der Suezkrise 1956 schickt die UNO zum ersten Mal eine internationale Schutztruppe, sogenannte "Blauhelmsoldaten", in ein Krisengebiet. Die UNO spielt damit erstmals eine aktive Rolle bei der Befriedung eines Krisengebietes. Die Stärkung der UNO ist Hammarkjölds Verdienst. Arne Molfenter, Sprecher des deutschen UN-Büros in Bonn beschrieb Hammarskjöld: "Sein ganzes Leben war Hammarskjöld von einer immensen Arbeitswut besessen, die sich auch auf seine Mitarbeiter übertrug. Es war wirklich sein Ziel, die Vereinten Nationen zu einer schlagkräftigen internationalen Organisation zu machen."

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet Hammarskjörd jeden Tag 16 Stunden. Je erfolgreicher er ist, desto mehr geraten er und die UNO jedoch in Konflikt mit den beiden Weltmächten. Im Kalten Krieg misstrauen die USA und die Sowjetunion dem neuen Akteur in der Weltpolitik, der für sie schwer kontrollierbar ist. 1961 wird das am Fall des Bürgerkriegs im Kongo überdeutlich.

Krise im Kongo

Nach der Unabhängigkeit des Kongo von Belgien, plant der erste Ministerpräsident des Landes, Patrice Lumumba, einen sozialistischen Staat aufzubauen. Der Westen reagiert mit destabilisierenden Maßnahmen. Lumumba bittet Hammarskjöld und die UNO um Unterstützung. Dazu sagte Prof. Dr. Manuel Fröhlich: "Hier ist er an seine Grenzen gestoßen aber auch die Vereinten Nationen, die Organisation, die er repräsentieren sollte, ist zwischen die Räder der Ost-West-Auseinandersetzung gekommen, die im Kongo auf einer neuen Stufe der Auseinandersetzung sich gegenüberstanden."

Zur Beilegung der Krise fliegt Hammarskjöld am 12. September 1961 in den Kongo. Arne Molfenter erläuterte den Hintergrund: "Fünf Tage zogen sich die Verhandlungen dort hin, die Krise hatte sich zugespitzt. Die Provinz Katanga im Kongo widersetzte sich der Forderung der UNO. Hammarskjöld vereinbarte deshalb ein Treffen mit dem Anführer der Provinz Katanga auf neutralem Boden."

Der Absturz

Am 17.September 1961 startet die von der UN gecharterte Maschine zu ihrem Flug nach Rhodesien. Gegen 20.35 Uhr sendet die Maschine ihren letzten Funkspruch. Sechs Stunden später wird die Maschine als vermisst gemeldet, dazu Arne Molfeter: "Kurz darauf stand fest, dass es etwa zehn Kilometer vom südrhodesischen Ndola entfernt abgestürzt war. Man fand Hammarskjölds Leiche dann in der Nähe des Wracks."

Das Flugzeugwrack weist Einschusslöcher auf, und auch die Leichen haben Schussverletzungen. Eine erste offizielle Untersuchung aus dem Jahr 1961, die 1993 von einer Nachuntersuchung bestätigt wird, kommt dennoch zu dem Schluss, dass technisches oder menschliches Versagen, den Absturz verursacht habe. Plünderer hätten das abgestürzte Flugzeug am Boden beschossen.

"Zeichen am Weg"

Die Versäumnisse bei der Spurensicherung nähren bis heute Spekulationen über ein Attentat. Hammarskjöld sei demnach Opfer einer Verschwörung gegen die UNO geworden. Nach seinem Tod wird sein Tagebuch "Zeichen am Weg" veröffentlicht. Darin beschreibt der Politiker vor allem seinen inneren Seelenzustand. Prof. Dr. Manuel Fröhlich sagte über das Tagebuch: "Dieser Einblick in den inneren Dag Hammarskjöld war doch ein sehr neues Bild des UNO-Generalsekretärs. Ein näherer Blick aufs Tagebuch zeigt aber, dass diese beiden Seiten sehr komplementär waren, also dass Hammarskjöld sein Leistungspensum und sein Arbeitsideal offensichtlich nur vor dem Hintergrund dieser selbstkritischen Reflexionen und Glaubensauseinandersetzungen leisten konnte."

Zwei Monate nach seinem Tod wird Dag Hammarskjöld für seine Verdienste als erstem Menschen der Friedensnobelpreis posthum verliehen.


Autor: Iven Krüger
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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