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9.9.1901: Tod von Toulouse-Lautrec
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„Mein Plakat ist heute auf die Mauern von Paris geklebt worden, und ich werde bald ein neues machen." Diese Worte schreibt Henri de Toulouse-Lautrec im Oktober 1891 an seine Mutter. So lapidar er dieses Ereignis auch formuliert, die Lithographie "Moulin Rouge" macht den 27-Jährigen über Nacht berühmt. 350 Lithographien erschafft er in den nächsten zehn Jahren bis zu seinem Tod. Druckgrafiken, denen er sich zunächst nur widerstrebend zuwendet, bilden fortan den Hauptteil seines Schaffens.

Udo Felbinger, Autor mehrerer Bücher über Henri de Toulouse-Lautrec erläuterte dazu: "Das Plakat Moulin Rouge ist sein bekanntestes. Es war ausgesprochen bunt, sehr auffällig und die Figuren charakterisieren sich in erster Linie durch ihre Silhouette und nicht durch ihre Gesichter, also durch ihre Gesten, ihre Posen, was eben in Plakaten vorher einfach nicht üblich war, die waren statisch und die Modelle sozusagen lediglich Abbild und eben nicht Dynamik oder Bewegung."

Montmatre und Pariser Bohème

Dass Henri Künstler werden würde, zeichnet sich schon früh ab. Bereits mit acht Jahren wird der begabte Junge im Zeichnen unterrichtet. Als er aufgrund schlecht heilender Knochenbrüche und einer Erbkrankheit, die unter anderem zur Kleinwüchsigkeit führt, lange Zeit das Bett hüten muss, arbeitet der Heranwachsende in dieser Zwangspause unaufhörlich an seinen zeichnerischen Fertigkeiten, er sagte einmal: "Zu denken, dass ich nie gemalt hätte, wenn meine Beine nur etwas länger wären."

Nachdem er notdürftig sein Abitur geschafft hat, zieht Lautrec zum Studieren nach Paris. Die Werke der Impressionisten sowie seine Studienfreunde haben jedoch mehr Einfluss auf seine Entwicklung als die akademischen Dogmatismen seiner Lehrmeister, von denen er sich schon bald emanzipiert. Auch der Montmatre und die Pariser Bohème prägen fortan seine Kunst, werden zu wichtigen Motiven seiner Zeichnungen, wie auch Udo Felbinger meinte: „Sein großes Vorbild war Edgar Degas und der hatte eben angefangen auch Szenen des modernen Lebens zu malen – das hat Toulouse-Lautrec natürlich fasziniert. Und das Leben konnte er dann, als er seinem Elternhaus und der Kontrolle seiner Familie entkommen war, selber erleben. Das schlägt sich in den Plakaten natürlich auch nieder, diese Lebensfreude, die sich dann in seinem Leben auf einmal findet. Er konnte ja kaum laufen, er musste ja eigentlich immer zu Hause sitzen.

Sein Blick: schonungslos wie liebevoll

In den Bordellen des Montmatre geht der aus der behüteten Adelswelt stammende Lautrec ein und aus. Er teilt den Alltag der Mädchen, kocht für sie, bleibt manchmal tagelang in den Etablissements und empfängt dort sogar Besuch. Dafür darf er die Mädchen so porträtieren wie kein anderer. Seine Einblicke in die Pariser Halbwelt sind geprägt von dieser Nähe, sein Blick ist genauso schonungslos wie liebevoll.

Felbinger meinte dazu: "Für ihn waren das Leute, denen er unbefangen begegnete, also er hatte in dem Sinne auch keine Vorurteile, er hat sie auch nicht moralisch verurteilt. Er wollte einfach zeigen, wie das Leben dieser Leute verläuft, traurig meistens, melancholische Momente aber eben dann auch wieder die Momente des Amüsements."

Ein genialer und kompromissloser Außenseiter

Doch Henri de Toulouse-Lautrec ist auch ein kühler Rechner, der die aufkommende Unterhaltungsindustrie Gewinn bringend bedient. Noch heute lässt sich mit seiner Kunst Geld verdienen. Motive seiner Werke finden sich auf Memory-Spielen, Halstüchern oder Notizbüchern. Aber auch das an Abstürzen reiche Leben des genialen und kompromisslosen Außenseiters bietet reichlich Stoff zur Mystifizierung und wurde mehrfach verfilmt. Es gibt sogar Kochbücher, die sich auf ihn beziehen, wie das mit dem Titel "Zu Gast bei Toulouse-Lautrec". Dort heißt es u. a.: "Wenn es um die Wahl der Getränke geht, kann er sehr pedantisch sein. Es käme ihm nicht in den Sinn, etwas anderes zu trinken als seinen Vermouth-Gin oder einen Portwein."

Manchmal nimmt der Maler sieben oder acht solcher Getränke vor dem Essen. Später wird er dann Wein, Champagner oder Cocktails trinken. Auch davon versammelt das Kochbuch gut über 40 Rezepte, weist aber nur flüchtig auf die Nebenwirkungen hin: Toulouse-Lautrec stirbt 1901 im Alter von nur 36 Jahren. Alkohol, Syphilis, Depressionen und das Pariser Leben haben seine fragile Gesundheit endgültig zerrüttet.


Autorin: Anja Krauss
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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